Religion


13

Religion und Glaube in Bayern Quäker

"Quäker" bedeutet "Zitterer". Diesen Spottnamen erhielten die Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft wegen ihrer besonders intensiven Art des Meditierens. Eigentlich nennen sie sich "Gesellschaft der Freunde".

Von: Anja Wahnschaffe

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Quäkerversammlung | Bild: BR/S. Mangels

Wenn sich die Mitglieder der "Religiösen Gesellschaft der Freunde" - auch Quäker genannt - in einem Raum der evangelischen Markus-Kirche in München treffen, dann halten sie keinen liturgisch bestimmten Gottesdienst mit Gesängen und Predigten ab. Die Quäker halten stille Andacht. Sie ist der Kern ihres spirituellen Lebens.

"Weil es wirklich nur in der Stille möglich ist, zu dem zu kommen, was Gott sagt. Für mich ist die Besinnung in der Stille ganz wichtig, um in mich selber zu gehen und zu hören, wo ich gerade stehe, was es mit mir macht und manchmal kommt man in der Stille zu wichtigen Entschlüssen. Wenn statt der Stille ein Gottesdienst wäre mit einer Liturgie und Gesängen, dann habe ich nicht das Gefühl, dass ich zu mir kommen kann."

Maurice de Coulon

Maurice de Coulon ist seit 40 Jahren Quäker und daher eine Art Experte, denn Pfarrer oder studierte Theologen gibt es bei den Quäkern nicht.

Seit ihrer Gründung im 17. Jahrhundert in England haben sich die Quäker in verschiedene Strömungen gespalten - die evangelikalen, die konservativen und die liberalen. Die in Deutschland lebenden Quäker entstammen der liberalen Urtradition, die Mitte des 17. Jahrhunderts in England entstand. Gründer war der Laienprediger Georg Fox. Er wollte mit seiner Lehre einen Gegenpol zur anglikanischen Kirche bilden, die, seiner Meinung nach, ihren Friedensauftrag nicht erfüllte, da sie den Militärdienst befürwortete. Seine Anhänger nannten sich "Freunde der Wahrheit". Sie versammelten sich in Meditation und Stille und verzichteten auf Pfarrer und hierarchische Strukturen.

Die Quäker berufen sich auf Jesus Christus, bezeichnen sich aber nicht alle als Christen. Gleichsam betrachten sie sich selbst auch nicht als eine Kirche wie andere Konfessionskirchen, sondern als spirituelle Gemeinschaft im Geiste Jesu.

Zusammengefasst:

Die Religiöse Gesellschaft der Freunde - auch Quäker genannt - ist in England des 17. Jahrhunderts entstanden. Die in Deutschland hauptsächlich lebenden liberalen Quäker lehnen jegliche Art der kirchlichen Dogmatik ab und verzichten auf Pfarrer und Riten.

Zahlen und Fakten
Die Religiöse Gesellschaft der Freunde zählt weltweit rund 200.000 Mitglieder. Die meisten Quäker leben in England, Nordamerika und Afrika. In Deutschland gibt es knapp 300 Quäker. In Nürnberg und München versammeln sich regelmäßig rund 20 Mitglieder.

Glaube und Ziele
Die Quäker glauben, dass das Göttliche - auch inneres Licht genannt - in jedem einzelnen steckt. In der stillen Andacht versuchen sie diesem Göttlichen näher zu kommen. Sie berufen sich auf Jesus und wollen ihm auf individuellen Wegen nachfolgen.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


13