Religion


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Familienaufstellung Verbindungen verstehen

Verstrickungen lösen und Muster durchbrechen: Mit der sogenannten Aufstellungsarbeit kann hinter die eigenen Kulissen geschaut werden. Eine Methode, die helfen kann - aber auch umstritten ist.

Von: Elisabeth Tyroller/ Andrea Koeppler

Stand: 08.02.2018

Eine Gruppe bei einer Familienaufstellung im Praxisraum für Lebenskunst  | Bild: BR/ Elisabeth Tyroller

In der Aufstellungsarbeit wird das Leben als System begriffen, in dem Menschen miteinander verbunden sind. Die Methode kann auch unbewusste Verbindungen aufzeigen, die schmerzhaft sind oder einen aus dem Gleichgewicht bringen. Gelingt eine Aufstellung, so kann der Klient anschließend sein System - seine Familie, die Kollegen, seinen Partner - neu wahrnehmen und einen neuen Zugang finden.

Menschliche Verbindungen aufzeigen

Repräsentative Wahrnehmung heißt das Phänomen, das bei einer Aufstellung eintritt. Das bedeutet, dass unbeteiligte Menschen, denen der Aufstellungsleiter zum Beispiel eine Rolle zuteilt, wie die entsprechenden Menschen fühlen und wahrnehmen. Dadurch können Bindungen und Zusammenhänge sichtbar gemacht werden.

"Überall dort, wo man tiefere Zusammenhänge erfassen möchte, kann man das schön und vor allem innerhalb kürzester Zeit mit dieser Methode tun. Das ist das Einzigartige an der Aufstellungsarbeit. Sie bringt ans Licht, welche Bindungen, Beziehungen und Zusammenhänge im Verborgenen wirken."

Juliane Cernohorsky-Lücke, Aufstellungsleiterin

Die Familienaufstellung war lange Zeit in der Psychotherapie nicht anerkannt. Der Pionier Bert Hellinger, nach dessen Methode bis heute viele Aufsteller arbeiten, hat nicht nur mutige Versöhnungsarbeit geleistet, sondern geriet vor allem wegen seiner Familienaufstellungen vor großem Publikum in Kritik: Seine Klienten wurden zum Teil vorgeführt und vor allem nach der Aufstellung auch alleingelassen.

Studie belegt Wirksamkeit

In den vergangenen Jahren hat sich die Aufstellungsarbeit weiterentwickelt, im Jahr 2012 wurde ihre Wirksamkeit erstmals wissenschaftlich von unabhängigen Forschern belegt. Auch wenn sich das Phänomen der Aufstellung nicht wirklich erklären lässt, so zeigt die Studie, die am Universitätsklinikum Heidelberg durchgeführt wurde, dass die Teilnehmer sich anschließend besser fühlten. Für viele, die eine Aufstellung ausprobieren, ist es eine wertvolle Erfahrung, die befreiend wirken kann. Eine Therapie ersetzen kann es nicht.


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