Religion


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Enzyklika - was ist das? Die Lehrschreiben der Päpste

Heute veröffentlicht Papst Franziskus seine zweite Enzyklika, die sich mit dem Thema Umwelt beschäftigt. Doch was genau ist eigentlich eine Enzyklika? Seit wann gibt es sie? Und welche Bedeutung hat sie?

Von: Martin Jarde

Stand: 22.06.2016

Papst Benedikt XVI. unterschreibt Enzyklika | Bild: picture-alliance/dpa

Enzykliken gelten als die wichtigsten Lehrschreiben von Päpsten, ihre Bedeutung reicht oft über das Pontifikat des jeweiligen Papstes hinaus. In Enzykliken nehmen Päpste zu grundlegenden theologischen und gesellschaftlichen Fragen in verbindlicher Weise Stellung. Allerdings gelten die Dokumente nicht als "unfehlbar".

Päpstliche Rundschreiben

Das Wort Enzyklika kommt vom griechischen Begriff "enkyklios", was "im Kreis laufend" bedeutet. Enzykliken sind also Rundschreiben, sie wenden sich an die ganze Kirche, besonders an die Bischöfe - und manchmal auch an "alle Menschen guten Willens".

Die erste Enzyklika eines Papstes ist für manche wie eine "Regierungserklärung", an der das Programm des neuen Pontifikats abzulesen sei.

Päpstliche Enzykliken werden mit dem so genannten Incipit zitiert, den ersten zwei oder drei Anfangsworten des ersten Satzes. In den meisten Fällen sind diese lateinisch, es gibt aber eine Ausnahme: die Enzyklika „Mit brennender Sorge“. Diese wurde von Papst Pius XI. angesichts der Situation im Deutschen Reich am 14. März 1937 in deutscher Sprache herausgegeben und richtete sich gegen die nationalsozialistische Ideologie.

Berühmte Enzykliken der Geschichte

Seit Ende des 19. Jahrhunderts haben die Päpste mehr als 100 Enzykliken veröffentlicht. Berühmte Beispiele sind etwa "Rerum novarum" (1891) von Leo XIII., mit der die katholische Soziallehre begründet wurde, oder "Humanae vitae" (1968) von Papst Paul VI., in der er sich zu Fragen der Familienplanung äußerte. Als erster Papst richtete sich Johannes XXIII. im Jahre 1963 mit der Enzyklika "Pacem in terris" (Friede auf Erden) außer an die Katholiken "an alle Menschen guten Willens".

Die allererste Enzyklika stammt von Papst Benedikt XIV., der die moderne Form dieser Briefgattung als Lehrschreiben 1740 mit "Ubi primum" etabliert hat. Der Text behandelt die Amtspflichten von Bischöfen. Die Vorläufer waren Apostolische Briefe und versiegelte Urkunden (Bullen) sowie andere Formen von Erlässen und formellen Bescheiden.

Päpstliche Unfehlbarkeit

Die Aussage eines Papstes ist dann unfehlbar, wenn er in seinem Amt als „Lehrer aller Christen“ eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet. Enzykliken gehören nicht per se in diese Kategorie. Die Texte sind aber Ausdruck der obersten Lehrgewalt des Papstes und wollen nach einer Definition von Papst Pius XII. (1939-1958) ein "Urteil über bisher umstrittene Fragen aussprechen" und diese "der freien Erörterung der Theologen entziehen".
Enzykliken seien zwar Lehrschreiben, die großes Gewicht hätten, erklärt der Wiener Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück. Das bedeute aber nicht, dass sie nicht interpretationsbedürftig seien. „Das Lehramt erwartet natürlich eine gewisse wohlwollende Aufnahme seiner Aussagen, Dissens ist aber durchaus möglich und heute angesichts des Pluralismus in der Kirche fast unumgänglich.“


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