Religion


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Tod und Sterben im Christentum Glaube an die Auferstehung

Jeden Sonntag bekennen Christen in ihrem Glaubensbekenntnis, dass sie an ein Leben nach dem Tod glauben. Doch was bedeutet der Glaube an die "Auferstehung der Toten und das ewige Leben"?

Von: Elisabeth Tyroller

Stand: 07.03.2016 | Archiv

Illustration Tod und Weiterleben im christentum: Kreuz und steinerner Engel | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Grundlage der Botschaft: die Auferstehung Jesu im Neuen Testament

Die Evangelisten berichten vom leeren Grab und von den Menschen, die dem Auferstandenen begegnet sind. Die Auferstehung Jesu basiert also auf den Zeugnissen in der Bibel und den Glauben daran. Deshalb dürfen die historischen Berichte der Männer und Frauen, die Jesus gesehen haben, und der Glaube an die Auferstehung nicht voneinander getrennt werden.  

"Im Glauben wissen wir: hier ist etwas wirklich passiert. Jesus ist wahrhaft von den Toten auferstanden. Das ist nicht nur historisch. Ohne, dass es Spuren in Raum und Zeit hinterlassen hätte, wäre es nicht geschehen."

Thomas Söding, Professor für Neues Testament in Bochum

Im Übergang vom Leben zum Tod: Begegnung mit Gott

Die moderne Theologie ist der Überzeugung, dass der Mensch im Augenblick des Übergangs vom Leben zum Tod, Gott begegnet. In dieser Begegnung erhält er Anteil an seiner göttlichen Lebensmacht. Auch Jesus ist als Mensch nicht aus eigener Kraft auferstanden. Er wurde auferweckt mit der göttlichen Kraft des Geistes. Und genau so werden wir Menschen auferweckt werden. Der Satz im Glaubensbekenntnis "zu richten die Lebenden und die Toten" hat bei den Gläubigen viele Ängste ausgelöst. Er wurde lange dazu missbraucht, Menschen zu einem bestimmten Lebensstil zu erziehen.  

"Gemeint ist aber damit eigentlich, dass Gott die Welt wieder richtig macht. Wir spüren, wie fern wir von Gott sind, wie unheil, gewaltbereit, egoistisch. Das ist nicht das, was unser innerstes Wesen ausmacht und wie wir eigentlich sein könnten und möchten. Wir haben die Hoffnung, dass in der richtenden Begegnung mit Gott und Jesus Christus, der ganz Ja zu uns sagt, es möglich ist, dass wir wieder richtig und heil werden. Jeder Einzelne persönlich. Aber auch die Welt, mit Gewalt, unrechter Verteilung der Lebensmittel, mit Zerstörung der Schöpfung. Das ist Gericht."

Petra Kurten, Professorin für Dogmatik in Eichstätt

Auferstehung von Leib und Seele

geschmücktes Grab | Bild: BR/Elisabeth Tyroller zum Artikel Zu Allerseelen Das Grab als Garten und Treffpunkt

Die Gräber sind im November besonders schön geschmückt. Doch eigentlich sollte man Gräber nicht nur um die Feiertage Aufmerksamkeit schenken. Findet die Floristin Anne Lindner. [mehr]

Die christliche Vorstellung von Auferstehung ist, dass Körper und Geist, Leib und Seele in irgendeiner Form nach dem Tod miteinander verbunden bleiben. Diese Untrennbarkeit ist in der Schöpfung begründet: Gott hat den Menschen erschaffen als sein Ebenbild, mit seinem Leib, mit seiner Seele und mit seinem Geist. Die Hoffnung der christlichen Auferstehung ist, dass diese Beziehungen auch über den Tod hinaus eine Zukunft haben. Diese Hoffnung begründet sich in der Auferstehung Jesu. Im Neuen Testament wird an verschiedenen Stellen beschrieben, dass der Auferstandene für seine Jünger wiedererkennbar derselbe ist, aber eben auch ganz anders.

"Wir sind nicht der Überzeugung, dass nach dem Tod irgendwie eine unsterbliche überpersönliche Seele weiterexistiert. Sondern wir sind der Überzeugung, dass der Mensch in der Identität seiner Person wiedererkennbar ein ewiges Leben bei Gott hat. Dass wir einander wiedertreffen, wiedererkennen können. Das meint genau Leibhaftigkeit: dass ich meine gesamte Lebensgeschichte, jede Träne, jedes Lachen, jede Falte, alles das hat eine Zukunft bei Gott."

Petra Kurten, Professorin für Dogmatik in Eichstätt


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