Religion


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Fasten im Christentum 40 Tage bewusst leben

Sieben Wochen ohne Alkohol, Schokolade oder CO2 heißt es für Christen ab Aschermittwoch. Die Fastenzeit erfreut sich einer Renaissance. Eigentlich aber geht es in der Zeit vor Ostern um etwas anderes als den Verzicht auf Fleisch oder Plastik.

Stand: 07.02.2018

Fasten in den Weltreligionen: Aschekreuz auf einer Stirn | Bild: picture-alliance/dpa, colourbox.com, BR, Montage BR

Mit dem Aschermittwoch beginnt für Christen nach Fasnacht, Fasching, Karneval die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Das Ziel: bewusster zu leben, um sich auf das wichtigste Fest im Christentum vorzubereiten. Sieben Wochen, aber nur 40 Tage üben sich Christen dann im Verzicht auf Genussmittel oder schlechte Angewohnheiten. Die Sonntage sind vom Fasten ausgenommen.

Der theologische Ursprung

Ursprünglich geht die christliche Fastenzeit auf die 40 Tage zurück, die Jesus betend und fastend durch die Wüste zog. Auch das Alte Testament kennt Fastenzeiten: König David beispielsweise fastete, als ein Sohn sehr krank wurde. Als wichtigste Fasttage gelten in der katholischen Kirche Aschermittwoch und Karfreitag. In manchen katholischen Gegenden gilt der Freitag noch immer als der Fast-, der fleischlose Tag. So werden in Bayern und Österreich dann tendenziell eher Mehlspeisen aufgetischt.

In Bayerisch-Schwaben kennt man Maultaschen auch als sogenannte "Herrgottsb'scheisserle". Sie sollen in der Fastenzeit entstanden sein, um das Fleisch vor dem Herrgott zu verstecken. Auch die gleichzeitige Starkbierzeit hat eigentlich einen christlichen Ursprung. Weil die Mönche in der Fastenzeit auf Speisen verzichteten, versuchten sie die entsprechenden Kalorien über das eigens gebraute Starkbier wettzumachen.

Renaissance oder Lifestyle-Event

Inzwischen erfreut sich die christliche Zeit der Einkehr und Besinnung einer Renaissance. Einer Forsa-Umfrage von 2017 zufolge ist die Zahl der Fasten-Fans in den vergangenen fünf Jahren um 15 Prozent auf 59 Prozent gestiegen. Neben Klassikern wie dem Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch und Tabak rückt auch die private Internetnutzung immer mehr in den Fokus, heißt es in der Studie. Repräsentativ befragt wurden 1.036 Bundesbürger. Demnach will fast jeder Vierte in der Fastenzeit ganz oder teilweise auf Handy, Smartphone und Computer verzichten.

Der eigentlich christliche Ursprung gerät dabei eher in den Hintergrund. Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben eigene Fastenaktionen: Unter dem Motto "Sieben Wochen ohne ..." ruft die evangelische Kirche in Deutschland jedes Jahr zum Verzicht auf und die katholische Kirche sammelt für Projekte in Entwicklungsländern.


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