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Finanzielle Unterstützung abgelehnt Athleten Deutschland müssen weiter bangen

Die Sportlervertretung "Athleten Deutschland e.V." muss im Ringen um ihre Finanzierung weiter auf ein positives Signal aus der Politik warten. Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages lehnte einen Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ab, mit dem eine finanzielle Unterstützung des Vereins in Höhe von 225.000 Euro in den Haushaltsentwurf des Bundesinnenministeriums (BMI) festgeschrieben werden sollte.

Stand: 05.06.2018

Sportausschuss Deutscher Bundestag | Bild: picture-alliance/dpa

Die Ablehnung der Unterstützung sei "ein Armutszeugnis", sagte Monika Lazar, sportpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen: "Es ist unverständlich, dass der Sportausschuss sich wieder nicht durchringen konnte, ein sportfachliches Zeichen in den Haushaltsberatungen zu setzen. Glaubwürdigkeit sieht anders aus."

Seit Wochen schwelt ein Streit zwischen dem nach Unabhängigkeit strebenden Verein und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der eine autonome Vertretung der deutschen Sportler verhindern will. Die zunächst im BMI-Etat vorgesehene Summe, die für die Einrichtung einer Geschäftsstelle genutzt werden sollte, wurde wenig später wieder gestrichen.

"Kein gutes, aber auch kein schlechtes Signal"

"Das war kein gutes Signal, aber auch kein schlechtes", sagte Detlev Pilger, sportpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, über die Abstimmung am Dienstag (05.06.18). Dabei verweigerte die SPD gemeinsam mit dem Koalitionspartner CDU dem Antrag ihre Stimmen. Pilger betonte dennoch, dass sich die SPD weiterhin für eine eigenständige Athletenvertretung einsetzen wolle. "Wenn die Sportler bei ihrer Forderung bleiben, richten wir uns danach", erklärte Pilger. Sollte es bei dem Thema zu einer Einigung mit der CDU kommen, werde es kurzfristig einen eigenen Antrag der Koalition geben. Bei einer Einigung sieht Pilger aber derzeit "größere Probleme".

Hörmann ist für Stärkung der Athletenkommission

DOSB-Präsident Alfons Hörmann

Womöglich bleibt den Athleten nur die letzte Chance in der sogenannten Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses. Diese findet voraussichtlich am 27. Juni statt. "Diese jüngste Entwicklung zeigt, wie schwer es ist, die sinnvollen und notwendigen Maßnahmen endgültig über die Ziellinie zu bringen. Wir haben uns klar und deutlich für eine Stärkung der Athletenkommission - ich betone Athletenkommission - ausgesprochen und haben verschiedene Konzepte vorgelegt", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Rande des Forums Sport der ARD in Baden-Baden.

Auf die Frage, welches Konstrukt er bevorzuge, hielt sich Hörmann zurück. "Von mir gibt es keinerlei Votum. Ich habe mich mit Veronika Rücker (DOSB-Vorstandsvorsitzende, d. Red.) geeinigt, dass wir den Athleten und der Politik die Entscheidung überlassen. Der DOSB wird mit jedem der vorgelegten Konzepte leben", sagte er: "Es gilt, die Dinge im engen Schulterschluss zu bewegen, und da kann ich die Athleten nur aufrufen: Lasst es uns gemeinsam tun! Die jüngste Entwicklung zeigt, dass es anders nicht geht."

"Athleten Deutschland" stößt beim DOSB nicht auf Begeisterung

Zum Verständnis: Der neue Athletenverein "Athleten Deutschland" hatte sich im Herbst aus dem Kreis der Athletenkommission gegründet, um die Interessen der Sportler besser vertreten zu können. Eine Aussage des ehemaligen Chef de Mission Michael Vesper zur Gründung der Athletenvereinigung im letzten Oktober zeigt aber, dass man beim DOSB nicht begeistert war über die Initiative der Sportler: "Wir halten uns an die Athletenkommission, die auch gewählt ist. Und die die Interessen der Athleten in den letzten Jahren nach meinem Eindruck sehr gut und auch unabhängig vertreten hat."

DOSB legt Papier zu Athletenvertretung vor

Unterdessen hat der DOSB ein Diskussionspapier mit dreo Szenarien vorgelegt: Eine Stärkung der Unabhängigkeit der Athletenkommission, die zukünftige Interessenvertretung der Sportler im Athleten-Verein und eine Weiterleitung der Fördergelder des Bundes über den DOSB an den Verein Athleten Deutschland. Der DOSB ließ offen, welches Szenario er bevorzugt.

Dagegen hat die von Max Hartung und Silke Kassner angeführte Athletenvertretung in einem Brief an den DOSB und an Parlamentarier des Deutschen Bundestages keinen Zweifel an ihrer Position gelassen. "Wir sprechen uns weiterhin klar für Szenario II 'Verstärkung der Interessenvertretung der Athleten im Verein Athleten Deutschland e.V.' aus", heißt es in dem Schreiben.

Zugleich kritisierten sie, dass das "Timing der schriftlichen Vorschläge des DOSB zu diesem späten Zeitpunkt in den fortgeschrittenen Haushaltsberatungen mehr als problematisch" sei. Zwei Jahre sei Zeit gewesen, sich mit der Thematik gemeinsam auseinanderzusetzen, statt "im letzten Augenblick vor kritischen Haushaltsberatungen mögliche Gestaltungsoptionen zu eruieren".


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