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Religion und Glaube in Bayern Sai Baba

Sathya Sai Baba war ein Guru aus hinduistischer Tradition, der am 24. April 2011 in Indien starb. Auch in Bayern gibt es Anhänger, sie nennen sich selbst "Devotees". Wo sie leben? Zum Beispiel in Wolfratshausen.

Von: Friederike Weede

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Sai Baba | Bild: picture-alliance/dpa

Sathya Sai Baba wurde 1926 als Bauernsohn in einem südindischen Dorf geboren. 2011 stirbt er als Guru mit Millionen Anhängern weltweit. Ihren Ursprung hat die Philosophie des Sathya Sai Baba im Hinduismus, sie greift aber auch Traditionen aus den anderen Weltreligionen auf. In seiner Heimat wird Sai Baba etwa so verehrt wie der Papst und er heißt auch so: "Sai Baba" - heiliger Vater.

"Er wird von Millionen Menschen auch verehrt als Avatar. Ein Avatar ist eine Herabkunft des Göttlichen auf Erden, angetan mit Eigenschaften, die der normale Mensch nicht hat. Sathya Sai Baba sagt von sich selber, er sei der große Purna-Avatar, von denen gibt es nur ganz wenige, und die sind angetan mit voller Göttlichkeit."

Rainer Müller aus Wolfratshausen

Sai Baba - das heißt "heiliger Vater"

Sai-Baba-Schrein im Dachgeschoß eines Geschäftshauses im bayerischen Wolfratshausen

Sich selbst verstand Sai Baba als Wiederkunft des "Shirdi Baba", eines indischen Heiligen, der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte und Moslem war. Seit den 1960er-Jahren vertritt die Sathya-Sai-Organisation die Lehre des Gurus.

Rainer Müller besucht regelmäßig die Treffen der Sathya-Sai-Gruppe in Wolfratshausen. Auf Kissen und Decken sitzen die Anhänger der Sathya-Sai-Gruppe Tölzer Land im Dachgeschoss eines Geschäftshauses vor einem lebensgroßen Foto von Sathya Sai Baba, das an der Wand lehnt. Sie singen auf Hindi, Englisch, sogar Arabisch. Jüdische Lieder sind ebenso dabei, wie buddhistische Mantras und christliche Lieder aus Taizé. Welchen Gott man verehrt, darauf kommt es nach Sai Baba nicht an, denn der Kern, die religiöse Essenz, sei in jeder Religion zu finden.

"Sai Baba sagt, er ist nicht gekommen, eine neue Religion zu gründen, aber er will, dass jeder Christ ein besserer Christ wird, jeder Moslem ein besserer Moslem, jeder Hindu ein besserer Hindu. In der ganzen Ethik sind wir gehalten alle Religionen zu achten."

Rainer Müller aus Wolfratshausen

Kritiker bemängeln den Personenkult um Sai Baba

Kritiker des Gurus bemängeln den Personenkult um ihn. Tatsächlich sind die Hoheitstitel, die seine Anhänger Sai Baba geben, "Schöpfer" zum Beispiel - mit Christentum oder Islam nicht problemlos vereinbar. Kritik lösten auch Vorwürfe aus, der Guru vergreife sich sexuell an männlichen Anhängern. Am 24. April 2011 starb Sai Baba. Aber seine Schüler sind überzeugt: er kommt wieder. In neuer Inkarnation, als "Prema Baba". So hat er es vorhergesagt.

Nach eineinhalb Stunden verklingt bei den Sai-Baba-Anhängern in Wolfratshausen das letzte "Om", ein Mitglied der Gruppe teilt Vibuthi aus, heilige Asche aus Indien. Die Männer und Frauen streuen sie sich auf die Zunge, malen sich damit einen Punkt auf die Stirn oder reiben sich ein, zum Schutz und für Heilung.

Zusammengefasst:

Die Anhänger von Sai Baba verehren den indischen Guru als Herabkunft des Göttlichen auf Erden. Seine Kritiker sehen in ihm einen Scharlatan, der stets bei großen Auftritten mit Taschenspielertricks arbeitete.

Zahlen und Fakten
Seit 1965 verbreitet die Sathya-Sai-Organisation die Lehre von Sai Baba. Die Zahl der Anhänger, die sich selbst "Devotees" nennen, wird bundesweit etwa auf 5.000 bis 10.000 geschätzt. In Bayern gibt es Zentren in München und Nürnberg und darüber hinaus lokale Gruppen zum Beispiel im Ostallgäu oder im Tölzer Land.

Glaube und Ziele
Die Anhänger von Sai Baba leben eine Ethik der Nächstenliebe. Außerdem glauben sie an die Einheit aller Religionen und an die Göttlichkeit im Menschen.


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