Religion


30

Das Schicksal annehmen "Auf ins neue Leben"

Lebenskunst bedeutet auch, das eigene Schicksal anzunehmen. Wie das gehen kann? Das zeigt Maxi Schwarzhuber aus Wolnzach. Über 20 Jahre lang haben ihn seine Füße gequält. Im Alter von zwei Jahren kann er sie nach einem Mittagsschlaf plötzlich nicht mehr bewegen. Kein Arzt kann erklären, warum Maxi auf einmal kein Gespür mehr in den Beinen hat.

Von: Elisabeth Tyroller / Andrea Koeppler

Stand: 28.05.2018

Maxi Schwarzhuber mit der Tuba, sein Bruder Ludwig spielt die Steirische | Bild: BR

„Auf ins neue Leben“ – so hat der 25-jährige Maxi Schwarzhuber aus Wolnzach seine WhatsApp-Gruppe genannt, als er nach seiner Operation aufwachte. Beide Beine waren ihm amputiert worden. Bis dahin waren seine Kindheit und Jugend eher eine Leidensgeschichte, nicht nur für ihn, sondern auch für die ganze Familie.

"Der Maxi hat seit Jahren offene Füße gehabt und deswegen hatte er immer extrem schlechte Blutwerte. Ich hab ihn einmal ins Krankenhaus zwangseingeliefert, weil ich gesagt habe: du stirbst mir daheim. So geht das nicht weiter."

Johanna Schwarzhuber, Mutter

Maxis Kindheit: ein Wechsel zwischen im Krankenhaus liegen, im Rollstuhl sitzen und mit Krücken gehen. Nie heilen die Füße wirklich, ständig kämpft er mit Schmerzen und Entzündungen. Er kann nie mitschwimmen oder Fußball spielen. Trotzdem versucht er, ein normales Leben zu führen, macht nach der Schule eine Ausbildung zum Informatiker. Seine Leidenschaft ist die Musik. Sie hilft ihm darüber hinweg, dass er vieles nicht machen kann. Das Erlebnis, das vor einem Jahr seinen radikalen Entschluss auslöste war: Er musste eine Konzertreise in Amerika abbrechen.

"Die Wunden sind nicht verheilt, es ist wieder mit den Entzündungen losgegangen. Mir ging es körperlich auf einmal richtig schlecht. Da musste ich heimfliegen und bin dann gleich, mitten in der Nacht, mit meinem Bruder Ludwig in die Unfallklinik nach Murnau gefahren."

Maxi Schwarzhuber

Mit dem Gedanken, sich die Beine amputieren zu lassen, spielte er schon länger. Denn die Beine bedeuteten für ihn auch: nie sicher planen zu können, nie zu wissen, wie lange die Entzündung ausbleibt. Die Operation vor einem Jahr verlief gut. Der Arzt in Murnau amputiert beide Unterschenkel, die Knie können glücklicherweise gerettet werden. Mit Hilfe von Prothesen kann Maxi ganz normal laufen, geht sogar regelmäßig mit seinem Bruder joggen. Und ist froh über seine Entscheidung.

"Es ist halt ganz stark eine Einstellungssache. Das Ganze zu akzeptieren, wie es ist. Man kann es nicht ändern. Und so schlimm sich das jetzt anhört, hat mir das einiges gebracht. Wenn die ganze Krankheit, die Amputation nicht gewesen wäre, würde ich jetzt ganz woanders stehen. Und ich weiß nicht, ob das besser wäre."

Maxi Schwarzhuber


30