Religion


10

Religion und Glaube in Bayern Druiden

Langer Bart, weißes Gewand, goldene Sichel: Mit solchen Klischees haben die Druiden der Münchner Bavaria-Loge wenig gemein. Sie tragen Anzug und Krawatte und ihre Treffen finden auch nicht im Wald statt, sondern nahe des Hauptbahnhofs.

Von: Elisabeth Tyroller

Stand: 12.07.2016

Seit 1781 gibt es in Europa sogenannte Druiden-Orden. Der Name "Druide" drückt Weisheit, Wissenschaft und Naturverbundenheit aus. In München treffen sich die Druiden von der "Bavaria-Loge" jeden Mittwochabend in Anzug und weißem Hemd.

Die Treffen der Druiden finden in Logen statt

Einlass nur mit Passwort: Durch dieses Gucklock müssen die Mitlglieder einer Türwache das richtige Passwort zuflüstern.

Die Einrichtung ist schlicht, ein bisschen 60er-Jahre Flair. Die Türen sind aus weißem Holz. Hinter einer verbirgt sich die so genannte Innenloge. Dort steht ein schwarzer Flügel, zwei Rednerpulte sind aufgebaut. Der Raum ähnelt einem Vortragsraum. In der Tür befindet sich ein dreieckiges Guckloch, das nur von innen geöffnet werden kann. Dorthinein spricht der Ankömmling ein Passwort, erst dann darf er eintreten. In diesem Raum findet der erste Teil des wöchentlichen Treffens statt, das alte Ritual. Nur Mitglieder dürfen daran teilnehmen. Doch so richtig geheimnisvoll ist es nicht. Johann Bergsteiner, der Bayern-Chef der Druiden, verrät, was passiert:

"Bestandteile des Rituals sind sehr viel Musik, im Mittelpunkt steht ein Vortrag eines Logenmitglieds zu einem schöngeistigen Thema, etwa fünf bis zehn Minuten. Etwa über 'Gut und Böse', Werte, die Globalisierung oder Glück. Das Thema ist dem Vortragenden freigestellt."

Johann Bergsteiner, Chef der bayerischen Druiden

Druiden-Orden stehen für Humanität, Toleranz und Brüderlichkeit

Bei der "Nachloge" geht es gesellig zu.

Beim zweiten Teil des Abends, der so genannten Nachloge, geht es eher gesellig zu: man tauscht sich aus, redet auch über aktuelle Themen. Wie bei den Freimaurern, nach deren Idee die Druiden-Orden entstanden sind, spielen Humanität, Toleranz und Brüderlichkeit eine wichtige Rolle. Ursprungsgedanke der Loge im 18. Jahrhundert war, einen Treffpunkt für Männer aller Schichten zu finden, die für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung eintraten.Die Mitglieder stammen auch heute noch aus verschiedenen Berufsgruppen, unter ihnen Priester genauso wie Atheisten. Der 32-jährige Konstantin Bachfischer, das derzeit jüngste Mitglied in Bayern, hat sich angesprochen gefühlt.

"Mir war wichtig, dass ich in dieser Männergemeinschaft was lernen kann, gerade als Junger und wo ich auch akzeptiert werde als Junger. Wo man gemeinsam eine niveauvolle Konversation haben kann, weg vom klassischen Stammtisch, eine niveauvolle Begegnung mit Männern, eine tiefe Freundschaft, mit einer Herzensbegegnung."

Konstantin Bachfischer

Zusammengefasst:

Die Druiden-Orden wurden 1781 in England gegründet. Man nannte sich nach den Druiden, der geistigen Führungsschicht der Kelten, weil man in ihnen die Ideale Wissenschaft, Kunst, Weisheit und Naturverbundenheit verkörpert sah.

Zahlen und Fakten

Deutschlandweit gibt es rund 1.600 Druiden. In Bayern zählt der Orden 140 Mitglieder. Logen, also Treffpunkte, gibt es in Bayern in Kempten, Fürth, Nürnberg, Lindau, Marktredwitz und München.

Glaube und Ziele

Die Mitglieder des Deutschen Druiden-Ordens wollen zu Frieden und Völkerverständigung beitragen und die geistige Weiterentwicklung der Mitglieder durch Vortrag und Diskussion fördern. Der Orden verfolgt keine wirtschaftlichen, politischen oder konfessionellen Ziele.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


10