Religion


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Religion und Glaube in Bayern Freimaurer

Wer an Freimaurer denkt, denkt an: Weltverschwörer oder Geheimbünde. Wer an Freimaurer denkt, muss aber wissen: Freimaurer sind aus den Bauhütten des Mittelalters hervorgegangen. Sie waren gut organisierte Maurer - mit Ehrenkodex.

Von: Matthias Morgenroth

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Freimaurer Verfassung mit Schwert | Bild: picture-alliance/dpa/Arno Burgi

Maurerkelle, Winkelmaß und Zirkel gehören heute noch zum Inventar der Freimaurer. 1717 sind sie in England mit dem Zusammenschluss von vier Logen als "Freimaurer" in die Öffentlichkeit getreten. In der Folgezeit haben sie über Jahrzehnte eine große gesellschaftspolitische Rolle in Europa und Amerika gespielt - im Europa der absolutistischen Fürsten: in einer Ständegesellschaft.

Freimaurer - ein internationales Netzwerk für Freidenker

Freimaurer Bijous mit den Zeichen für den Wachhabenden, den Meister vom Stuhl und den Musikmeister.

Als internationales Netzwerk für Freidenker. Als Vereinigung, in der man im Zeitalter der Aufklärung ein Leben in Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit spielerisch ausprobieren konnte - was außerhalb der sogenannten Logen noch lange undenkbar war. Grund genug, dass die Herrschenden die Freimaurer immer wieder verboten haben. Aber "geheim" waren sie nicht, sagt Florian Maurice, der sich für seine Promotion durch die Archive der Freimaurer in Merseburg gewühlt hat.

"Man stellt sich es ja immer so vor, dass die Freimaurerei schattenhaft im Verborgenen agiert und die Rituale nur mündlich weitergibt."

Florian Maurice

Kulturelle Elite des 18. Jahrhunderts war bei den Freimaurern

Miglieder der Hamburger Loge "Absalom zu den drei Nesseln" bei einem normalerweise geheimen Treffen in ihrem Tempelraum (Archivbild von 1987).

In Wirklichkeit seien die Freimaurer aber sehr bürokratische Vereine gewesen, die damals in der Öffentlichkeit einen bedeutenden Platz einnahmen. Die Freimaurer waren die große Freiheits-Bewegung des 18. Jahrhunderts, sagt Florian Maurice. Einflussreich, weil sich dort die kulturelle Elite traf - in vielen Städten stehen bis heute Logenhäuser direkt am Marktplatz.

Zusammengefasst:

Die Freimaurer sind aus Vereinigungen in englischen Bauhütten entstanden. Sie bildeten in der ständischen Gesellschaft ein wichtiges Netzwerk, um moderne Leitsätze wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Toleranz auszuprobieren. Sie wurden als überstaatliches Netzwerk immer wieder misstrauisch beobachtet, verboten und im Nationalsozialismus verfolgt.

Zahlen und Fakten
Die Freimaurer sind kein Geheimbund, man spricht eher von geschlossenen Gesellschaften. Freimaurerei ist Männersache, es gibt allerdings auch einige Frauen-Logen, wie die in München. Vor dem zweiten Weltkrieg waren in Deutschland rund 80.000 Männer in Logen organisiert. Die Verfolgung im Dritten Reich bedeutete auch für manche Loge das Aus. Heute gibt es in Deutschland mehrere Tausend Freimaurer in 470 Logen. In Bayern sind über 60 Männer-Logen zu finden (in Ansbach, Augsburg, Schweinfurt, Hof, Erlangen, Ingolstadt, Nürnberg, München, Bamberg, Kempten oder Aschaffenburg) und auch einige Frauen-Logen; viele sind nach dem Dritten Reich wiederbelebt worden.

Glaube und Ziele
Das Ziel des Lebens heißt bei den Freimaurern auch heute, unter demokratischen Bedingungen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität, die Verbesserung der Welt.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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