Religion


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Religion und Glaube in Bayern Altkatholische Kirche

Aus Protest gegen die herausragende Stellung des Papstes verließen seit 1870 kritische Christen die römisch-katholische Kirche und gründeten die altkatholische Kirche. In Bayern gibt es heute über 30 altkatholische Gemeinden.

Von: Barbara Weiss

Stand: 12.07.2016

"Wir sind eine katholische Reformkirche, die dem liberalen Katholizismus entspringt. Aber das Wörtchen alt soll auch bedeuten, dass wir uns auf die Ursprünge besinnen, also auf das urspüngliche Christentum."

Alexandra Caspari, altkatholische Priesterin aus Augsburg

Die Verfassung der altkatholischen Kirchen ist bischöflich-synodal. Das bedeutet, dass beispielsweise der Pfarrer ebenso wie der Kirchenvorstand von den Gemeindemitgliedern in einer demokratischen Abstimmung gewählt wird. Eine Pflichtbeichte gibt es in der altkatholischen Kirche nicht.

In diesen zentralen Punkten unterscheidet sich die Sichtweise der altkatholischen Kirche von der römisch-katholischen Glaubenslehre. Die Altkatholiken lehnen folgende Glaubenssätze in dieser Form ab:

  • Unfehlbarkeit des Papstes in Fragen des Glaubens und der Moral
  • die Universaljurisdiktion des Papstes über die Gesamtkirche
  • die Unbefleckte Empfängnis Mariens
  • die Leibliche Aufnahme Mariens
  • die Transsubstantiationslehre

Zusammengefasst

Die altkatholische Kirche ist eine rund 140 Jahre alte Reformkirche in katholischer Tradition, die als Vorbild die Urkirche hat. Pfarrer dürfen in der altkatholischen Kirche heiraten. 1996 wurden die ersten beiden Frauen zu Priesterinnen geweiht. Alle Getauften sind zur Eucharistie eingeladen.

Zahlen und Fakten
In Deutschland leben gut 15.000 Altkatholiken. Davon etwa 3.000 in Bayern - Tendenz leicht steigend. Mit rund 55.000 Altkatholiken vor allem in den Niederlanden, der Schweiz und Österreich sind die deutschen Altkatholiken in der Utrechter Union vereint. Mit der anglikanischen Kirche besteht eine vollständige Kirchengemeinschaft.

Glaube und Ziele
Altkatholiken glauben nicht an die Unfehlbarkeit des Papstes, sondern dass die Nachfolge Jesu allein Angelegenheit des persönlichen Gewissens ist. Vielfältige ökumenische Beziehungen bestehen zu protestantischen und anderen Reformkirchen und seit dem Jahr 2000 auch ein Dialog mit dem Vatikan.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


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