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Künstliche Intelligenz Sind Maschinen die besseren Menschen?

Maschinen mit künstlicher Intelligenz sind längst kein Science Fiction mehr, sondern Realität geworden. Roboter sollen den Menschen nicht ersetzen, sondern entlasten. Doch was bedeutet es, wenn die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verwischen?

Stand: 05.06.2018

Künstliche Intellligenz | Bild: BR/ Elisabeth Möst

Künstliche Intelligenz

Maschinen und Roboter können immer mehr. Ein Computerprogramm hat die besten Menschen im Brettspiel Go geschlagen, Schachweltmeister verlieren schon lange gegen Computer und Google Duplex ruft selbständig im Restaurant an und vereinbart Termine - ohne dass das Gegenüber merkt, dass es mit einer Maschine spricht. In einem neuen Smartphone steckt heute mehr Rechenleistung als im Computer des Apollo-Mondlandungsprogramms von 1961.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik und beschäftigt sich mit Methoden, die es einem Computer ermöglichen, Aufgaben zu lösen, die, wenn sie von einem Menschen gelöst werden, Intelligenz erfordern. Das heißt, ein Computer wird so gebaut und programmiert, dass er eigenständig Probleme bearbeiten kann.

Roboter werden mittlerweile nicht nur am Fließband in der Industrie eingesetzt, sondern sie sollen auch immer mehr komplexe Aufgaben von Menschen übernehmen, die Intelligenz und Empathie voraussetzen. An der Universität Augsburg arbeitet Professor Elisabeth André mit ihrem Team an lernenden Systemen. Ihr Schwerpunkt: die Mensch-Maschine-Interaktion. Das Projekt EmpaT zum Beispiel ermöglicht Bewerbungsgespräche mit einem Avatar - allerdings nur zur Vorbereitung. Dass Maschinen einmal Personaler ersetzen und Mitarbeiter einstellen, sei zwar möglich, aber Prof. André sieht auch Grenzen im Einsatz der KI. Nicht alles, was machbar ist, sei auch ethisch vertretbar.

Ein weiteres Projekt ist die Emotionserkennung: Der Computer "versteht" den Gesichtsausdruck seines Gegenübers: fröhlich, traurig, schockiert ... Die emotionale Gesichtserkennung ist vor allem dann wichtig, wenn Roboter in sozialen Einrichtungen oder in der Pflege eingesetzt werden sollen.

"Man kann Robotern Regeln geben. Ich habe ein Beispiel in Zürich, wo ein Maschinenethiker einen Staubsaugerroboter entwickelt. Dieser kann selbst erkennen, ob er sich einem Marienkäfer nähert oder einer Spinne - durch Bilderkennung. Und das heißt, man kann dem Roboter vorgeben, dass er den Marienkäfer verschont."

Ulrich Eberl, Wissenschafts- und Technikautor

Roboter als empathische Begleiter

Tobias Baur von der Universität Augsburg zeigt Irene Esmann den Avatar EmpaT.

STATIONEN-Moderatorin Irene Esmann trifft Menschen, die an und mit Robotern arbeiten. An der Universität Augsburg am Institut für Informatik führt sie mit Roboter EmpaT ein Bewerbungsgespräch und lernt Zeno kennen, ein nettes Kerlchen, das bei der Therapie von autistischen Kindern hilft.

Der humanoide Roboter, den das EU-Forschungsprojekts De-Enigma hervorgebracht hat, kann lachen, winken, traurig sein oder - wenn auch ein bisschen holprig - tanzen. Prof. Björn Schuller von der Uni Augsburg hat sich auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bereich medizinischer und therapeutischer Anwendungen spezialisiert. Schon heute sind Roboter in der Diagnostik dem Menschen vielfach überlegen.

Zeno ist kein Spielzeug, sondern ein Therapieroboter mit künstlicher Intelligenz.

Zeno schafft es, mit autistischen Kindern in Kontakt zu treten, erklärt Prof. Schuller. denn Autisten können Emotionen oft nicht richtig zuordnen. Sie müssen den Ausdruck und das Erkennen von Gefühlen wie Wut, Trauer, Freude oder Überraschung lernen. Zeno deutet die Emotionen der Kinder anhand ihrer Stimme und kann sie spiegeln, so dass die Kinder lernen, Emotionen besser zu deuten. Außerdem fällt ihnen die Kommunikation mit einem Computer oft leichter als der Kontakt zum Menschen, weil für sie Technik eindeutiger zu verstehen ist.

Wie sieht die Zukunft zwischen Mensch und Roboter aus?

Buchtipps:

  • Ulrich Eberl: Smarte Maschinen. Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert, Carl Hanser Verlag 2016.
  • Klaus Mainzer: Künstliche Intelligenz. Wann übernehmen die Maschinen? Springer Verlag 2016

Sind Roboter und smarte Computer ein Segen für die Menschheit oder eher eine Gefahr für Arbeitsplätze, Privatsphäre und Sicherheit? Via Skype-Interview fragt Irene Esmann den Wissenschaftsjournalist und Physiker Ulrich Eberl, wohin uns diese technischen Fortschritte führen können. Er hat in vielen Labors und Firmen auf der ganzen Welt über Künstliche Intelligenz recherchiert. In seinem Buch "Smarte Maschinen" schildert er die faszinierenden Entwicklungen der neuen Techniken und wohin sie führen können.

Alle Beiträge der Sendung:

  • Ein Roboter für die Pflege. Von Michael Wandt
  • Eine Alexa in der Familie. Von Barbara Schneider
  • Eine App für den Sport. Von Michael Freund und Richard Rüb
  • Ein Implantat, das Farben in Töne verwandelt. Von Monika Hippold und Matthias Dachtler

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