Religion


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Religion und Glaube in Bayern Mormonen

Mormonen behaupten von sich, das Wort Gottes in seiner reinsten Form zu besitzen. Die meisten Anhänger der jungen Religionsgemeinschaft sind in den USA zu Hause. Aber es gibt auch einige Gemeinden in Bayern, so in Landshut.

Von: Burkhard Schäfers

Stand: 12.07.2016

Jeden Sonntag feiern im Landshuter Gemeindehaus Kinder und Erwachsene die Abendmahlsversammlung. Einen hauptberuflichen Pfarrer gibt es nicht. Die Mitglieder fühlen sich zu bestimmten Diensten berufen. Einige sprechen den Segen, andere teilen das Abendmahl aus, auch Kinder helfen mit.

Buch "Mormon" als zweiter Zeuge

Die vergleichsweise junge Religionsgemeinschaft wurde vor rund 200 Jahren in den USA gegründet. Etliche bayerische Mormonen gehören der Glaubensgemeinschaft schon in der dritten oder vierten Generation an. Ihre Vorfahren ließen sich von Missionaren überzeugen, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Amerika aus auch nach Bayern kamen. Neben der Bibel ist das Buch "Mormon" das wichtigste Werk für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

"Das Buch Mormon ist für uns das Wort Gottes in seiner reinsten Form. Es wurde bewahrt über einen langen Zeitraum und dann wieder hervor gebracht. Die Bibel hingegen ist durch viele Hände gegangen. Man kann vieles daraus nicht mehr klar erkennen. Deshalb ist es gut, einen zweiten Zeugen zu haben über die Wahrheiten, die wir aus der Bibel kennen und sehr schätzen."

Michael Auras, Gemeindepräsident in Landshut

Der Glaube prägt bei Mormonen den Alltag

Mormonentempel im sächsischen Freiberg.

Wer mit Mormonen spricht, gewinnt schnell den Eindruck: Hier ist niemand halbherzig dabei - man gehört entweder richtig dazu oder gar nicht. Der Glaube prägt den Alltag der Mitglieder. So widmen sie sich schon vor der Schule oder der Arbeit dem Schriftenstudium, der Sonntagvormittag ist fest fürs Gemeindeleben reserviert. Sex vor der Ehe ist tabu, und nach einem strengen Gesundheitskodex müssen Mormonen auf Kaffee, Schwarztee, Alkohol und Zigaretten verzichten. Manche fühlen sich von diesen Aufgaben allerdings überfordert. So berichten einige, die die Kirche verlassen haben, von einem starken inneren Druck, ein perfektes, makelloses Leben führen zu müssen.

Auch wenn sich die Mormonen selbst Christen nennen, werden sie von anderen Kirchen nicht anerkannt, sondern als Mischform aus mehreren Religionen bezeichnet. Wegen der zusätzlichen Schriften sei die mormonische Lehre mit der biblisch-christlichen Theologie nicht vereinbar.

Zusammengefasst:

Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kennen neben der Bibel weitere Schriften, unter ihnen das Buch Mormon. Andere Kirchen betrachten sie deshalb als Mischform aus mehreren Religionen - nicht als Christen.

Zahlen und Fakten
Die Mormonen haben in Bayern rund 4000 Mitglieder, Gemeinden finden sich in allen größeren Orten. Weltweit zählt die Kirche Jesu Christi mehr als 14 Millionen Mitglieder - die Hälfte von ihnen lebt in den USA. Ihr Hauptsitz befindet sich in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah.

Glaube und Ziele
Die Mormonen glauben, dass sie der einzig wahren, durch die Visionen ihres Gründers Joseph Smith wiederhergestellten Kirche angehören. Sie betrachten Christus als Erlöser und versuchen, durch Schriftenstudium, Belehrungen und das Einhalten strenger Regeln in seinem Sinne zu leben.


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