Religion


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Wegwerfmode Faire Kleidung statt "Fast Fashion"

Jeder dritte Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke im Jahr. Doch Vieles davon wird kaum getragen. STATIONEN wirft einen kritischen Blick in Kleiderschränke und geht der Frage nach, was aus unseren Altkleidern wird.

Von: Elisabeth Möst

Stand: 25.02.2020

 STATIONEN-Moderatorin steht hinter einer Kleiderstange mit Altkleidern in einem Laden | Bild: BR

STATIONEN-Moderatorin Irene Esmann durchforstet ihren Kleiderschrank. Was kann weg? Sie bringt eine Tüte mit Pullovern, Tüchern, Röcken und einem Wintermantel zur Diakonia nach München in der Dachauer Straße. Bei der gemeinnützigen Organisation landen jedes Jahr 2000 Tonnen Kleiderspenden. Auch Firmen und Geschäfte überlassen der Diakonia unverkaufte Kollektionen.

Nachhaltige Altkleider-Container mit Siegel "FairWertung"

Die Altkleider-Container der Diakonia gehören dem Verband "FairWertung" an

"Die Kleidung soll im Kreislauf bleiben, wir schicken nichts ins Ausland oder vernichten die Kleidung, es geht um Nachhaltigkeit", erklärt Thomas Rosenberger, der für die Sammelstellen zuständig ist. Ihm ist besonders wichtig, dass Altkleider in Containern landen, die dem Verband FairWertung angehören. Denn diese Organisationen garantieren, dass sie sozial, ökologisch und nachhaltig arbeiten. Die Diakonia sucht immer wieder private Plätze und Firmen, wo sie ihre Container aufstellen darf. Auf dem Altkleidermarkt besteht Konkurrenz, und wo die Stadt ihre Container hat, dürfen andere Verwerter keine Sammelbehälter platzieren.

Jedes Kleidungsstück wird per Hand sortiert

"Alles, was Sie einer Freundin schenken würde, das können auch wir brauchen", erklärt Luzia Imgrund STATIONEN-Moderatorin Irene Esmann

In einer großen Halle in Moosfeld werden alle Kleidungsstücke begutachtet und sortiert – für die verschiedenen Verwertungsmöglichkeiten: die Diakonia unterhält Kleiderkammern und sieben Secondhandläden mit unterschiedlicher Ausrichtung, dazu ein großes Sozialkaufhaus, in dem es von Kleidung, über Möbel, Bücher und Haushaltswaren bis zu Bildern alles gibt. Nach Warengruppen sortiert, professionell präsentiert und preislich günstig.

Was landet im Secondhandladen?

Irene Esmann hilft bei der Diakonia für STATIONEN bei der Sortierung der Kleiderspenden. Viele Kleidungsstücke sind unbrauchbar, weil zerschlissen, verschmutzt oder kaputt. Luzia Imgrund, Gruppenleiterin der Textilsortierung erklärt die Kriterien: "Alles was Sie einer Freundin zum Anziehen geben würden, das können wir brauchen. Oder was sie selber tragen würden." Denn wer secondhand kauft oder sich über eine Kleiderklammer versorgt, möchte saubere und intakte Kleidung haben. Die Qualitätsansprüche bei der Diakonia sind durchaus hoch.

Wertvolle Arbeitsplätze für Integration und Inklusion

Nur saubere und intakte Kleider schaffen es in den Laden

Tausende Kleidungsstücke wandern täglich bei der Diakonia über den Tisch und werden sortiert, geflickt, in Boxen verteilt und auf Kleiderständer gehängt. Rund 150 Angestellte sind damit beschäftigt und zwar Großteils Mitarbeiter*innen, die wegen Krankheit, schwieriger Lebenslagen oder Beeinträchtigungen auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance hätten. Damit bietet die Diakonia wertvolle Arbeitsplätze für die Gesellschaft, und manche schaffen es über diese Integration sogar wieder in den normalen Arbeitsmarkt.

Übrigens: Wenn Sie einen Stellplatz für einen Container auf einem privatem Grund kennen, dann freut sich die diakonia über einen Hinweis unter 089 / 12 15 95 16 oder rosenberger@diakonia.de.

Zahlen und Fakten zum Modemarkt

  • Zwischen 12 und 24 Kollektionen im Jahr bringen Modefirmen auf den Markt.
  • In der Textilindustrie arbeiten weltweit 75 Millionen Menschen.
  • 70 Prozent der Kleidungsstücke bestehen aus Kunstfasern.
  • Bei der Fertigung von Kleidung sind 25 bis 40 Prozent Abfall.
  • 1,7 Millionen Tonnen Farbstoffe Pesitzide sind mit Ursache für 20 Prozent der Wasserverschmutzung weltweit.
  • Die Herstellung einer Jeans verbraucht 7000 Liter Wasser.
  • In Bangladesch verdient eine Näherin 51 Euro pro Monat.

Quelle: "Einfach anziehend. Der Guide für alle, die Wegwerfmode satthaben" Von Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn. OEKOM VERLAG 2018

Immer mehr Menschen beschäftigen sich damit, sich nachhaltiger und umweltfreundlicher zu kleiden. Sie erkennen diese Win-Win Situation, weniger Kleider, weniger Wegwerfen, mehr Recyceln. STATIONEN berichtet, welche Möglichkeiten es noch gibt und wo man faire Kleidung kaufen kann.

Die Beiträge der Sendung:

  • Kleidertauschbörse und Secondhand-Modenschau. Von Elisabeth Tyroller
  • Was ist faire Kleidung? Grüner Knopf und Textilsiegel. Von Birgit Rätsch
  • Beispielhafte Nachhaltigkeit. Kutten von Nonnen und Mönchen. Von Iris Tsakiridis

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