Religion


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Theologie der Zukunft Eugen Biser zum 100. Geburtstag

Wenn der zierliche Pfarrer und Theologe Eugen Biser in der Universitätskirche in München predigte, kamen die Zuhörer in Scharen. Nicht nur Christen - auch Muslime und Atheisten. Am 6. Januar wäre Biser 100 Jahre alt geworden.

Von: Antje Dechert

Stand: 02.01.2018

Religionsphilosoph Eugen Biser an seinem 90. Geburtstag | Bild: dpa-Bildfunk/Frank Mächler

Als "Professor auf der blauen Vespa" war Eugen Biser bekannt.

"Ich habe immer bewundert, wie er mit einem kleinen Motorrad in dem umtriebigen München herumkurvte und an jedem Ort mit wunderbarer Pünktlichkeit gegenwärtig war."

Hans Maier, ehem. bayerischer Kultusminister

Eine "Theologie der Zukunft" für die Menschen

Eugen Biser: der "Professor auf der blauen Vespa".

Eugen Biser: ein zierlicher, freundlicher, zurückhaltender Mann, der - wenn er predigte - zur wortgewaltigen Autorität wurde, ohne jemals autoritär zu sein. Ein Querdenker und Pfarrer, Theologe und Philosoph, Kritiker seiner Kirche und seiner Zeit. Sein ganzes Schaffen galt seiner Idee von einer neuen Theologie. Einer Theologie, die den Menschen Antworten geben sollte, auf die Grundfragen ihrer Zeit. Einer Theologie der Zukunft.

Sobald Eugen Biser das Wort ergriff, wurde er zum faszinierenden Charismatiker. Wenn er predigte, redete er frei, spontan, lebendig, bildhaft und treffend. Seine Sprache war zugleich einfach, geschliffen und immer verständlich. Das war zweifelsohne eine besondere Begabung, aber auch seiner langjährigen Tätigkeit als Religionslehrer geschuldet, wie sich Eugen Biser 2007 erinnerte:

"Die hat mich sogar in zwei Hinsichten geprägt. Also zunächst einmal, dass ich gelernt habe, mich auszudrücken. Dass ich eine Sprache gefunden habe, die die Menschen verstanden haben und verstehen konnten. Aber natürlich hat sie mich erst recht geprägt, weil ich da die Probleme der Menschen kennengelernt habe. Die haben mir gezeigt, dass heute der Glaube nicht einfach frei Haus verkauft werden kann, sondern abgestimmt sein muss auf die Rezeptivität der jeweiligen Hörerschaft."

Eugen Biser, 2007

Gottesdienste von Eugen Biser besuchten sogar Atheisten

Wenn Eugen Biser predigte, hatte er den Anspruch, seinen Zuhörern einen Glauben zu vermitteln, der lebensnah war. Die Sonntagabend-Gottesdienste in der Universitätskirche Sankt Ludwig waren immer gut besucht. Der Katholik Biser zog ein buntes Publikum an: Frauen und Männer jeden Alters, aus allen gesellschaftlichen Schichten, darunter auch evangelische Christen, aber auch Juden, Muslime und sogar Atheisten.  

Brücken bauen zwischen den Religionen war für Eugen Biser eine wichtige Aufgabe. Insbesondere dem Dialog mit dem Islam war sein spätes Wirken gewidmet - auch als Mitgründer und Ehrenvorsitzender der 2002 gegründeten Eugen-Biser-Stiftung. Bis heute ist es ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt der Stiftung, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern. Im Sinne Eugen Bisers will die Stiftung so etwas für den Zusammenhalt in der Gesellschaft tun. Dafür wurde sie im Jahr 2017 mit dem Bürgerpreis des Bayerischen Landtags ausgezeichnet.

"Zu Bisers Zeit war ganz stark eine Frage gewesen die Angst der Gläubigen, die Frage der Angstüberwindung. Das mag sich heute vielleicht nicht mehr ganz so stark ausdrücken, weil - wie auch Biser es propagiert hat - der bedingungslos liebende Gott sich doch auch sichtbar zeigt, auch stärker in der Kirche. Was wir aber heute haben ist vielleicht die Angst vor den Fremden, die Angst die jetzt mit den Flüchtlingen kommt, die Angst vor anderen Religionen und deshalb beschäftigt sich die Stiftung momentan sehr stark mit dieser Frage, weil es den einzelnen daran hindert, dem anderen zu begegnen."

Stefan Zinsmeister vom Vorstand der Eugen-Biser-Stiftung


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