Religion


8

Mensch, Manager, Kardinal Erzbischof Reinhard Marx

"Habt Hoffnung!“ – Auch zu Ostern ist das sein Appell. Seit Beginn der Pandemie ruft Kardinal Reinhard Marx dazu auf, in der Krise die Botschaft der Hoffnung nicht aus den Augen zu verlieren und kreativ nach Möglichkeiten zu suchen, um Familien, arme, kranke oder alte Menschen zu unterstützen und so Solidarität zu üben.

Von: Andrea Kammhuber

Stand: 06.04.2021

Kardinal Reinhard Marx sitzend im Gespräch | Bild: BR/ STATIONEN

Er sehe robuster aus als er ist, sagt Kardinal Reinhard Marx von sich selbst. Das mag verwundern, erscheint der Erzbischof von München und Freising doch stets engagiert, kämpferisch und schlagfertig. Seit 2008 hat er dieses Amt inne, für das er damals mit 54 Jahren von Trier nach München wechselt. Er gilt als konservativ und rom-treu, gibt sich modern und unkonventionell. Wie ist er nun wirklich - progressiv oder konservativ? Der Erzbischof passt in keine dieser Schubladen, das merkt man schnell.

"Die Tradition ist wichtig, aber nicht als Einmauerung, sondern als Kraftquelle."

Kardinal Reinhard Marx

Freiheit ist Kernbotschaft des Christentums

Der Löwe in seinem Wappen ist für den gebürtigen Westfalen aus Geseke Programm. Sein bischöflicher Wahlspruch "Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit" gibt die Richtung seines Handelns vor: Freiheit gehört für ihn zu den Kernbotschaften des Christentums. Er möchte den Menschen Mut machen, sich auf der Grundlage christlicher Werte einzumischen und die Veränderungen in Kirche und Gesellschaft mitzugestalten. Das erfordert - gerade in Zeiten der Pandemie - Kreativität und seit Jahren eine hohe Konfliktfähigkeit.

"Die Zeichen der Zeit zu lesen im Licht des Evangeliums, das bedeutet: Lernen was Kirche im Aufbruch ist; Manches hinter sich zu lassen, was Vergangenheit ist, was Irrtum war, was nicht zukunftsfähig ist, und so zu erkennen, was uns heute aufgetragen ist."

Kardinal Reinhard Marx

Bis 2020 war er Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. Eine in vielerlei Hinsicht anstrengende Zeit. Angesichts des Missbrauchsskandals, der stetig wachsenden Zahl von Kirchenaustritten, und des Priestermangels beklagen viele einen Problemstau in der katholischen Kirche.

"Wir müssen im Gespräch bleiben"

"Gleich und berechtigt, jetzt!" – skandieren Frauen vor Beginn der Bischofskonferenz in Mainz. Nicht nur Maria 2.0, auch die großen deutschen katholischen Frauenverbände und viele Ordensfrauen fordern mehr Rechte für Frauen in der katholischen Kirche. Im März 2020  übergeben sie Kardinal Marx und Prof. Thomas Sternberg vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken über 130.000 Unterschriften.

"Wir werden manche Fragen nicht entscheiden können, das wissen Sie alle und da bitte ich um Verständnis, dass Sie vom Synodalen Weg und von der Bischofskonferenz nichts erwarten, was wir nicht erfüllen können. Aber die Diskussion muss weitergehen, darf nicht beendet, nicht verboten werden und deshalb ist es wichtig, dass Sie sich zu Wort melden und dass wir miteinander im Gespräch bleiben."

Kardinal Reinhard Marx

Kardinal Reinhard Marx hatte – gegen den Widerstand einiger Mitbrüder im Bischofsamt – 2019 den Synodalen Weg mit angestoßen. Gemeinsam will er mit Laien, Klerikern, Frauen und Männern nach Lösungen für die anstehenden Fragen suchen, auch wenn es mühsam ist. Doch es gibt nicht nur Widerstand in den eigenen Reihen, sondern auch aus Rom. Wie geht der Kardinal, der auch einer der engsten Mitarbeiter von Papst Franziskus ist, damit um?


8