Religion


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Nulltarif für alle Schwarzfahren aus Prinzip

Bus und Bahn sind für alle da - doch wer sie nutzt, muss bezahlen. Auch wenn viele die Ticketpreise zu teuer finden. Eine Gruppe von Aktivisten fährt in Regensburg schwarz - und das aus Prinzip. Dass sie damit auf Kosten anderer fahren, stört sie nicht.

Von: Iris Tsakiridis

Stand: 26.04.2018

Blaues Schild am T-Shirt mit der Aufschrift: Ich würde "schwarz" fahren (wenn ich nicht gerade eine Fahrkarte hätte) | Bild: BR

Wenn Matthias und Florian in den Bus steigen, lösen sie kein Ticket. Sie sind auch schon einige Male erwischt worden. Ein schlechtes Gewissen haben sie trotzdem nicht. Die Regensburger Aktivisten möchten mit ihrer Schwarzfahr-Aktion eine Debatte anstoßen und wollen, dass öffentliche Verkehrsmittel für die Nutzer generell kostenfrei sind. Allerdings müssten dann alle Bügerinnen und Bürger die Busse mitfinanzieren, auch wenn sie sie niemals nutzen. Schon jetzt schießt die Stadt Regensburg 12 Millionen Euro im Jahr zu.

"Als normaler Bürger dieser Stadt finanziere ich viele Dinge, die ich überhaupt nicht nutze. Ein riesengroßes Museum, auf das ich keinen Bock habe, reinzugehen. Oder ein Fussballstadion, das mit Steuergeldern unterstützt wird. Aber mich interessiert Fussball nicht. Lauter solche Sachen. Das ist auch ungerecht."

Matthias , Schwarzfahrer-Aktivist

Dass keiner mehr Bußgelder zahlen muss, dafür kämpfen die Aktivisten der Regensburger Gruppe. Ihr großes Ziel ist: Fahrkarten ganz abschaffen. Gerne auch auf die Kosten anderer.

Ohne Ticket ins Gefängnis

Auch Grüne und Linke beantragen, dass Schwarzfahren nicht mehr als Straftat gilt. Denn es träfe vor allem Menschen mit wenig Geld. Außerdem sitzen in manchen Gefängnissen so viele Schwarzfahrer, dass die Zellen knapp werden. Sind die Strafen zu hart? Darüber streiten Verkehrsbetriebe, Justiz und Politik.

"Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt, wer schwarz fährt, betrügt die Gesellschaft. Die anderen müssen es zahlen, und das ist nicht fair. Das verfolgen wir und verteilen auch Bußgelder."

Manfred Koller, Geschäftsführer Stadtwerke Regensburg

Etwa zwei bis drei Prozent der Fahrgäste sind in Bus und Bahn ohne Ticket unterwegs. In Bayern entsteht den Verkehrsunternehmen dadurch ein Schaden von schätzungsweise 30 Millionen Euro im Jahr. Würde beispielsweise die Stadt Regensburg auf den Verkauf von Tickets gänzlich verzichten, wäre sie bei 40 Millionen Euro Verlust im Jahr.

Kämpfen für eine Utopie

Vermutlich bleibt der Nulltarif ein Traum für die Regensburger Aktivisten. Allerdings stoßen sie mit ihrer Schwarzfahraktion eine spannende Debatte an: nämlich wie die Mobilität der Zukunft eigentlich aussehen soll.


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