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Es werde Licht Wege aus der Depression

Jeder Mensch kennt Phasen im Leben, in denen alles dunkel erscheint. Ein Stimmungstief, das sich von selbst auflöst? 5,3 Millionen Menschen erkranken jährlich an einer Depression, die behandelt werden muss. Weil sie nicht einfach so verschwindet.

Von: Andrea Kammhuber

Stand: 21.01.2020

Ein Wanderer unter dunklen Wolken | Bild: picture-alliance/dpa

Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. An Depression sind derzeit in Deutschland 11,3 Prozent der Frauen und 5,1Prozent der Männer erkrankt. Frauen leiden damit etwa doppelt so häufig an Depression wie Männer. Insgesamt sind im Laufe eines Jahres 8,2 Prozent der deutschen Bevölkerung erkrankt. Das entspricht 5,3 Millionen Menschen.

Immer mehr depressive Kinder und Jugendliche

Vor allem die Zunahme von Depressionen im Kinder- und Jugendalter ist besorgniserregend. Nach einer Untersuchung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) waren im Jahr 2017 in Deutschland rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren von psychischen Erkrankungen ohne organische Ursache betroffen. Als Gründe wurden permanenter Leistungsdruck in der Schule, Mobbing sowie gesellschaftlicher Druck durch Medien, Idole und Influencer genannt. Suizid aufgrund depressiver Erkrankung ist heute unter Jugendlichen die zweit häufigste Todesursache.

Woran erkennt man bei Kindern und Jugendlichen eine Depression?

Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne ist Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität München. Er sagt:

"Die verminderte Aktivierung, der fehlende Antrieb, Dinge zu tun, die sie vorher gerne getan haben, dann die anhaltende Traurigkeit und auch die Zweifel an sich selbst und an die Zukunft. Diese Symptome sollten mindestens 14 Tage und damit die meiste Zeit des Tages vorhanden sein und damit grenzt es sich ab von einer akuten Krise im Rahmen einer Pubertätssituation, wo Kinder mal einen Tag schlecht gelaunt sind, oder zwei, aber danach geht es ihnen wieder besser."

Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne

Depressive Jugendliche: Schüler wollen enttabuisieren

Depressionen sollen kein Tabu-Thema mehr sein. Das fordern Alexander Spöri und seine Freunde der "MovieJam Studios" aus Taufkirchen bei München. Die Abiturienten haben ein 60-minütiges Dokumentardrama gedreht. Der Titel: Grau ist keine Farbe. Der Film erzählt die Geschichten von drei Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen depressiv sind.

Forderung: Psychische Krankheiten sollen in den Lehrplan

Bei diesem Film soll es nicht bleiben. Die Münchner Abiturienten haben sich mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt. Das Thema soll in die Lehrpläne integriert werden. In der Schule soll offen und konkret über psychische Krankheiten geredet werden. Denn die Jugendlichen haben selbst in ihrer Schulzeit am Gymnasium in Unterhaching Freunde und Mitschüler erlebt, die an Depressionen litten und die sich nicht trauten darüber zu sprechen. Eltern und Lehrer waren oft überfordert. Aufklärung tut not. Irene Esmann fragt nach. Was ist aus der Petition, die über 43.000 Menschen unterstützt haben, geworden?

Reden hilft: Das Mental-Health-Café in München

Im Dezember vergangenen Jahres hat das "Berg & Mental" eröffnet, ein Café für psychische Gesundheit. Es ist „ein Café für die Seele“, gedacht für Menschen, die sich nicht gut fühlen oder nach Wegen suchen, ihren Alltag besser zu bewältigen. Auch das besucht Moderatorin Irene Esmann. Wie können Wege aus der Depression gefunden werden? Wege, die durch die innere Dunkelheit ins Leben zurückführen? STATIONEN macht sich kurz vor Mariä Lichtmess auf die Suche nach dem, was wieder Licht ins Leben bringen kann.

Die Beiträge der Sendung

- Wie komme ich da raus? Depression einer Schülerin. Von Astrid Uhr
- Attraktiv, sportlich und depressiv - wie passt das zusammen? Von Julia Mumelter
- Ein Seelsorger kommt an seine Grenzen. Von Thomas Hauswald
- Wie die Kunst bei Depressionen helfen kann. Von Elisabeth Tyroller

 


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