Sport - Doping und Sportpolitik


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Neue Whistleblower Dopingjäger nehmen Fährte auf

Im Kampf gegen Doping melden sich immer mehr Insider, die Informationen bereitstellen und den Dopingjägern helfen möchten. Günter Younger, der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, spricht im Interview mit der ARD-Radio-Recherche Sport von einer Welle neuer Whistleblower, die sich bei der WADA gemeldet hätten.

Stand: 17.01.2018

Günter Younger | Bild: picture-alliance/dpa

Das Dopingsystem in Russland konnte nur aufgedeckt werden, weil Insider ausgepackt haben. Die russische Leichtathletin Julia Stepanova und ihr Mann Vitali waren die entscheidenden Whistleblower bei Ermittlungen zum Staatsdoping in Russland. Inzwischen melden sich weltweit immer mehr neue Whistleblower. Grundlage dafür ist ein neues "Whistleblower-Programm“, dass die WADA vor knapp einem Jahr gestartet hatte. Seitdem können sich Informanten übers Internet und eine Handy-App anonym melden. Inzwischen seien schon rund 200 Meldungen eingegangen, sagt WADA-Chefermittler Younger.

Zahlreiche Ermittlungen laufen

Einige Hinweise hätten schon zu Doping-Ermittlungen geführt, sagt Younger, ohne zu verraten, in welchen Ländern. "Wir haben ungefähr zehn bis 12 Ermittlungen selber laufen. Wir sind auch in Kontakt mit einigen Polizeidienststellen, mit denen wir zusammenarbeiten. Aber darüber können wir natürlich noch nicht reden, weil die noch nicht öffentlich sind. Und wir haben bereits bei einigen Ermittlungen helfen können.“

Dem Ermittlerteam um Younger gelang es zum Beispiel, mit Hilfe eines Informanten an eine Datenbank aus dem Moskauer Doping-Kontroll-Labor heranzukommen. In der Datenbank sind alle positiven Befunde russischer Athleten bei Dopingtests von 2012 bis August 2015 aufgeführt. Nachdem die positiven Befunde damals im Rahmen des russischen Dopingsystems vertuscht worden waren, können die Daten jetzt genutzt werden, um jedem einzelnen Fall nachzugehen. Das ist Aufgabe der jeweiligen Sportverbände.

Daten werden weitergegeben um Ermittlungen zu starten

Deshalb hätten etwas mehr als 60 Sportverbände die Informationen aus der Datenbank schon übermittelt bekommen, so Younger. Darunter auch der Fußball-Weltverband FIFA, weil sich auch Namen russischer Fußballer in den Daten befinden würden.

"Wir sind in Kontakt mit der FIFA. Die waren auch sehr interessiert an den Daten und ermitteln entsprechend. Wir müssen denen jetzt auch Zeit geben, die Ermittlungen tatsächlich auch durchzuführen" sagt Youger. "Aber am Ende werden wir dann sicherlich draufschauen und sagen, was wurde gemacht? Hat es dazu geführt, dass Fußballspieler gesperrt werden konnten, oder waren die Informationen einfach nicht gut genug. Und dann müssen wir uns überlegen, wo wir noch weitere Infos bekommen könnten, um das zu untermauern, was wir denken, was passiert ist.“

Das heißt: auch wenn es sich um Spieler des WM-Gastgebers Russland handelt, ist die FIFA jetzt gezwungen, ernsthaft zu ermitteln und möglicherweise noch aktive russische Nationalspieler zu sperren. Bleibt die FIFA untätig, schlägt die WADA mit Dopingjäger Günter Younger Alarm.


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