Religion


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"Bewahrung der Schöpfung" Von der Umweltbewegung zur Enzyklika

Wenn Papst Franziskus nun eine Enzyklika mit dem Schwerpunkt Ökologie und Klimaschutz veröffentlicht, setzt er ein weiteres Zeichen für die Modernisierung der katholischen Kirche. Denn noch bis in die 1970er Jahre hinein wurde die Umweltzerstörung nicht als genuin christliches oder religiöses Thema wahrgenommen. Das Schlagwort "Bewahrung der Schöpfung" ist den Kirchen von unten zugewachsen. Ein Überblick:

Von: Matthias Morgenroth

Stand: 15.06.2015

  • 1965
    Jörg Zink | Bild: picture-alliance/dpa

    Jörg Zink, Theologe und Publizist

    1965

    Jörg Zink

    Noch 1965 dreht Jörg Zink zwei Fernsehfilme, "Das Leiden der Natur" und "Zukunft für die Erde". Sie hatten kaum Einschaltquoten. Es kamen kaum Reaktionen. Aus der Kirchenleitung kam die Kritik, dies sei ein Thema für Wirtschaft und Politik und man solle es denen auch getrost überlassen.

  • 1972
    Der Schriftsteller Carl Amery | Bild: picture-alliance/dpa

    Der Schriftsteller und Umweltaktivist Carl Amery

    1972

    Carl Amery

    Der Schriftsteller und Umweltaktivist Carl Amery verknüpfte in seinem Bestseller "Das Ende der Vorsehung" die Umweltzerstörung mit dem Christentum: Der Auftrag in der Schöpfungsgeschichte "Macht euch die Welt untertan" sei der Sündenfall der Umweltzerstörung.

  • 1972
    Symbolbild: Titel des Buches "Grenzen des Wachstums" des Club of Rome, im Hintergrund Abgeholzte Gebiete des Amazonas | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR

    Der Klimawandel und seine Auswirkungen

    1972

    Club of Rome

    1972 trat der Club of Rome zum ersten Mal in Erscheinung mit der von ihm beauftragten Studie "Die Grenzen des Wachstums". Darin wurde zum ersten Mal die Erkenntnis einem breiten Publikum präsentiert, dass die Ressourcen endlich sind und gnadenlos ausgebeutet werden.

  • 1979
    Die Kandidaten der Bremer Günen Liste, Peter Willers, Delphine Brox, Axel Adamietz und Olaf Dinne haben Grund zur Freude: Sie werden nach dem guten Abschneiden ihrer Partei bei den Bremer Bürgerschaftswahlen vom 7. Oktober 1979 in der nächsten Legislaturperiode für die Bremer Grüne Liste im Landesparlament sitzen. Damit sind die Grünen erstmalig in der Bundesrepublik in einem Landesparlament vertreten. | Bild: Reuters (RNSP)

    Auf der Bremer Grünen Liste: Peter Willers, Delphine Brox, Axel Adamietz und Olaf Dinné

    1979

    Die Grünen

    Die Deutschen Evangelischen Kirchentage und später auch die Katholikentage waren Podien, auf denen die ökologische Frage und die christliche Verantwortung mit vielen zehntausend Teilnehmern diskutiert wurden. 1979 gründete sich der erste Landesverband der Grünen, mit dabei viele christliche Aktivisten u.a., dort bündelten sich auch viele Strömungen, die vorher auf den Kirchentagen und anderswo als APO auftraten. Mit den Kandidaten der Bremer Grünen Liste sind die Grünen erstmalig in einem Landesparlament vertreten.

  • 1983
    Symbolbild: Symbol für Ökumene, im Hintergrund Abgeholzte Gebiete des Amazonas | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR

    1983

    "Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung"

    1983 bei der VI. Vollversammlung des ÖRK Ökumenischen Rates der Kirchen - da sind nahezu alle Kirchen dabei, die nicht katholische Kirche sind - wurden die Aufgaben der Christen weltweit zum ersten Mal mit "Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung" benannt. 1990 bei der Ökumenischen Weltversammlung in Seoul wurde formuliert:
    "Wir bekräftigen, dass die Erde Gott gehört. Das Land und die Gewässer bedeuten Leben für die Menschen ….Wir verpflichten uns ..., den ökologisch notwendigen Lebensraum anderer Lebewesen zu achten."

  • 1985
    Symbolbild: Titel des Buches "Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung", im Hintergrund Abgeholzte Gebiete des Amazonas | Bild: EKD, picture-alliance/dpa, Montage: BR

    1985

    EKD und Bischofskonferenz

    Die Kirchen in Deutschland haben Anfang der 1980er Jahre Denkschriften zum Thema Ökologie verfasst. "Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung" - Eine Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz:
    "Die gemeinsame Erklärung will an die biblischen Aussagen über die Schöpfung Gottes erinnern und auf ihre Aktualität hinweisen. Sie wirbt für eine nüchterne, aufgeschlossene und sachliche Diskussion."

  • 1991
    Symbolbild: TItel des Buches "Einverständnis mit der Schöpfung", im Hintergrund Abgeholzte Gebiete des Amazonas | Bild: EKD, picture-alliance/dpa, Montage: BR

    1991

    EKD Denkschrift

    "Einverständnis mit der Schöpfung" - Ein Beitrag zur ethischen Urteilsbildung im Blick auf die Gentechnik und ihre Anwendung bei Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren.
    "Gegenwärtig besteht ... in der Bundesrepublik Deutschland, in zahlreichen anderen Ländern wie in der Diskussion der Ökumene ein breiter Konsens, daß Veränderungen an den menschlichen Keimbahnzellen angesichts der Risiken, Voraussetzungen und Folgen solcher Eingriffe aus ethischen Gründen nicht zulässig sind."


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