Religion


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Das Wunder von Fatima Die Erscheinung der Mutter Gottes

Die Gottesmutter war ganz in Weiß gekleidet, als sie den drei Hirtenkindern auf einer kargen Hochebene bei Fatima, nördlich von Lissabon erschien. Sie beklagte sich über den gottlosen Zustand der Welt - so erzählten es die Kinder später ihren Eltern. Vor 100 Jahren, am 13. Mai 1917, erschien ihnen Maria.

Von: Max Kronawitter/Elisabeth Tyroller

Stand: 04.05.2017 | Archiv

Madonna von Fatima vor Lichtermeer | Bild: BR/ Max Kronawitter

Vor 100 Jahren war Fatima ein unbedeutendes Nest im Westen Portugals. Doch dann wurden 70.000 Menschen Zeugen eines außergewöhnlichen Naturschauspiels, dem sogenannten Sonnenwunder, das drei Monate zuvor von drei Hirtenkinder angekündigt worden war. Papst Franziskus wird zum 100. Jahrestag der ersten Erscheinung in Fatima am 12. Mai nach Portugal reisen. Auch wenn er betont, dass Maria keine Postbotin für Privatbotschaften sei, hat er sein Pontifikat unter den Schutz der Madonna von Fatima gestellt.

Das Sonnenwunder von Fatima

"Ich weiß  noch, dass ich schrie – ich glaube, ich glaube – und dass Tränen von meinen Augen fielen, im Erstaunen und Entzücken vor dieser Demonstration göttlicher Macht. Wenn ich nicht katholisch wäre, in diesem Augenblick hätte ich mich bekehrt. Der größte Teil der Leute fiel auf die Knie, ohne sich um den enormen Dreck zu kümmern."

Ein Augenzeuge des Sonnenwunders

Voraussagungen, Geheimnisse und ein Papstattentat

Die Hirtenkinder Lucia Dos Santos (l), ihr Cousin Francisco und ihre Cousine Jacinta Marto im Jahr 1917 in Fatima.

Die drei Prophezeiungen der Mutter Gottes sind als die "Geheimnisse von Fatima" bekannt geworden, denn die Kinder durften diese 1917 noch nicht veröffentlichen. Erst in den 40er Jahren schrieb Lucia auf, was die Gottesmutter ihnen gesagt haben soll. Beim ersten Mal sagte Maria einen weiteren Krieg nach dem Ende des ersten Weltkrieges voraus. In apokalyptischen Bildern sahen die Kinder eine Vision der Hölle. Die zweite Weissagung bezog sich auf die Bekehrung des kommunistischen Russlands. Über den dritten Teil des Geheimnisses wurde lange spekuliert und es wurde tatsächlich erst 83 Jahre später vom Vatikan veröffentlicht. Es ist die Prophezeiung eines weißen Bischofs, der von Kugeln getroffen zusammenbricht. Eine Vorhersage des Attentats auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981?

Bitte um Buße statt Heilung

Bis heute pilgern Gläubige in Scharen nach Fatima. Viele nähern sich auf Knien der Basilika. Sie alle tun Buße und bitten die Mutter Gotte um Vergebung. Denn anders als etwa im französischen Wallfahrtsort Lourdes, steht in Fatima die Sühne noch vor der Krankenheilung.


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