Religion


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Juden in München Eine Gemeinde der Vielfalt

Jüdisches Leben hat sich in München in den vergangenen 20 Jahren stark gewandelt. Inzwischen stellen Zuwanderer die Majorität. Dadurch wuchs die jüdische Gemeinde auf etwa 10.000 Mitglieder.

Stand: 08.11.2011 | Archiv

Fest der Münchner jüdischen Gemeinde | Bild: BR

Bis in die 1980er-Jahre war jüdisches Leben in München in erster Linie durch Holocaust-Überlebende geprägt. Durch die Immigration aus den Gebieten der ehemaligen UdSSR seit Anfang der 1990er-Jahre haben die beiden Münchner jüdischen Gemeinden, die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) und die liberale Gemeinde Beth Shalom, insgesamt wieder etwa 10.000 Mitglieder. München ist damit in Deutschland nach Berlin die Stadt mit den zweitmeisten Juden.

Deutschland und Identitätswandel

Für die meisten Holocaust-Überlebenden war der Völkermord die entscheidende Erfahrung ihres Lebens und wesentlicher Bestandteil ihrer Identität. Die heutigen jüdischen Zuwanderer aus Russland, aus der Ukraine oder aus Marokko bringen einen ganz anderen Hintergrund mit. Aber auch sie hatten in ihren Herkunftsländern oft unter beruflicher und gesellschaftlicher Diskriminierung wegen ihres Judentums zu leiden. Das war in der Regel auch Motiv für die Ausreise.

Der Rabbiner: Arie Folger

In ihrer alten Heimat oft mit drastischen Formen von Antisemitismus konfrontiert, ist es nun Deutschland, das viele jüdische Zuwanderer als Land der Sicherheit und Freiheit betrachten - auch wenn in der neuen Heimat Erfahrungen mit Judenfeindlichkeit nicht immer ausbleiben.

Israelitische Kultusgemeinde (IKG)

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) stellt Institutionen zur Ausübung jüdischer Tradition und Religion zur Verfügung. Die IKG ist orthodox ausgerichtet. Ein Rabbiner - derzeit Arie Folger - kümmert sich um religiöse, aber auch private oder seelsorgerische Belange.

Ein jüdischer Kindergarten ist ebenso vorhanden wie eine Grundschule, ein Jugendzentrum, ein Sportverein, eine Tanz- und Theatergruppe und ein Seniorenheim. Bestattungen nach jüdischem Ritus finden auf dem neuen Israelitischen Friedhof statt. Interessiertem nichtjüdischen Publikum stehen Volkshochschulkurse im jüdischen Kulturzentrum zur Verfügung.

Die IKG versteht sich als Einheitsgemeinde für Juden jeglicher religiöser Richtung. Aber nicht alle wollen sich unter dem Dach der Orthodoxie einfinden. Die liberalen Juden Münchens haben sich in einer eigenen Gemeinde Beth Shalom organisiert. Mehr Informationen über die IKG erhalten Sie auf ihrer Homepage:


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