Religion


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Religion und Glaube in Bayern Römisch-katholische Kirche

Bayern ohne die katholische Kirche - das ist kaum vorstellbar: Der Freistaat hat nicht nur viele barocke Kirchen, auch Fronleichnamsumzüge und Kirchweihfeste prägen das Bild. Und dann gibt es da auch noch den Engel Aloisius ...

Von: Irene Esmann

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - römisch-katholische Kirche | Bild: picture-alliance/dpa

"Alois Hingerl, Nr. 172, Dienstmann in München, besorgte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlage gerührt zu Boden fiel und starb. Zwei Engel zogen ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er von St. Petrus aufgenommen wurde."

Auszug aus 'Ein Münchner im Himmel' von Ludwig Thoma

"Ein Münchner im Himmel" heißt Ludwig Thomas Satire und das ist kein Wunder. Denn der Himmel ist in München doch so nah. Diesen Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man sich mit dem Kulturwissenschaftler Stefan Jakob Wimmer trifft, zu einer Stadtführung, die mitten in München beginnt.

Das Zentrum Münchens ist ein katholischer Ort

Die Mariensäule in München; im Hintergrund der Liebfrauendom

Das Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt ist ein religiöser, ein katholischer Ort: Es ist die Mariensäule auf dem Marienplatz und Stefan Jakob Wimmer erzählt, dass das nicht selbstverständlich sei, dass eine Weltstadt etwas Sakrales als Mittelpunkt habe. Denn die Mariensäule stehe  tatsächlich auf geweihtem Grund, grenze heiligen von profanem, von weltlichem Boden ab.

München - oder Munichen - dieser Name leitet sich von den Mönchen her ab. Sie waren die ersten Siedler auf dem Gebiet der Peterskirche zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt. Während des 30-Jährigen Krieges, als Katholiken gegen Protestanten kämpften, machte Kurfürst Maximilian Bayern zur Speerspitze der Gegenreformation, holte die Jesuiten nach München und rief die Gottesmutter als "Patrona Bavariae", als Schutz- und Schirmherrin Bayerns, aus. Und das habe München nachhaltig geprägt, erzählt Wimmer während der Stadtführung durch die Münchner Innenstadt.

Die katholische Kirche prägt die bayerische Kultur

Reiter beim Leonhardi-Ritt in Furth im Wald

Weihrauch, barocker Kirchenschmuck, aufwändig gestaltete Gottesdienste, ein bisschen mehr Mystik als bei den Protestanten: das ist das Katholische, das vor allem in ländlichen Regionen rund um Würzburg, in Teilen Schwabens, in Niederbayern und der Oberpfalz und eben in Oberbayern nach wie vor gelebt und geliebt wird. Was viele Menschen weltweit an Bayern fasziniert, ist gerade der öffentlich gelebte Glaube: die Marterl am Wegesrand, die vielen lebendigen Wallfahrten, die zahlreichen Prozessionen und Segnungen.

Zwar sind auch hierzulande die Sonntagsgottesdienste längst nicht mehr gut besucht - auch auf dem Land werden die Kirchenbänke leerer - doch immer dann, wenn die Tradition, wenn die bayerische Kultur ins Spiel kommt, dann sind sie wieder auf den Beinen - die katholischen Bayern: Bei den unzähligen Marienwallfahrten zum Beispiel nach Altötting - dem Inbegriff des bayerischen Katholizismus, bei Fronleichnamsprozessionen, ob zu Fuß durch die geschmückten Dörfer und Innenstädte oder aber zu Wasser auf dem Staffelsee,  oder beim Leonhardi-Ritt, an dem mit bunt geschmückten Rössern an den heiligen Leonhard erinnert wird.

Zusammengefasst:

Grundlage für das katholische Erscheinungsbild Bayerns ist die jahrhundertealte Tradition. Zahlreiche Klöster und Kirchen aus der Barockzeit prägen die Landschaft. Der Glaube an den einen Gott und die Verehrung von Heiligen ist in zahlreichen Traditionen tief verankert - etwa in Wallfahrten, speziellen Segnungen aber auch im kulturellen Leben Bayerns.

Zahlen und Fakten
In Bayern sind etwas mehr als die Hälfte der Menschen römisch-katholisch. Zum Vergleich: 1950 waren es mehr als 70 Prozent der Bevölkerung. Damit ist Bayern nach dem Saarland trotzdem immer noch das Bundesland mit den prozentual meisten Katholiken. Sie leben vor allem in Altbayern und in Unterfranken.

Aufgrund des Konkordats, eines Vertrags zwischen dem Vatikan und dem Freistaat, zahlt Bayern jedes Jahr rund 65 Millionen Euro an die katholischen Kirche.

Glaube und Ziele
Die Katholiken glauben an die Auferstehung Jesu - des Sohnes Gottes. Große Fürsprecherin ist für viele Gläubige die Jungfrau und Gottesmutter Maria. Besonders in den Monaten Mai und Oktober wird sie in speziellen Andachten verehrt.

Obwohl die Zahl der Katholiken rückläufig ist, bekam die katholische Kirche in Bayern zuletzt viel Aufmerksamkeit. Denn 2005 wählten die Kardinäle in Rom einen Bayer zum Papst: Aus Joseph Ratzinger aus Marktl am Inn wurde Papst Benedikt XVI.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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