Religion


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Religion und Glaube in Bayern Freikirchen

Die Einführung der Kirchensteuer war der Auslöser dafür, dass die freien evangelischen Gemeinden 1854 entstanden sind. Damals ist Diakon Hermann Heinrich Grafe aus der Kirche ausgetreten als "Akt des Gewissens".

Stand: 12.07.2016

Religionen und Glaube in Bayern - Freikirchen | Bild: colourbox.com / Montage: BR

Wer einen Gottesdienst in der freien evangelischen Gemeinde München-Mitte besucht, sollte rechtzeitig da sein, sonst gibt es keine Sitzplätze mehr. Jeden Sonntag sind die beiden Gottesdienste morgens und abends sehr gut besucht. Hier singen und beten auch sehr viele junge Menschen. Außerdem treffen sie sich jede Woche in Hauskreisen, zur Bibelstunde in der Gemeinde oder zum Frühgebet.

Engagement gehört bei Freikirchen mit dazu

So viel Engagement gehört für die Gemeindemitglieder mit dazu, ist sogar verpflichtend - denn passive Mitglieder gibt es bei den freien evangelischen Gemeinden nicht.

"Ich halte es für problematisch in der Landeskirche, dass viele, die konfirmiert werden, nicht in die Kirche hinein konfirmiert, sondern hinaus konfirmiert werden, weil sie nie wieder kommen nach der Konfirmation. Ich habe auch ein Problem damit, wie das Abendmahl praktiziert wird. Meinem Verständnis nach ist das ein Mahl für Gläubige. Man soll sich prüfen, dass man Christus erkennen kann, jemand, der mit dem Glauben nichts zu tun hat und nur mitkommt, weil seine Oma ihn fragt, der sollte nicht am Abendmahl teilhaben."

Pastor Matthias Lohmann

Die Mitglieder der freien evangelische Gemeinde in München-Mitte richten ihr Leben ganz nach der Bibel aus, die wörtlich verstanden wird, als "absolut autoritativ, frei von Fehlern, irrtumslos und vertrauenswürdig“. Das hat Folgen für alle Lebensbereiche, sagt Pastor Lohmann.

"Nach unserem Verständnis sollte ein Christ immer nur einen Christen heiraten, es wird nicht funktionieren mit jemandem, der nicht gläubig ist."

Pastor Matthias Lohmann

In Freikirchen spielt das Gebet eine herausragende Rolle

Freie evangelische Gemeinden haben oftmals keine Kirche. Die CityChurch in Würzburg feiert zum Beispiel hin und wieder im Kino Gottesdienst.

In Kursen wie "Jüngerschaft entdecken" oder bei Lehrabenden setzen sich die Gemeindemitglieder mit lebenspraktischen Fragen auseinander: Wie sollte eine gute Ehe aussehen? Wie kann ich anderen vom Glauben erzählen? Welche Rolle sollte das Gebet im Alltag spielen? Eine große, sagt Lohmann: "Wenn ich gebetet habe, kann ich vieles tun, aber ohne Gebet schaffe ich gar nichts."

Zusammengefasst:

Mitglied bei der freien evangelischen Gemeinde kann man nur nach der Bekehrung zum Glauben werden. Eine aktive Teilnahme am Gemeindeleben, zu dem Gottesdienste, Bibelkreise, Hauskreise und Morgenandachten gehören, wird erwartet. Obwohl sie eine Körperschaft öffentlichen Rechts sind, erheben die freien evangelischen Gemeinden keine Kirchensteuern, sondern finanzieren sich durch Spenden.

Zahlen und Fakten
Deutschlandweit gehören den freien evangelischen Gemeinden rund 40.000 Erwachsene an, außerdem 20.000 Kinder und Jugendliche. Die Mitgliederzahlen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Zentren in Bayern sind München und Nürnberg. Die Gemeinden haben meistens jeweils nur 100 Mitglieder. Als charismatisch würden sie sich nicht bezeichnen, sie fühlen sich aber stark verbunden mit den Baptisten. Von ihnen unterscheidet sie das Taufverständnis: Mitglied bei den Baptisten kann man nur nach einer Erwachsenentaufe werden.

Glaube und Ziele
Für die Mitglieder der freien evangelischen Gemeinden ist die Bibel als Wort Gottes wörtlich zu verstehen. Die Gläubigen sollen ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten. Die freie evangelische Gemeinde versteht sich nicht als Konfession, sondern als Gemeinde von Gläubigen. Deren Auftrag ist es unter anderem, den Mitmenschen vom Glauben zu erzählen und sie in die Gemeinde einzuladen.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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