Religion


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Weinberg Messwein aus dem Juliusspital in Würzburg

Eine Millionen Liter Wein produziert das Juliusspital in Würzburg pro Jahr, 5000 Liter davon werden als Messwein für den Gottesdienst gekeltert. Denn bei einer katholischen Messfeier darf nicht irgendein Wein in den Kelch.

Von: Elisabeth Möst

Stand: 13.10.2020

Moderator Benedikt Schregle bei der Traubenernte | Bild: BR/ Elisabeth Möst

Vor mehr als 100 Jahren rief der Weinhändler Ignaz Kolb eine Stiftung ins Leben, die dafür sorgen sollte, dass jedem katholischen Pfarramt ein angemessener und naturreiner Wein zur Verfügung stehe. Seither liegt die Produktion des Messweins in den Händen des Würzburger Juliusspitals.

Weintrinken und Gutes tun

STATIONEN-Moderator Benedikt Schregle reinigt das Holzfass, in dem der Messwein reift.

Das Juliusspital zählt zu den traditionsreichsten Weingütern Frankens und ist das größte Silvaner-Weingut der Welt. 1576 gegründet - ebenfalls als Stiftung - von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn für soziale und gemeinnützige Zwecke. So gehören heute noch ein Krankenhaus, ein Seniorenstift und ein Hospiz zur Einrichtung. Die erwirtschafteten Gewinne aus dem Weingut fließen nach wie vor in soziale Aufgaben. Der Messwein macht nur einen Bruchteil der 180 Hektar Rebfläche aus – aber er ist der Stolz des Weinguts. Rund 5000 Liter Messwein produziert das Juliusspital – von rund einer Millionen Liter Jahresproduktion.

Wichtig: der richtige Zeitpunkt für die Ernte

Messwein des Juliusspitals

Die Weinlese dauert nur wenige Wochen. Es ist das Kunststück des Winzers, den richtigen Zeitpunkt für die Ernte zu treffen – immer abhängig vom Wetter. Und das macht den Weinbauern immer mehr zu schaffen. 30 bis 35 Grad im September, das sei neu, erklärt Kellermeister Helmut Klüpfel. Er ist für die Trauben nach der Lese verantwortlich, baut für das Juliusspital rund 60 verschiedene Weine aus. Im 250 Meter langen Keller des sogenannten Fürstenbaus lagern die Holzfässer. Auch der Messwein reift in einem Holzfass. Klüpfel ist übrigens der letzte Kellermeister, der vor rund 30 Jahren vom Würzburger Bischof eigens für die Messwein-Herstellung vereidigt wurde. Was macht den Messwein besonders? Die Trauben werden mit der eigenen Hefe vergärt, erklärt Klüpfel, ein Wein ohne Zusatzstoffe, "möglichst wenig, aber das Beste daraus machen, was die Natur gibt", lacht er.

Weinbau muss sich dem Klimawandel anpassen

Peter Rudloff, Silvaner-Fan und Winzermeister, bei der Weinlese

Winzermeister Peter Rudloff schwärmt von der Silvanertraube – unter den typischen fränkischen Rebsorten zweifellos seine Lieblingsrebe. Er erwartet einen guten Ertrag in diesem Jahr, obwohl Frost im Frühjahr und eine lang anhaltende Trockenheit für große Ausfälle verantwortlich sind. So muss sich der Weinbau dem Klimawandel anpassen. Im Juliusspital möchte Rudloff aber nicht auf andere Rebsorten umsteigen, sondern die Reben stressfähiger machen, durch einen sanften Schnitt und besondere Schonung der Böden.

Seit 2014 weltliches Recht für kirchlichen Wein

Übrigens: Die Messweinverordnung von 1976 – faktisch das Reinheitsgebot für Wein – haben die deutschen Bischöfe 2014 ersatzlos gestrichen und auch eine Vereidigung der Lieferanten braucht es nicht mehr. Denn inzwischen sorge das weltliche Recht dafür, dass Wein ein reines Produkt sei. Ein Priester solle eigenverantwortlich dafür sorgen, dass der Wein für die Eucharistiefeier würdig ist, also mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweins entspreche. Der Silvaner aus der Ignaz Kolb’schen Messweinstiftung ist somit auch nicht mehr nur dem Pfarrer vorbehalten, sondern kann auch von Laien gekauft und genossen werden.

Die Beiträge der Sendung:

  • Warum Brotbacken Arbeit für die Seele ist. Von Andreas Unger
  • Mit dem Erbe Bäume pflanzen. Von Iris Tsakiridis
  • Als Biobauer die Schöpfung bewahren. Von Andrea Koeppler
  • Aus dem Leben von Erntehelfern. Von Friederike Wipfler

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