Religion


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Lebensläufe Mietek Pemper - Schindlers Helfer

Er half, 1200 Juden zu retten: Als Itzhak Stern wurde Mietek Pemper im Film "Schindlers Liste" weltberühmt. Am 29. April 2007 wurde der heute 87-Jährige Ehrenbürger von Augsburg.

Stand: 14.02.2016 | Archiv

Mietek Pemper | Bild: picture-alliance/dpa

Amon Göth, Lagerkommandant des KZ Krakau-Plaszow, unterbricht das Diktat, nimmt ein Gewehr, öffnet das Fenster, erschießt einen Häftling draußen auf der Straße und fordert anschließend seinen Sekretär auf, mit dem Diktat fortzufahren, als ob eben nur eine umgefallene Vase den Betrieb gestört hätte. Eine Szene, die der Sekretär zwischen März 1943 und September 1944 nicht nur einmal erlebte - und eine Szene, die viele Kinobesucher aus dem Film "Schindlers Liste" kennen.

Pemper alias Stern

In Steven Spielbergs Streifen von 1993 übernahm die Rolle des Sekretärs der US-Schauspieler Ben Kingsley alias Itzhak Stern. In der Figur Sterns setzte Spielberg mindestens zwei historische Personen dramaturgisch in eine zusammen: Itzhak Stern und - Mieczyslaw (Mietek) Pemper. Der heute 87-Jährige lebt seit fast 50 Jahren in Augsburg, wo ihm am 29. April 2007 die Ehrenbürgerwürde überreicht wurde. Die Laudatio hielt Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Es ist kein Zufall, dass Mietek Pemper von höchster Stelle gewürdigt wurde: Denn er war maßgeblich an der Rettung von 1.200 Juden beteiligt - von den Juden, die auf der berühmten Liste Schindlers standen.

Das eigene Leben aufs Spiel gesetzt

Der Jude Mietek Pemper, am 24. März 1920 in Krakau geboren, arbeitete 540 Tage als persönlicher Stenograf im Vorzimmer von Amon Göth, der durch seine Monstrosität das "durchschnittliche" Maß an Grausamkeit der NS-Lagerkommandanten noch übertraf. Als Göths Sekretär verschaffte sich Pemper Zugang zu Geheimunterlagen der Nationalsozialisten und setzte damit auch sein eigenes Leben aufs Spiel.

Sie war die Rettung für rund 1.200 Juden: Schindlers Liste.

Pempers Leistung bestand unter anderem darin erkannt zu haben, dass im Lager Plaszow keine kriegswichtigen Güter produziert wurden und die Zwangsarbeiter daher Gefahr liefen, liquidiert zu werden. Daraufhin legte Pemper Produktionstabellen an, die vorgaben, Plaszow sei besonders kriegswichtig.

Mit Hilfe der Geheimunterlagen konnte Pemper zusammen mit weiteren Lagerinsassen dem Fabrikanten Oskar Schindler, der sich vom ehemaligen NS-Kollaborateur zum Judenfreund gewandelt hatte, Namen von Häftlingen diktieren. Die Juden, die auf die Liste kamen, forderte Schindler dann als Arbeiter für seine Emailwaren-Fabrik an. Auf diese Weise trug Pemper dazu bei, dass rund 1.200 Juden vor der Ermordung gerettet wurden.

"Für euer Überleben dankt nicht mir, dankt eurem unerschrockenen Stern und Pemper, die jeden Moment dem Tod ins Auge gesehen haben."

Oskar Schindler vor seinen befreiten jüdischen Arbeitern im Mai 1945

Aufklärer an Schulen

Nach Kriegsende waren es vor allem Pempers Zeugenaussagen, die zu Göths Verurteilung und Hinrichtung führten. 1958 wanderte Pemper von Polen nach Deutschland aus und arbeitete als Unternehmensberater in Augsburg. Sein Schweigen über das Erlebte im KZ brach er erst, als über die Geschehnisse von Plaszow ein Film entstand. Seitdem ist er viel als Aufklärer über die Gräueltaten des NS-Regimes unterwegs, vor allem in Schulen. 2002 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Am 7. Juni 2011 starb der Ehrenbürger der Stadt Augsburg im Alter von 91 Jahren. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) würdigte Pemper als einen "bedeutenden Brückenbauer zwischen der jüdischen und christlichen Religion und einen Versöhner zwischen den Generationen".


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