Religion


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Religion und Glaube in Bayern Johannische Kirche

Etwa 250 Mitglieder der Johannischen Kirche leben in Bayern. Einige davon auf dem Biobauernhof Gut Schönhof im fränkischen Waischenfeld. Ihr Gründer Joseph Weißenberg hat unter anderem auch Regeln für die Landwirtschaft aufgestellt.

Von: Christiane Hawranek

Stand: 12.07.2016

Kälbchen, Kühe und Schweine leben auf dem Biobauernhof Gut Schönhof Tür an Tür mit Mitgliedern der Johannischen Kirche. Drei Familien im kleinen Ort Waischenfeld arbeiten ehrenamtlich, aus Überzeugung, auf dem Bauernhof mit, weil sie sich der Glaubensgemeinschaft angeschlossen haben. Sie verehren ihren Kirchengründer Joseph Weißenberg, der seinen Anhängern nicht nur Gebetsvorschriften hinterlassen hat, sondern auch Regeln für die Landwirtschaft.

"Er hat gesagt, die Gesundung des Menschen fängt beim Misthaufen an, bei der Düngung. Er hat keinen künstlichen Dünger verwendet. Wenn man sich heute die Nahrungskette anschaut und die Kreisläufe, die in der Natur bestehen, und welche Schadstoffe wir aufnehmen durch unsere Nahrung, dann hat man ein Verständnis dafür, wie tiefgreifend diese Aussage gewesen ist."

Gemeindevorstand Christian Lehmann

Johannische Kirche: Religion mit Bio-Bauernhof

Einige Familien sind extra aus Norddeutschland auf das Gut Schönhof gezogen, um in Gemeinschaft mit anderen Johannis-Christen zu leben, auch Kerstin Klose. Die 43-Jährige ist fasziniert vom Gründer der Glaubensgemeinschaft, Joseph Weißenberg.

"Wir sehen in ihm die dritte Offenbarung, auf die in der Bibel auch hingewiesen wird. Und es ist für uns eine Weiterführung des Glaubens. Was ich gut finde, ist, dass wir eine recht freie Ausrichtung haben, dass wir an den 'überbrückenden' Gott glauben - das ist ein Ausspruch unseres Kirchengründers: Wie es verschiedene Wege in eine Stadtgibt, so gibt es verschiedene Wege zu Gott."

Kerstin Klose

Als "harmlose Sekte" eingestuft

Auf Gut Schönhof leben Tiere Tür an Tür mit Mitgliedern der Johannischen Kirche.

Weil er von seinen Anhängern sogar als "der von Jesus verheißene Tröster und Geist der Wahrheit", als Menschwerdung des Heiligen Geistes vergöttert wird, bezeichnet die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen die Johannische Kirche als Sekte - wenn auch als "harmlose", weil ihre Mitglieder keinen psychischen Druck auf andere ausüben. Trotzdem gefällt der Begriff Sekte Gemeindevorstand Christian Lehmann natürlich nicht.

"Wir haben auch keinen Missionierungsauftrag oder wollen Menschen nicht willentlich beeinflussen. Wir haben uns auch schon verschiedentlich wehren müssen, auch gerichtlich, weil Menschen uns irgendwas nicht zubilligen wollten. Es war ein langer Weg hier für uns, diesen Friedhof zu bekommen. Als Körperschaft öffentlichen Rechts darf man einen Friedhof betreiben, aber man muss ein Fleckchen finden, wo das genehmigt wird und genehmigt wird es ja immer von dem Andersgläubigen. Und da waren einige Schranken zu überwinden."

Gemeindevorstand Christian Lehmann

Zusammengefasst:

Die Anhänger der Johannischen Kirche verehren ihren Kirchengründer Joseph Weißenberg. Es gibt nach ihrem Glaubensverständnis vier Sakramente: Die Taufe, das Abendmahl, das nur einmal im Jahr gefeiert wird, das Sakrament der geistigen Heilung und das Sakrament des Sterbens. Die Bibel bezeichnen die Johannis-Christen als Richtschnur für ihr Leben, eine große Rolle spielen aber die Schriften von Joseph Weißenberg.

Zahlen und Fakten
Deutschlandweit gehören derzeit etwa 3.000 Menschen der Johannischen Kirche an, in Bayern sind es etwa 250, die vor allem in der Fränkischen Schweiz leben. Kirchen gibt es in Gößweinstein und Waischenfeld. Einmal im Monat bietet die Glaubensgemeinschaft auch einen Gottesdienst in München an. Die Johannische Kirche finanziert sich durch Spenden, Monatsbeiträge der Mitglieder sowie durch die ehrenamtlichen Arbeitseinsätze, etwa auf dem Bauernhof oder bei der Instandhaltung der Gemeindehäuser.

Glaube und Ziele
Die Johannis-Christen verstehen sich als überkonfessionelle Gemeinde, deren Ziel es unter anderem ist, Menschen zu helfen. Daher betreibt die Johannische Kirche auch ein Sozialwerk mit Seniorenheimen, Kindergärten und Kinderheimen. Wichtige Säulen für ihren Glauben sind die Reinkarnationslehre und der Glaube daran, dass Menschen durch Handauflegen geheilt werden können. 

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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