Religion


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Religion und Glaube in Bayern Wicca

Germanisch-heidnische Kulte, bei denen Naturgottheiten verehrt werden - das scheint Stoff aus der Vergangenheit. Doch weit gefehlt. Seit den 1950er und 1960er Jahren erleben neuheidnische Strömungen eine Renaissance.

Von: Diana Steinbauer

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Neuheidnische Hochzeitsfeier: "Eheleite" | Bild: Sven Lechner

Silke und Sven Lechner etwa gehören der Wicca-Bewegung an, der größten neuheidnischen Gruppe. Sie haben ihre Tochter Ylva auf ganz besondere Weise willkommen geheißen. Anders als viele ihrer Bekannten und Freunde haben sie ihre Tochter nicht taufen lassen, sondern ein heidnisches Namensgebungsfest gefeiert. Dabei wurde das Kind an einer kleinen Quelle mit Wasser besprengt, um den Quellgöttern für die glückliche Geburt zu danken. Die Lechners haben sich bei ihrer Hochzeit auch nicht die Treue am Altar versprochen. Sie haben eine "Eheleite", eine heidnische Heirat gefeiert.

"Ein Jahr und einen Tag alt darf es maximal sein. Das haben wir auch bei unserer Tochter gemacht. Tatsächlich sie in die Familie aufgenommen, beim Namen genannt, sie gesegnet."

Silke Lechner

Wicca ist eine Hexenbewegung im Neuheidentum

Wicca und Druiden bei einer Segnungsfeier in Großbritannien.

Christian Uhrig ist Religionswissenschaftler in Bayereuth. Er hat sich intensiv mit dem Neuheidentum beschäftigt. Er sagt, das Spektrum naturreligiöser Strömungen sei sehr breit. Es reiche von Formen, die das Keltentum wiederbeleben möchten über germanische Vorstellungen bis hin zu Neudruiden und eben Wicca, einer Hexenbewegung. Ein besonderer Teil der Glaubensvorstellung der Wicca ist die Mittlerfunktion.

"Wicca bedeutet übersetzt so viel wie Zauberer oder Hexer und es umreißt schon das Feld, um was es geht. Die Gläubigen, die sich als Wicca bezeichnen, fühlen sich nicht als neureligiös, sondern man hat den Glauben, dass man eine alte Religion wiederbelebt oder eine Tradition fortführt. Und das knüpft an die Vorstellung an, dass eine Religion der Hexen existiert hat und diese Religion wiederbelebt wird. Hexe wird somit auch als etwas Positives verstanden."

Christian Uhrig

Zusammengefasst:

Wicca und andere Neuheiden oder Naturreligiöse leben in enger Verbundenheit zur Natur. Der Schutz der Umwelt ist ihnen sehr wichtig. Sie veranstalten u.a. Baumpflanzaktionen und setzen sich für ökologische Landwirtschaft und nachhaltiges Wirtschaften ein.

Zahlen und Fakten
Das Neuheidentum ist keine einheitliche Bewegung. Es gibt nur Organisationen oder Institutionen, in der sich die verschiedenen Zweige der Naturreligiösen vereinigen, zum Beispiel der Verband der "KulturGeister", die Germanische Glaubensgemeinschaft oder der Rabenclan. Im gesamten naturreligiösen Spektrum stellen die Wicca die größte Gruppe dar. Experten gehen davon aus, dass die Mitgliederzahlen von Wicca in Deutschland im vierstelligen Bereich liegen. Vor allem im oberfränkischen Bayreuth gibt es große Wicca-Gruppen.

Glaube und Ziele
"
Gott" ist für Wicca nur ein Begriff für "Gute Kräfte". Sie glauben nicht an einen Gott. Sie glauben an die Kräfte der Natur, die sich auch in Gestalt von Göttern und vor allem Göttinnen zeigen können. Wicca selbst verstehen sich als "Hexen" im positiven Sinn, als "weise Frauen" und Männer, die über heilende Kräfte verfügen.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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