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Robo-Gott Wie künstliche Intelligenz Mensch und Moral verändert

Industrie, Pflege oder Militär: Künstliche Intelligenz wird in vielen Bereichen eingesetzt. Und wird immer schlauer. STATIONEN geht der Frage nach: Was darf Künstliche Intelligenz? Und wie verändert sie unser Menschsein?

Von: Elisabeth Möst

Stand: 02.10.2019

Ein Roboter im Lotussitz | Bild: colourbox.com

Sie wissen, wo's lang geht, wie das Wetter wird und empfehlen uns Rezepte oder Fernsehsendungen, die wir mögen: digitale Helfer wie Alexa, Siri oder Google Assistent. Künstliche Intelligenz hat in unserem Alltag schon eine feste Rolle eingenommen. Und auch in der Arbeitswelt übernehmen immer mehr Computer und Roboter menschliche Aufgaben.

Roboter kriegen keine Rückenschmerzen

Wer ist schneller: Moderator Benedikt Schregle oder der Logistik-Roboter? | Bild: BR

Wer ist schneller: Moderator Benedikt Schregle oder der Logistik-Roboter?

Nicht nur beim Schachspielen ist der Computer dem menschlichen Hirn überlegen. Mit immens wachsenden Rechenleistungen werden Roboter immer schlauer und sind in der Lage, selbst zu lernen. Das Münchner Start-up "Magazino" zum Beispiel entwickelt Roboter, die vollautomatisiert Schuhkartons aus Regalen holen und kommissionieren. Die Roboter namens Soto und Toru sind unter anderem mit einer 3D-Kamera und Hunderten Sensoren ausgestattet, um Wege, Hindernisse, Regale und Kartons zu erkennen. "Die Roboter können das nicht besser als der Mensch, aber sie können 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche arbeiten und bekommen vom Bücken auch keine Rückenschmerzen", erklärt einer der Gründer von Magazino, Frederik Brantner. Wer im Moment schneller ist, der Mensch oder der Roboter, das testet STATIONEN-Moderator Benedikt Schregle im direkten Vergleich. Wer gewinnt, sehen Sie am Mittwoch den 9. November um 19 Uhr in der Sendung STATIONEN. Doch egal, wie der Wettkampf ausgeht, Roboter mit Künstlicher Intelligenz werden künftig im E-Commerce-Bereich die Warenlager erobern.

Präzisere Diagnostik vom Algorithmus

Die Diagnose in Krankenhäusern zu revolutionieren, daran arbeitet der Arzt und Data-Scientist Franz Pfister, und baut dabei ebenfalls auf Künstliche Intelligenz. Er hat das Start-up deepc gegründet und arbeitet mit der Neuroradiologie im Klinikum rechts der Isar der TU München zusammen. Die Künstliche Intelligenz kann die Einzelbilder von Magnetresonanz- und Computertomographie schnell und präzise auswerten, erkennt Anomalien und unterstützt die Ärzte bei der Diagnose.

"Also die KI lernt aus tausenden von Trainingsdaten von gesunden Menschen und kann so genau erkennen, wenn irgendwo etwas auffällig ist, was nicht zu den gelernten Mustern passt."

Dr. Franz Pfister

Dr. Benedikt Wiestler, Arzt in der Neuroradiologie sieht die KI als Unterstützung für die Ärzte. Allein aufgrund der Fülle der Daten, teilweise werden von einem Patienten Tausende Bilder aufgenommen, könnten im Stress Auffälligkeiten übersehen werden: "Was die KI tatsächlich besser kann, ist diese Aufgabe mit immer derselben Konzentration, mit immer derselben Leistungsfähigkeit zu erledigen. Und das macht eine künstliche Intelligenz nachts um Drei ebenso zuverlässig wie morgens um Neun", so Wiestler.

Was passiert, wenn Maschinen den Menschen ersetzen?

Doch was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn Roboter und Computer den Menschen in seiner Arbeit ersetzen? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat eine Studie dazu erstellt. Schon der Titel zeigt die Richtung, in die der Arbeitsmarkt in Zukunft gehen wird: "Substituierbarkeitspotenziale von Berufen", vereinfacht gesagt: Wo kann menschliche Arbeitskraft ersetzt werden? Professor Stefan Bauberger, Jesuit, Theologe und Physiker, beschäftigt sich an der Hochschule für Philosophie in München mit KI und dem Menschenbild. Er findet es nicht schlimm, wenn einfache Tätigkeiten, wie die Prüfung von Steuerunterlagen oder Versicherungspolicen künftig von Maschinen übernommen werden. Dann hätte der Mensch mehr Zeit für sinnvolle Tätigkeiten, etwa sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Er sieht aber auch die Gefahren, wenn durch KI und Computerisierung viele Arbeitsplätze entfallen:

"Das wird dazu führen, dass die qualifizierten Arbeitskräfte deutlich mehr verdienen werden und andere werden aus dem Verdienstsystem rausfallen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird verschärft werden. Die Herausforderung ist, überhaupt umzudenken und neue Gesellschaftsmodelle zu entwickeln."

Prof. Stefan Bauberger, Professor für Grenzfragen der Naturwissenschaft und Wissenschaftstheorie

Die Beiträge der Sendung:

- Psycho-App: Therapieangebote fürs Smartphone. Von Barbara Schneider
- Pflegeroboter und KI für Senioren. Von Agnieszka Schneider
- Kann Gott ein Roboter sein? Von Iris Tsakridis
- Killerroboter: Waffensysteme ohne Menschen. Von Barbara Schneider


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