Religion


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Fasten im Judentum Faste oft, aber höchstens 25 Stunden

Juden haben mehrere Fastentage: vor Purim, vor Pessach, an Jom Kippur. Stets gilt aber die Regel: Faste nie länger als 25 Stunden am Stück - die Gesundheit geht vor.

Stand: 07.02.2018

Fasten in den Weltreligionen: Jude mit Schofarhorn | Bild: picture-alliance/dpa, colourbox.com, BR, Montage BR

Der strengste Fasttag im Judentum ist der Versöhnungstag Jom Kippur. Das Fasten ist an diesem Tag allumfassend und bedeutet für diejenigen, welche die religiöse Tradition befolgen, einen ganze Nacht und den ganzen darauffolgenden Tag weder zu essen noch zu trinken. Kein Sex, kein Autofahren, kein Baden oder Schminken - nichts soll den Prozess der seelischen Katharsis aus der Ruhe bringen, nicht einmal der Genuss von Leitungswasser.

"Jom Kippur ist ein Tag, an dem wir auf so viele materielle Sachen verzichten, dass wir mehr wie Engel als Menschen sind. Wir verbringen den ganzen Tag in der Synagoge mit Gedanken an Reue oder die Rückkehr zu Gott."

Steven Langnas, Münchner Rabbiner

Fasten bis die ersten Sterne am Himmel stehen

Bereits wenige Tage vor Jom Kippur übertragen orthodoxe Juden ihre Sünden bei der sogenannten Kapparot-Zeremonie auf ein Huhn.

Das Fasten beginnt an den beiden wichtigsten Fastentagen Jom Kippur und Tischa BeAv noch vor dem Sonnenuntergang des Vorabends und dauert bis zum Einbruch der Nacht am folgenden Tag, somit in etwa 25 Stunden. Nach dem jüdischen Vorschriftenbuch "Schulchan Aruch" darf wieder gegessen und getrunken werden, wenn drei Sterne am Himmel leuchten. Die restlichen vier Fastentage sind kürzer als die beiden großen - sie gehen vom Morgengrauen bis zum Erscheinen von lediglich einem Stern am Nachthimmel. Einer von ihnen ist das Ester-Fasten. Im Vorfeld des Festes Purim erinnern sich die Gläubigen an Ester, die sich beim König gegen die Ermordung der Juden durch den Regierungsbeamten Haman einsetzte – so steht es im jüdischen Tanach also im Alten Testament.

Traueressen am Tischa beAv

An den sieben Tagen vor Pessach verzichten viele gläubige Juden auf gesäuerte Speisen. Am Trauertag Tischa beAv gelten ähnlich strenge Vorschriften wie am Jom Kippur. Am Vorabend essen viele Juden ein gekochtes Ei oder Linsen, so der Münchner Rabbiner Steven Langnas. Die runden Speisen seien ein typisches Traueressen, das zeigen soll: Das Leben geht weiter in einem ewigen Kreis. Nach der jüdischen Überlieferung haben sich mehrere Unglücke am Tischa beAv zugetragen. Das Bedeutendste war wohl die Zerstörung von Salomons Tempel in Jerusalem, im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, womit die Verbannung der Israeliten ins babylonische Exil begann. Vier der sechs jüdischen Fastentage hängen mit diesem Ereignis zusammen.


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