Religion


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Halt finden Ferien von den Sorgen

Bald beginnen in Bayern die Sommerferien - Zeit zum Erholen und Entspannen. Manche Menschen brauchen diese Auszeit besonders, weil sie sich im Alltag um andere kümmern oder voller Sorgen sind, dass ein Abschalten unmöglich scheint.

Von: Elisabeth Möst

Stand: 11.07.2018

Ferien von Sorgen | Bild: unsplash

Ein sonniges Waldstück direkt am Ammersee. Fabian, Emilia und elf weitere Kinder rennen am Ufer entlang und suchen Steine. Sie lachen und haben Spaß. Doch die Steine, die sie suchen, sind ein Symbol für die Last, die sie in jungen Jahren schon zu tragen haben. Sie sind mit Krankheit und Tod eines Elternteils konfrontiert.

Eine Auszeit von den Sorgen des Alltags

Beim gemeinsamen Klettern suchen die Kinder buchstäblich nach Halt.

In der Gruppe der Diakonie Freising können sie „zusammen Halt finden“ - so heißt auch das Projekt der Diakonie Freising. Der Ausflug an den Ammersee soll den Kindern ein bisschen Normalität und Abwechslung schenken, eine Auszeit von ihren Sorgen des Alltags. Denn sie müssen nicht nur mit der Krankheit oder dem Tod von Vater oder Mutter zurechtkommen, sondern auch mit der Trauer des anderen Elternteils.

Nicht selten plagen die Kinder auch Schuldgefühle, dass sie an der Situation mitverantwortlich sein könnten.

"Zusammen Halt finden heißt, wir geben uns gegenseitig Unterstützung in einer schwierigen Lebenssituation. Wir können uns austauschen über das, was in der Familie läuft, müssen es aber nicht. Wir hören hin, wie ist das bei den anderen. Wir trösten uns gegenseitig."

Beate Drobniak, Diakonisches Werk Freising e.V.

Das seelische Gleichgewicht wiederfinden

Mit Kreativangeboten werden die Kräfte der Kinder gestärkt: Fabian, Emilia und die anderen schreiben eine Sorge auf ihren Stein und werfen ihn in den See. Ein wichtiges Anliegen für Beate Drobniak ist, dass die Kinder ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden.

"Ich wünsche mir, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, alleine, einsam und verlassen zu sein."

Fabian

Die anderen Kinder verstehen die Situation

Erst werden die Steine mit den Sorgen beschriftet, dann werden sie in den See geworfen.

Wenn sie sich einmal im Monat in der Gruppe treffen, können sie über ihre Probleme sprechen, müssen aber nicht. Oft hilft es schon, dass die anderen Kinder ihre Situation verstehen und sie nicht erklären müssen, warum sie traurig oder schlecht drauf sind. Ihre Sorgen einmal zu vergessen, hilft nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern, die sich ja auch wünschen, dass ihre Kinder glücklich unbeschwert sein können.

Weitere Beiträge der Sendung

  • Erholung auf dem Irmengardhof. Von Linda Hofmeier
  • Urlaub aus dem Knast. Von Michael Wandt
  • Bogenschießen im Kloster. Von Iris Tsakiridis
  • Therapeutisches Gärtnern. Von Constanze Hegetusch

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