Religion


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Tanz der Derwische Wie der Kelch einer Blume

Er gleicht einer Blume, die sich öffnet und schließt – der Tanz der Derwische. Und er ist nicht nur in der Türkei erlebbar, sondern auch mitten in Nürnberg.

Von: Susanne Fiedler

Stand: 17.07.2017

Im sogenannten „Sema“, dem Tanz, erspüren die Derwische eine ganz besondere Hingabe zu Gott. Davon ist Süleyman Bahn bereits seit über 40 Jahren fasziniert.

Süleyman Bahn, Leiter des Mevlevi Ordens in Nürnberg

Er hat viel Zeit in der Türkei verbracht und sich mit dem Sufismus auseinandergesetzt, der mystischen Seite des Islams. Und angetan hat es ihm auch der islamische Dichter und Mystiker Mevlana Rumi aus dem 13. Jahrhundert, der weltweit viele Anhänger hat. Und so hat auch Süleyman Bahn in Nürnberg nach eigenen langen Lehrjahren einen Mevlevi Orden gegründet. Er steht diesem Orden vor, der auch vom Zentrum in der Türkei anerkannt ist. Hauptsitz ist in Nürnberg, zur Zeit gehören ihm 35 Mitglieder an.

Was ist eigentlich ein Derwisch?

Der Name Derwisch kommt aus dem Persischen und bedeutet im weitesten Sinne Bettler. Der Begriff ist ein Symbol dafür, dass der Derwisch seine eigene „Armut gegenüber Gottes Reichtum“ erkennt und selbst in einer Balance lebt zwischen der irdischen und der göttlichen Welt. Für die Mitglieder des Ordens heißt das, dass sie versuchen, diszipliniert und bescheiden in ihrem weltlichen Alltag zu leben.

Der Mevlevi Orden in Nürnberg

Dem Mevlevi Orden gehören Männer wie Frauen an, er steht jeder Nationalität sowie jeder Glaubensrichtung offen, wenngleich die Mitglieder auf jeden Fall ein Interesse am Islam mitbringen sollten, da der ganze Ablauf des Abends auch Gebete aus dem Koran und genau Rituale beinhaltet.

Die Sufi-Tänzerin Ayşe Geçer

Die Derwische treffen sich in Nürnberg einmal in der Woche in der Derghâ. Dieser Name stammt aus dem Türkischen und gilt dort als der Ort, an dem die Aspiranten zu Derwischen ausgebildet wurden. Die Mitglieder des Mevlevi-Ordens gestalten den Abend nach einem ganz bestimmten Ablauf und absolvieren traditionelle Übungen. Doch wer Mitglied im Mevlevi Orden ist, der ist auch von einer bestimmten Geisteshaltung überzeugt, die im Alltagsleben gelebt wird. So soll man etwa im übertragenen Sinn den Nächsten als Spiegelbild Gottes erkennen und sich ihm gegenüber auch so verhalten. Liebe und Mitgefühl sollten selbstverständlich sein für einen Derwisch.


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