Religion


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Religion und Glaube in Bayern Evangelisch-lutherische Kirche

Jeder Christgläubige ist "Priester Gottes" und kann den Weg zum Heil finden - so lautete der Ansatz von Martin Luther. An Stelle einer hierarchischen Ordnung treten demokratisch anmutende Strukturen.

Von: Clemens Finzer

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Evangelisch-lutherische Kirche | Bild: colourbox.com

Die evangelisch-lutherische Kirche ist die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft nach den Katholiken im Freistaat Bayern. Besonders wichtig ist für sie der Freiheits-Begriff. Für das Heil des Menschen braucht es keine Instanz wie die Kirche mit ihren Bischöfen und Priestern, die alleine den Menschen den Weg zu Gott und in den Himmel ermöglichen. Seit fast 40 Jahren dürfen Frauen Pfarrerinnen werden und auch der Umgang mit Homosexuellen ist offener und menschenfreundlicher als bei den Katholiken - die Evangelisch-Lutherische Kirche lebt die von Luther eingeforderte Freiheit der Kinder Gottes und erscheint damit näher an den Menschen, sagt Christian Schmidt, bis 2014 Regionalbischof von Ansbach und Würzburg.

"Das ist keine Freiheit im Sinne, dass man tun und lassen kann, was man will, sondern weil man weiß, man ist letzten Endes von Niemandem abhängig außer von Gott. Man kann dadurch mit einer großen Souveränität leben und der Zeit begegnen, auch den Menschen, die nicht glauben oder nicht mehr oder noch nicht oder sonst wie. Ich denke, Freiheit ist für evangelische Christen eine ganz wichtige Sache, eine Freiheit, die sich im Letzten an Gott gebunden weiß."

Christian Schmidt, ehemaliger Regionalbischof von Ansbach und Würzburg

Die evangelisch-lutherische Kirche hat sich der Freiheit verschrieben

Heinrich Bedford-Strohm ist der bayerische evangelische Landesbischof.

Schon in der Reformationszeit vor beinahe 500 Jahren haben sich Teile Bayerns dieser neuen Idee von christlicher Freiheit verschrieben. Ganze Regionen in Franken und vor allem die freien Reichstädte Nürnberg, Augsburg, Kempten, Kaufbeuren und Memmingen gehörten zu den ersten, die in ihren Territorien die Reformation umgesetzt haben. Die Wittelsbacher aber entschieden sich gegen die "Neugläubigen" - und schon bald kam es zu Vertreibungen aus München. Im 17. Jahrhundert wurde die Stadt sogar als Rom nördlich der Alpen ausgebaut - Hauptstadt der Gegenreformation im Deutschen Reich. In Altbayern durften sich Protestanten erst Anfang des 19. Jahrhunderts unbeschadet niederlassen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich mit dem Zuzug zahlreicher Protestanten eine echte Durchmischung. Anders in West-Mittelfranken, dem Kernland der Reformation. Dort ist oder zumindest war der Protestantismus die Hausmacht.

Zusammengefasst:

An zahlreichen Orten, die heute zum Freistaat gehören, spielten sich vor rund 500 Jahren Schlüsselszenen der Reformation ab. Die evangelische Kirche in Bayern ist daher bis heute lutherisch geprägt.

Zahlen und Fakten
Mit rund zweieinhalb Millionen Mitgliedern ist die evangelisch-lutherische Kirche die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft im Freistaat. Obwohl ihr nur etwas mehr als 20 Prozent der Bayern angehören, gibt es vor allem in Franken ganze Landstriche, in denen die evangelisch-lutherischen gegenüber den Katholiken in der Überzahl sind.

Glaube und Ziele
Die evangelisch-lutherische Kirche ist eine christlich-protestantische Kirche, die wie die katholischen Mitchristen an den dreieinen Gott glaubt. Allerdings werden die Sakramente und die kirchliche Institution für das Glaubensheil - ganz im Sinne des Reformators - als weniger wichtig eingestuft. Die Freiheit des Einzelnen in Verantwortung vor Gott ist dabei ein wichtiges Gut.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2015 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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