Sport - Doping und Sportpolitik


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Biathlon-Weltverband Ermittlungen wegen Korruption und Dopings

Das Ausmaß der Beschuldigungen gegen den Biathlon-Weltverband ist größer als bisher angenommen, sagt ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt. Nun wird in Österreich gegen zwölf Personen wegen Korruption und Dopings ermittelt.

Stand: 16.04.2018

Im Blickpunkt der Manipulations-Vorwürfe steht die Biathlon-Weltmeisterschaft 2021. Die russische Stadt Tjumen bekam 2016 den Zuschlag dafür. Im Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) heißt es, "dafür seien Bestechungsgelder an Mitglieder des Präsidiums der IBU angeboten worden, womöglich auch genommen worden."

Die Entscheidung für Tjumen löste 2016 große Verwunderung aus, denn kurz zuvor hatte Internationale Olympische Komitee (IOC) den Wintersportverbänden empfohlen aufgrund der Staatsdoping-Vorwürfe erst einmal keine Großveranstaltungen mehr an Russland zu vergeben. Erst im März 2017 gab die IBU bekannt, dass Russland die WM entzogen wird. Sie wird erst in diesem Jahr neu vergeben.

Die Vorwürfe, dass Dopingfälle vertuscht wurden, reichen bis zur Weltmeisterschaft 2017 in WM Hochfilzen. Laut Seppelt heißt das dies aber nicht, dass die Manipulationen auch in der vergangene Saison stattgefunden haben müssen: "Das heißt nicht, dass die Athleten 2017 und kurz vorher auch gedopt waren." Es kann aber schon heißen, dass Athleten "mit Unterstützung aus der Spitze des Weltverbandes an den Start gehen durften, deren Dopingvergangenheit länger zurückliegt."

Besseberg bestreitet Beteiligung

Der Sitz der IBU in Salzburg

Bedenkt man aber, dass die ARD bereits seit 2014 über Doping in Russland berichtet, erscheint es noch unglaublicher, dass es in Jahr 2017 immer noch möglich gewesen ist, solche Sachen unter den Teppich zu kehren. "Das zeigt einmal mehr wie sicher sich die Menschen, die das gemacht haben gewesen sind," sagte Seppelt in Blickpunkt Sport.

Der beschuldigte Ex-IBU-Präsident Anders Besseberg  streitet weiter alle Verwicklungen ab: "Ich habe nicht eine Krone, nicht einen Dollar von irgendeinem Russen angenommen", sagte Besseberg der ARD und beschuldigte seinerseits die WADA, die Untersuchungen initiiert, aber keine Beweise dafür zu haben.

Ermittlungen gegen zwölf Personen

Am Montag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Wien gegen zwölf Personen wegen Korruption und Dopings ermittelt. Das sagte Oberstaatsanwältin Ingrid Maschl-Clausen von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) der Deutschen Presse-Agentur. Die Korruptionsvorwürfe würden zwei der Beschuldigten betreffen, sagte die Juristin ohne Namen zu nennen. Zudem wird auch gegen Betreuer und Sportler des russischen Biathlon-Teams ermittelt. Der Tatzeitraum betrifft vor allem die Biathlon-WM im Februar 2017 in Hochfilzen, die Korruptionsvorwürfe reichen bis 2012 zurück. Das Ermittlungsverfahren werde wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Maschl-Clausen.


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