Religion


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Moscheen in Bayern Die türkisch-islamische DITIB-Moschee in Deggendorf

Oft werden islamische Gebetsräume in ganz normalen Wohn- oder Vereinshäusern eingerichtet. So auch im niederbayerischen Deggendorf. Bis 2013 die sogenannte Jahrhundertflut kam und das Donau-Hochwasser die Gebetsräume so stark beschädigte, dass nur noch ein Neubau in Frage kam. Im Sommer 2016 wurde die neue Moschee eingeweiht.

Von: Antje Dechert

Stand: 20.08.2018

Außenansicht der türkisch-islamische Ditib-Moschee in Deggendorf, die 2016 im Industriegebiet neu erichtet wurde: Ein schwarz verkleideter Kubus mit vergoldete Kuppel, davor ein frei stehendes, stummes Minarett, kaum höher als die Moschee selbst.  | Bild: BR/ Antje Dechert

Ein schwarz verkleideter Kubus mit vergoldeter Kuppel, davor ein frei stehendes, stummes Minarett, kaum höher als die Moschee selbst.  Dieser moderne, elegant wirkende Bau ist seit 2016 die neue Moschee des islamisch-türkischen Kulturvereins in Deggendorf. Er steht im Industriegebiet zwischen anderen Neubauten, darunter ein großes Vereinsareal mit Festhalle und Parkplätzen.

Die Moschee hat zwei Eingänge, einer für Herren, einer für Damen. Mit dem Aufzug gelangt man ins Obergeschoss, dort befindet sich der Gebetsraum, ein lichtdurchfluteter Raum mit rotem Teppich. Direkt in der Mitte unter der Kuppel ein großer, funkelnder Kronleuchter. An den Wänden golden unterlegte Kaligraphien. 

Bunt gemischtes Publikum

Zu den Freitagsgebeten kommen viele Muslime in die Moschee, die nicht Mitglieder im türkisch-islamischen Kulturverein sind. Das Publikum ist inzwischen bunt gemischt.

Die Mehrheit der Gläubigen seien Sunniten, sagt Osman Karabacak, der erste Vorsitzende des Deggendorfer Moscheevereins. Aber auch Schiiten, Aleviten oder Nichtmuslime seien willkommen. So kommt zum Beispiel Gottfried Rösch, Pfarrer der evangelischen Kirche in Deggendorf, regelmäßig zu Besuch. Für ihn ist die Moschee eine Bereicherung: „In der neuen Moschee ist es einfach eine enorme spirituelle Ausstrahlung, wahrscheinlich einer der schönsten spirituellen Räume in der Region. Ich nehme auch ab und zu am Freitagsgebet teil und bekomme auch mit, dass andere Leute toll finden, was wir an Schönem in Niederbayern jetzt neu haben.“

Seit über 40 Jahren in Deggendorf

Gegründet wurde der türkisch-islamische Kulturverein in Deggendorf vor über 40 Jahren von türkischen Gastarbeitern. Seit 1987 gehört er zum Dachverband der türkisch-islamischen Union DITIB.

Finanziert wird der Moscheeverein durch die Jahresbeiträge und Spenden seiner rund 300 zahlenden Mitglieder. Von denen sind die meisten hier geboren, deutsche Staatsbürger und fühlen sich in Niederbayern verwurzelt. Entsprechend rege ist deshalb seit Jahren schon der Austausch mit anderen Vereinen und Religionsgemeinschaften vor Ort, sagt Osman Karabacak.

Anfeindungen im Internet

Der Moscheeneubau rief aber auch islamfeindliche Gruppen und Gegner des Bauprojekts auf den Plan, die vor allem in den sozialen Medien gegen den Neubau mobil machten. Bis heute ist der Moscheeverein immer wieder Anfeindungen im Netz ausgesetzt.

DITIB in der Kritik

Misstrauen gegenüber DITIB-Moscheen im Allgemeinen entstand durch die Tatsache, dass die DITIB-Imame Angestellte des Amts für religiöse Angelegenheiten in der Türkei sind und damit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan unterstehen. Eine direkte politische Einflussnahme der türkischen Regierung auf die DITIB-Moscheen in Bayern sei aber nicht nachweisbar, stellte erst vor kurzem die Studie „Islam in Bayern“ der Universität Erlangen-Nürnberg klar.  

Auch Osman Karabacak vom Vorstand der Deggendorfer DITIB-Moschee betont: In der Gestaltung des Vereinslebens seien sie als Ortsgemeinde frei. Und was der Imam freitags auf Türkisch predige, werde im Anschluss auf Deutsch verlesen und auf die Moschee-Homepage gestellt.


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