Religion


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Zufall oder Schicksal? Über die Macht des Unberechenbaren

Warum passiert etwas? Ein Unfall, ein Karrieresprung, eine Liebesgeschichte, ein Lottogewinn. Menschen suchen meistens nach einer Erklärung für Ereignisse. Alles nur Zufall? Oder doch Schicksal? STATIONEN begibt sich auf die Spur des Unberechenbaren und trifft Menschen, die Unglaubliches erlebt haben.

Von: Elisabeth Möst

Stand: 11.04.2019

Fingerzeig auf Weltkugel | Bild: colourbox.com

Können wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen oder werden wir von einer höheren Macht gelenkt? Die Frage ist so alt wie die Menscheit selbst. Jeder sucht nach Erklärungen und Mustern. Doch wo der Verstand nicht weiterkommt, beginnt das Schickal, die Vorbestimmung.

Schicksalsschlag: Krankheit

Moderatorin Irene Esmann mit Ann-Christin

Ann-Christin hat von Geburt an einen Gen-Defekt, deshalb funktioniert ihre Niere nicht. Schon als Kleinkind muss sie zur Dialyse. Mit 16 bekommt sie eine Spenderniere. Auf dem Ederhof, einem Zentrum für organtransplantierte Kinder und Jugendliche, ist die heute 17-jährige zur Reha. Denn nicht nur körperlich, sondern auch psychisch muss die Jugendliche mit ihrem Schicksal fertig werden: "Ich glaube, jeder hat so sein Schicksal, das er auch akzeptieren muss. Man hat ja gar keine andere Wahl. Aber ich habe auch Glück gehabt, ich lebe ja. Es kann schlimmer kommen, wenn man zum Beispiel Krebs hat und dann stirbt."

Schon ihre Mutter hatte drei Spendernieren, das Organ wurde immer wieder abgestoßen. Nun ist sie wieder an der Dialyse und hofft weiter auf eine neue Niere. Wenn sich Menschen entscheiden, ein Organ zu spenden, nehmen sie Einfluss auf das Schicksal eines Kranken.

Zufall oder Schicksal?

Naturwissenschaftler wissen: Es gibt den reinen Zufall. Auch, ob eine Krankheit ausbricht oder nicht, ist wissenschaftlich gesehen ein Zufall. Dennoch ist es den Menschen ein Bedürfnis, nach dem Sinn zu fragen, wenn sie ein Schicksalsschlag trifft.

Matthias Remenyi, Fundamentaltheologe an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

"Es ist schwer zu akzeptieren, dass Dinge, die geschehen, sinnlos sind. Wir versuchen, mit dieser Sinnlosigkeit, die wir erfahren, irgendwie umzugehen. Wir suchen nach Gründen, wir suchen nach Antworten. Der Glaube an das Schicksal kann vielleicht eine Hilfe sein, mit der Unbeantwortbarkeit dieser Frage leben zu lernen, sagt Prof. Dr. Matthias Remenyi.

Für Ann-Christin und ihre Eltern ist es eine große Hilfe, auf dem Ederhof Familien kennenzulernen, die ihr Schicksal teilen. Denn auf die Frage nach dem "Warum" werden sie keine Antwort erhalten. Deshalb ist das Konzept der Reha-Einrichtung auch, dass die Kinder und Jugendlichen lernen, trotz ihrer Organerkrankung ein eigenständiges und selbstbewusstes Leben zu führen. Und alle, die auf eine Organspende warten, hoffen, dass möglichst viele Menschen bereit sind, als Organspender zur Verfügung zu stehen und damit die Schicksale der Erkrankten ins Positive zu wenden.

Die Beiträge der Sendung:

- Model-Karriere durch Zufall. Von Anna Kemmer
- Bergsportler im Rollstuhl. Von Barbara Schneider
- Gelegenheiten beim Schopfe packen. Von Astrid Uhr
- Helfer der Polizei - Kommissar Zufall. Von Susanne Fiedler


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