Religion


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Vom Wandel des Lebens auf dem Land Die Kirche im Dorf lassen?

Raus aus den Kirchenmauern, näher zu den Menschen: Mitten in der Landshuter Einkaufsmeile hat im Oktober die erste Pop-up-Kirche Bayerns eröffnet. In einem Ladengeschäft gibt es nun Andachten, ein Begegnungscafé und Vorträge. Wie kommt das an?

Von: Andrea Koeppler; Christian Feist

Stand: 08.11.2021

Die "Pop-Up-Kirche" in der Landshuter Neustadt | Bild: BR/Philip Kuntschner

Mitgliedschaft in einer Kirche oder der regelmäßige Besuch des Sonntagsgottesdienstes sind sowohl in der Stadt als auch auf dem Land nicht mehr selbstverständlich. STATIONEN geht der Frage nach: Wie wirkt sich der gesellschaftliche Wandel auf unser religiöses Leben aus – und wie verändert es sich?       

Erste "Kirche auf Zeit" in Bayern    

Die evangelische Kirche in Landshut probierte seit Oktober etwas Neues aus: eine Pop-up-Kirche, mitten in der Fußgängerzone. Das Prinzip "Pop-up", übersetzt "plötzlich auftauchen", ein zeitlich befristetes Konzept, das es bereits für Läden oder Ausstellungen gibt. Die Idee: Ein leerstehendes Ladenlokal bietet für kurze Zeit die Möglichkeit, Ungewöhnliches passieren zu lassen, bevor es wieder frei wird. Der viele Leerstand in Landshut brachte Dekanin Nina Lubomierski auf die Idee, eine Pop-up-Kirche zu eröffnen.

"Der Laden zeigt einen Monat lang an einem neuen Ort, was Kirche und Diakonie in Landshut zu bieten hat. Nachhaltig ist das insofern, als die Leute natürlich alles, was wir in der 'Pop up Kirche' anbieten, auch in den normalen kirchlichen und diakonischen Bezügen weiterhin haben."

Nina Lubomierski, Dekanin in Landshut

Diakonie und Kirche: Sichtbar werden in der Stadt

Der Pop-up-Laden der Diakonie in Landshut

Die Pop-up-Kirche lockte die Passanten zunächst mit einem von der Diakonie betriebenen Vintage-Laden herein. Wer dann erstmal drin war, konnte sich über weitere Angebote der evangelischen Dienste informieren. Aber auch ganz normales Kirchenleben konnte erlebt werden. Der Kirchenvorstand tagte hier, es gab eine Kinderbetreuung und freitags fand eine Mittagsandacht statt. Das Ziel war, transparenter und sichtbarer im vorwiegend katholischen Landshut zu werden.

Die Idee, eine Kirche in einem Laden zu eröffnen, ist allerdings älter. Bereits im Berlin der 1960er Jahre hat dort ein Theologe ein Gotteshaus eröffnet, das nicht auf Dauer angelegt war. Und im Jahr 2017 hat die Nordkirche begonnen, eine Art mobile Kirche einzurichten und tingelt mit dieser mal zu einem Weihnachtsmarkt und an den Hamburger Jungfernsteht.

Das Projekt "Pop-up-Kirche" ist erst einmal beendet.
Der Vintageladen hat noch bis Weihnachten geöffnet, und auch Weihnachtsandachten finden weiterhin statt.

Die Beiträge der Sendung:

  • Ist die Zeit hier stehengeblieben? Falkenberg in der Oberpfalz. Von Birgit Rätsch
  • Neues Selbstvertrauen auf dem Land? Von Andrea Neumeier
  • Vom Dekan zum Dorfpfarrer. Ein Perspektivwechsel. Von Nicole Mühlberger

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