Religion


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Religion und Glaube in Bayern Sufismus

Der Islam ist, wie andere Religionen auch, kein einheitliches Gebilde. Die Sufis beispielsweise sind eine spirituelle und mystische Glaubensrichtung des Islam. Man wird sie nicht an langen Bärten oder Kopftüchern erkennen.

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Sufismus | Bild: picture-alliance/dpa

Der Weg zu Gott führt über die Mystik, so lehrt es der Sufismus. Darüber, das Geheimnisvolle an Gott zu erkennen und Gott als Geheimnis anzunehmen. Die ersten Mystiker soll es schon in der Gefolgschaft Mohammeds gegeben haben, also im 7. Jahrhundert. Ihr Leben und ihr Glaube sind davon geprägt, Gott zu huldigen - und sie tun dies auf eine lebensfrohe und bejahende Weise. Ausdruck dessen sind beispielsweise die tanzenden Derwische.

Sufis wurden lange Zeit als Ketzer beschimpft

Sufis wollen Gott erfahren, zum Beispiel indem sie sich in Ekstase tanzen

Ähnlich wie die christlichen Mystiker im Mittelalter wurden auch die Sufis lange Zeit verfolgt und als Ketzer beschimpft. Mansur al Hallaj, einer der bekanntesten islamischen Mystiker des 10. Jahrhunderts wurde sogar von dem orthodoxen Kalifen in Bagdad ins Gefängnis geworfen und hinterher gekreuzigt. So berichtet es die Überlieferung.

In München leitet der Deutsch-Ägypter André Ahmed Al Habib den Azizani-Orden. Der ist ein Abzweig des Kadiri-Ordens, der auf den persischen Mystiker Abdul al Quadir al-Dschilani aus dem 12. Jahrhundert zurück geht. Sie sehen sich in der unmittelbaren Nachfolge des Propheten Mohammed und seiner Gemeinde in Mekka und Medina.

Zusammengefasst

Der Sufismus ist die mythische Ausprägung des Islams. Sufis praktizieren neben dem täglichen Gebet Meditationen und Übungen, um mit Allah eins zu werden.

Zahlen und Fakten
Zentren der Sufis gibt es überall auf der Welt. In Bayern sind sie besonders stark in Nürnberg und München vertreten.

Glaube und Ziele
Das oberste Ziel des Sufismus ist es, durch Übungen und Meditationen Gott im Leben zu erfahren. Kern des Glaubens ist für die Sufis, Gott mit dem Herzen zu preisen und ihm zu gedenken. Die Sufis meditieren über Worte des Koran, dazu gibt es die sogenannte Dhikrullah, ein sehr intensives Gebetsritual zur Erinnerung an Allah. "Dhikrullah" ist arabisch und heißt: Gott gedenken.
Für einen Sufi ist Gott keine Glaubens-, sondern Erfahrungssache. Es gilt, Gott zu erfahren - jeden Tag, in jeder Situation.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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