Religion


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Religion und Glaube in Bayern Hare Krishna

Früher sah man die weiß und orange gekleideten Anhänger der Hare-Krishna-Bewegung häufig in Fußgängerzonen, trommelnd und singend. Heute ist es eher still um sie geworden. In Bayern zählt die Bewegung etwas 250 aktive Mitglieder.

Von: Anja Wahnschaffe

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Hare Krishna | Bild: picture-alliance/dpa/Konrad Giehr

Nikhil, der sich als ein Art Priester bezeichnet, sitzt im Schneidersitz auf dem Boden im Meditationsraum. Ein weißes Gewand umhüllt ihn, sein Kopf ist kahl geschoren. Vor ihm liegt ein Instrument, das wie ein Akkordeon aussieht und das er auf und zu zieht. Dazu singen er und vier weitere Hare-Krishna-Anhänger Mantren, was "Hymne" in der altindischen Sprache Sanskrit bedeutet.

Hare-Krishna-Anhänger beten den hinduistischen Gott Krishna an

In einer Fußgängerzone musizieren und singen Hare-Krishna-Anhänger.

Vor Nikhil ist ein kleiner Schrein. Sechs Bildgestalten des hinduistischen Gottes Krishna (sogenannte Detis) sind übereinander drapiert. Daneben steht Danakeli Dividasi, die Tempelpräsidentin, die ein Räucherstäbchen in der Hand hält. Sie schwenkt es hin und her.

Jeden Abend um 18 Uhr treffen sich hier, im Münchner Stadtteil Giesing, Anhänger des hinduistischen Gottes Krishnas. 

"Wir sind alle Diener Gottes, und unsere Aufgabe ist es, dem Herrn zu dienen. Er ist der Mittelpunkt in unserem täglichem Leben."

Tempelpräsidentin Danakeli Dividasi

Bhagavad Gita - das heilige Buch von Hare Krishna

Überlieferungen zufolge, ist ihr Gott Krishna vor 5.000 Jahren in Indien das letzte Mal erschienen. Damals hat er ihnen die Bhagavad Gita, für sie die wichtigste heilige Schrift, hinterlassen, erklärt Nikhil. Bhagavad Gita heißt wörtlich der Gesang Gottes. Das Buch besteht aus 700 Versen.

"Es wurde ursprünglich von Krishna gesungen, als er hier auf Erden gelebt hatte. Deswegen hat Krishna eine besondere Stellung. In der Bhagavad Gita erklärt er, wie wir glücklich leben und unsere innere Ruhe finden können. Weiterhin zeigt er uns, wie wird die höchste absolute Wahrheit erkennen können, dass nämlich alles von Gott ausgeht und alles in Gottes Hand ist."

Nikhil, Priester im Hare-Krishna-Tempel München

Bei den allabendlichen Treffen der Krishna-Devotees verklingt das letzte Hare-Krishna-Mantra nach einer halben Stunde. Anschließend wird eine DVD gezeigt, in der ihr Guru Prabhupad, der schon 1977 verstorben ist, zu ihnen spricht.

Kritiker sehen Hare Krishna als fundamentalistisch an

Hare-Krishna-Anhänger Frank Walz sitzt im Hare-Krishna-Kloster Jandelsbrunn bei Passau in einem Tempelraum.

Kritiker bemängeln an Hare Krishna, dass altindische Schriften wortwörtlich und damit fundamentalistisch ausgelegt werden. Das Dienen des Gottes Krishnas und auch des individuellen Gurus sowie eine asketische Lebensweise gelten als der einzige Weg zur wahren Verbindung mit Gott. Diese oft vollkommene Hingabe vieler Devotees führte in den 1970er Jahren häufig zum Bruch mit der eigenen Familie - zumindest auf Zeit.

Da gerade junge Menschen sich von dem Konzept der liebevollen Hingabe zu Gott mittels des Singens von Mantren angesprochen fühlten, wurde die Bewegung auch in den 1970er- und 1980er-Jahren als "Jugendsekte" bezeichnet.

Zusammengefasst:

Die Hare-Krishna Tradition hat ihren Ursprung in der Bhakti-Bewegung, einer hinduistischen Strömung. Der spirituelle Meister Prabhupad brachte sie 1965 in den Westen. Kritiker sehen in der Bewegung eine extreme Form des Hinduismus, ja sogar Sekte, die bei Anhängern zu Verwerfungen mit der Familie führen können.

Zahlen und  Fakten
In Deutschland gibt es elf Tempelgemeinschaften, mit rund 400 Devotees, die den streng asketischen Lebensstil einhalten. In Bayern gibt es einen Hare-Krishna-Tempel in München sowie ein Hare-Krishna-Kloster in Jandelsbrunn bei Passau. Dort steht auch der einzige Narasimha-Tempel Europas. (Narasimha gilt im Hinduismus als die vierte Manifestation Vishnus, dessen Form halb Mensch, halb Löwe war.) Schätzungen zufolge hat die Hare-Krishna-Bewegung heutzutage bundesweit bis zu 6.000 Anhänger.

Glaube und Ziele
Die Hare-Krishna-Devotees glauben, dass sie ihrem Gott Krishna durch das Singen seiner heiligen Namen näher kommen. Und auch durch einen asketischen Lebensstil möchten sie sich mit ihm in Harmonie bringen.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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