Religion


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Religion und Glaube in Bayern Humanismus

Organisationen wie der Bund für Geistesfreiheit repräsentieren heute den Humanismus, wie er im Zuge der Aufklärung entstand. Sie sind sehr kirchenkritisch und setzen sich für eine umfassende Säkularisierung der Gesellschaft ein.

Von: Joseph Röhmel

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Kirchenkritisches Schild  | Bild: picture-alliance/dpa

Die Leopoldstraße in München ist gesperrt und voller Menschen. Sie besuchen eines der größten Straßenfestivals in Deutschland - den sogenannten „Corso Leopold“. Es riecht nach Bratwürsten, Musik schallt aus Boxen, Künstler stellen ihre Werke aus. Dazwischen der Stand, der vor allem Kirchgänger provozieren soll. Dort hockt eine Schaufensterpuppe  breitbeinig auf einem dunkelblauen Gartenstuhl - eine schwarze Augenklappe im Schoß. Auf der steht in roter Schrift: "Sex statt Kirche". "Das ist ein ganz klare Aussage", sagt ein schnauzbärtiger Mann lachend.

"Jeder Mensch bevorzugt Sex,  bevor er in die Kirche geht. Und beim Sex wird er sicherlich auch mehr Spaß haben als in der Kirche."

Wolfgang Sellinger, Künstler

Rund 5.000 Mitglieder hat der Bund für Geistesfreiheit in Bayern

Protestplakat gegen den Papstbesuch: "Heidenspaß statt Höllenangst - Gegen Religion und reaktionäre Ideologien"

Der Mann heißt Wolfgang Sellinger und ist Künstler. Auf dem Corso Leopold führt er durch einen Stand, den er als "Galerie der Kirchenkritik" bezeichnet. So zeigt er auf einige Plakate mit  klaren Botschaften:  "Die katholische Kirche ist fast so klug wie ich" oder "Lieber Gott mach mit dumm, dass ich in den Himmel kumm". Alles Werke von Wolfgang Sellinger. Er gehört  zum ideologischen Umfeld des Bundes für Geistesfreiheit (bfg). Der bfg ist eine Weltanschauungsgemeinschaft für Konfessionslose - eine bayerische Institution mit rund 5.000 Mitgliedern.

"Ende des 19. Jahrhunderts, wo diese freireligiöse Gemeinde gegründet wurde, war das eine Heimat für Leute, die nicht katholisch, sondern evangelisch oder ganz andersgläubig waren - oder Glaubenszweifel gehabt haben"

Assunta Tamelleo, erste Vorsitzende des bfg-Ortsvereins München

Die Wurzeln des Bunds für Geistesfreiheit liegen im Humanismus

Der Bund für Geistesfreiheit wurzelt in den Grundsätzen des Humanismus. Allgemein wird unter Humanismus das Bemühen um die Würde und freie Entfaltung der Persönlichkeit verstanden, wie es auch in den weltweit anerkannten Menschenrechten formuliert worden ist.

Manche Mitglieder sind glaubenslos aufgewachsen, andere stammen aus einer religiösen Familie. Die klare Trennung von Staat und Kirche - das ist wesentlicher Teil des Grundsatzprogramms des bfg. Als anerkannte Körperschaft des öffentlichen Rechts hat der Bund als Weltanschauungsgemeinschaft im weltanschaulich neutralen Staat  aber auch Rechte, ähnlich wie die Kirchen. So stehen der Organisation zum Beispiel auch Sendezeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu.

Das Ziel: Die Kirchen sollen lächerlich gemacht werden

Protestaktion gegen das Tanzverbot am Karfreitag.

Durch verschiedene Kampagnen versucht der bfg die Kirchen zu provozieren und lächerlich zu machen - verbunden mit der Forderung: Jeder müsse seine geistige Gesinnung frei ausleben können. So will der Bund für Geistesfreiheit auch den staatlichen Schutz für religiöse Feiertage abschaffen, wie etwa beim Karfreitag.  Seit Jahren lädt die Organisation zum Filmabend mit Schokolade und Pralinen ein. 2007 wollte der bfg sogar eine "Heidenspaßparty" mit Karfreitagstanz ausrichten. Allerdings wäre damit gültiges Recht gebrochen worden, das öffentliche Tanzveranstaltungen am Karfreitag untersagt. Der bfg klagte dagegen, erfolglos.

Zusammengefasst:

Der Bund für Geistesfreiheit ist eine Weltanschauungsgemeinschaft für Konfessionslose in Bayern. Sie tritt für eine klare Trennung von Staat und Kirche ein. Zunehmend sucht sie die Konfrontation mit Kirche und gläubigen Menschen.

Zahlen und Fakten
Der bfg hat in Bayern rund 5.000 Mitglieder. Zentren befinden sich unter anderem in München, Regensburg und Deggendorf.

Glaube und Ziele
Die Mitglieder vom Bund für Geistesfreiheit sagen von sich, keinen Glauben zu haben. Sie verbreiten, dass sie gottlos glücklich sind und wollen unter anderem religiöse Symbole aus staatlichen Einrichtungen entfernen.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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