Religion


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Namen früher und heute Nomen est Omen?

Namen sind nur Schall und Rauch? Keineswegs. Heute wie damals sagen Namen etwas aus über Konfession, Herkunft und soziale Schicht. Auch wenn sich die Gründe verändert haben, warum Menschen einen Namen gut oder schlecht finden.

Von: Nabila Abdel Aziz

Stand: 29.12.2017

Namensband am Arm von Neugeborenen | Bild: picture-alliance/dpa

Die Religion bestimmte den Namen

Nomen est omen – diesen Spruch kennt man auch als Nichtlateiner. Der Name soll das Schicksal begünstigen. Das war früher so und ist heute immer noch so. Doch wie wählen Eltern einen guten Namen für ihre Kinder aus? Bis vor nicht allzu langer Zeit war das nicht besonders kompliziert. Die Religion war mit am wichtigsten bei der Namensgebung.

"Die christliche Kultur war sicher die überhaupt namensprägendste Instanz gewesen, es ging ja auch überhaupt nicht, einen Taufnamen zu bekommen, der nicht mit einem Heiligen, einer Heiligen in Verbindung gebracht wird."

Christoph Kürzeder, Theologe und Volkskundler

Der Namenspatron wurde zum Schutzheiligen

Neugeborene bekamen die Namen von Heiligen verliehen – und damit mehr als nur einen Rufnamen. Der Namenspatron wurde zum besonderen Schutzheiligen für den Einzelnen und spielte in dessen persönlicher Fürsprache eine besondere Rolle.

"Im katholischen Kulturbereich heißt das natürlich, dass dieser Namenspatron für mich eine ganz persönliche Bedeutung hat, nicht nur dass er mein Namensgeber ist, sondern, dass er auch im Glauben der Menschen im Chor der Heiligen – da ist das Thema der Fürsprache auch besonders wichtig – auch besonders seine Hand über mich hält."

Christoph Kürzeder, Theologe und Volkskundler

Auch die regionale Identität beeinflusste die Namensgebung, so Christoph Kürzeder. Es gebe Heilige, die in bestimmten Gebieten besonders verehrt würden: Im Tegernseer Tal den heiligen Quirin zum Beispiel, im Rupertiwinkel den heiligen Rupert. Und deren Namen wurden in diesen Regionen zu beliebten Rufnamen.

Religion und Region verlieren jedoch an Bedeutung bei der Namensgebung, sagt Christoph Kürzeder. Namen sollen immer mehr das Individuum als einzigartig auszeichnen. Es geht weniger bewusst darum, den Namensträger als Mitglied einer bestimmten Gruppe zu verordnen: zum Beispiel als Katholiken oder Tegernseer.

Beliebte Vornamen sind immer noch religiös geprägt

Trotzdem hatten viele der beliebtesten Vornamen in Deutschland im letzten Jahr jüdische oder christliche Wurzeln. Bei den Mädchen waren das zum Beispiel Marie, Sophie, Maria, Sophia, Emma, Emilia und Anna. Bei den Buben Elias, Alexander, Maximilian, Paul, Leon und Louis. Ob der religiöse Hintergrund der Namen der Grund für ihre Popularität ist, ist fraglich. Es gibt heute andere Gründe, warum Kinder so genannt werden. So wie Menschen Weihnachten feiern ohne Christen zu sein, vergeben Eltern christliche Namen wie Anna, Maria oder Mia ohne die Verbindung mit dem Christentum zu kennen.

Worauf achten Eltern also bei der Namensgebung? Die Gesellschaf für deutsche Sprache (GdfS) hat das erfragt. Das Resultat: Vornamen sollen vor allem „schön klingen“ und „gut zum Nachnamen passen“. Genauso wollen Eltern verhindern, dass ihre Kinder aufgrund ihres Namens gehänselt oder „sozial abgestempelt“ werden. Und diese Ängste sind berechtigt: Namen können  den sozialen Aufstieg begünstigen oder erschweren. Das zeigte eine Studie des Kaiser Institut für Pädagogik aus dem Jahr 2010: Lehrer benoteten Schüler mit vorurteilsbehafteten Namen schlechter als andere.

Namen können Türen öffnen oder verschließen

Bereits 2009 wies eine Studie der Universität Oldenburg daraufhin, dass Lehrer mit bestimmten Namen bestimmte Vorurteile verbinden. Kindern mit Namen wie Alexander, Maximilian, Charlotte oder Marie trauten die Lehrer mehr zu als Kindern mit den Namen Chantal, Mandy, Justin oder Maurice. Die Lehrer ordneten sie bewusst einem bildungsfernen Unterschichtsmilieu zu. Besonders der Name Kevin weckte negative Assoziationen. Eine teilnehmende Lehrerin kommentierte sogar, Kevin sei kein Name, sondern eine Diagnose. Die Studienleiterin Astrid Kaiser warnte, die Lehrer könnten den Schülern mit vorurteilsbehafteten Namen womöglich benachteiligen.

Auch wer einen ausländisch-klingenden Namen trägt, hat mit Vorurteilen zu tun. Die TU Berlin schlug Eltern mit Migrationshintergrund vor ein paar Jahren vor, ihren Kindern deutsche Vornamen zu geben. Der Grund: "Weil Menschen mit ausländischem Namen manchmal Diskriminierungen ausgesetzt sind.“

Eltern vergeben Namen heute anders als früher. Sie orientieren sich weniger an lokalen Heiligen oder an regionalen Traditionen. Die Namensvielfalt hat in den letzten Jahren zugenommen. Namen tragen trotzdem immer noch viel Bedeutung in sich, lassen eventuell Rückschlüsse auf die ethnische Herkunft, Religion, das Bildungsniveau und die soziale Schicht zu. Und haben so großen Einfluss auf das Leben ihres Trägers. 


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