Religion


6

Religion und Glaube in Bayern Orthodoxes Judentum

Durch den Holocaust Mitte des 20. Jahrhunderts wurde eine lange Tradition jüdischen Lebens in Bayern beinahe ausradiert. Heute blühen jüdische Gemeinden in vielen Städten wieder auf. Die meisten stehen dem orthodoxen Judentum nahe.

Von: Barbara Weiß

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern -orthodoxes Judentum, orthodoxe Juden | Bild: picture-alliance/dpa

Mittagessen bei Rabbiner Jechiel Brukner und seiner Frau Sarah. An einem Dienstag, mitten im Alltag, mitten in München. Es gibt Gemüse, Nudeln und Salat. Kein Fleisch. Denn es ist gerade Trauerzeit im jüdischen Kalender, zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Da ist Fleisch Tabu.

Orthodoxe Juden halten sich an strenge Gesetze

Den Salat hat Sarah Brukner auch sehr gründlich gewaschen. Dass auch ja keine Mücke mehr drin ist! Wie jeden Tag beginnt das Essen bei dem Rabbinerehepaar mit einem Ritual, mit dem Hände-Überwaschen und mit einer Brotsegnung.

"Erst gieße ich Wasser über die rechte Hand und dann über die linke Hand und dann darf man nicht mehr sprechen - außer den Segensspruch. Reden darf man erst wieder, wenn man das erste Stück Brot gegessen hat."

Rabbiner Jechiel Brukner

Die Ohel-Jakob-Synagoge in München

Der Tisch soll einem Altar gleichen. Das Essen soll nicht nur körperliche Befriedigung sein, sondern auch einen höheren Zweck haben, Kraft schenken für Höheres - um Gott zu dienen. Jeden Tag, bei jeder Mahlzeit und bei jeder Tätigkeit soll man Gott dienen. Es gibt keine Trennung zwischen religiösen und profanen Bereichen des Lebens. Das sieht man auch an der Kleidung. Rabbiner Brukner und seine Frau tragen den ganzen Tag eine Kopfbedeckung, nicht nur in der Synagoge.

Vor dem Krieg lebten etwa 60.000 Juden in Bayern

Durch die Judenverfolgungswellen des Mittelalters und der Neuzeit und spätestens durch den Holocaust wurde eine lange Tradition jüdischen Lebens in Bayern beinahe ausradiert. Vor dem Krieg lebten etwa 60.000 jüdische Bürger im Freistaat. Wie viele Juden heute in Bayern leben, darüber gibt es keine Statistik. Etwa 20.000 von ihnen sind Mitglieder in den Gemeinden, die sich im Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern zusammengeschlossen haben. Der Landesverband ist wiederum Teil des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Zusammengefasst:

Das Judentum ist eine der großen Weltreligionen. Christentum und Islam berufen sich auf die Überlieferungen des Judentums. Die jüdischen Traditionen sind mehrere tausend Jahre alt. Seit mehr als 1.000 Jahren gibt es Juden in Bayern. Die älteste Gemeinde ist Regensburg. Nach der Katastrophe des Holocaust hat sich heute wieder jüdisches Leben in Bayern entfaltet. Jüdischer Religionsunterricht ist ordentliches Unterrichtsfach. Die Israelitischen Kultusgemeinden finanzieren sich aus einer Kultussteuer, die durch den Staat eingezogen wird.

Zahlen und Fakten
Heute leben etwa 20.000 eingetragene Gemeindemitglieder in Bayern. Es gibt 13 Gemeinden zum Beispiel in Würzburg, Fürth, Nürnberg, Bayreuth, München oder Regensburg. Die meisten sind nach dem orthodoxen Ritus ausgerichtet. Die Gemeinden sind im Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden zusammengeschlossen.

Glaube und Ziele
Grundlage des Judentums ist die Thora. Sie ist Lehre und Gesetz zugleich. Die Erwartung des Messias wird von den Juden mit der Erlösung Israels aus allem Unheil verbunden. Im Gegensatz zu Islam und Christentum kennt das Judentum keine Missionierung. Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


6