Religion


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Bertram Meier Der neue Bischof von Augsburg

Schon im Januar hat der Papst Franziskus ihn zum Bischof ernannt. Damit ist für Bertram Meier ein Traum in Erfüllung gegangen. Er ist seit fast einem viertel Jahrhundert wieder der erste Bischof aus dem eigenen Bistum.

Von: Elisabeth Möst

Stand: 07.04.2020

Bertram Meier zu Besuch bei einem Augsburger Goldschmied. Bischofsstab, Ring und Brustkreuz stellt der Goldschmied her, ganz nach den Wünschen des künftigen Bischofs. | Bild: BR/ Elisabeth Möst

Seit dem altersbedingten Rücktritt von Konrad Zdarsa hat Betram Meier schon die Geschicke des Bistums Augsburg geleitet, doch seit Januar steht fest: Bertram Meier ist der 62. Nachfolger des Bistumspatrons, des Heiligen Ulrich. Damit wird seine Verantwortung noch größer als bisher. Eine Aufgabe, auf die er sich freut.

Auch viele Gläubige und Angehörige des Bistums Augsburg sind mit der Berufung von Bertram Meier zufrieden.

"Ein weitblickender, umsichtiger, auf den Menschen eingehender, kirchentreuer und papsttreuer Mann, der aber auch offen ist ür alle Strömungen, die sich zurzeit in der Kirche von Deutschland aufgetan haben. Mit kritischem Blick auf alles."

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Ökumene ist ihm ein Herzensanliegen

Ökumene hat Bertram Meier "mit der Muttermilch aufgesogen", wie er selber sagt. Der Vater evangelisch, der Rest der Familie – seine Mutter, Schwester und er – katholisch. Ökumene gehört zum Familienalltag, einschließlich angeregter Diskussionen:

"Die Oma aus Sachsen hat Martin Luther sehr verehrt und hat mir genauestens erklärt, welche Missstände in der katholischen Kirche waren und dass er endlich einmal die Kirche reformieren musste. Aber das war für uns nicht dramatisch. Im Gegenteil: Wir haben am Sonntagmittag die besten Predigt-Gespräche beim Mittagstisch geführt."

Bertram Meier, ernannter Bischof von Augsburg

Schon als Kind will er Pfarrer werden

Bertram Meier ist in Buchloe im Ostallgäu geboren und in Kaufering aufgewachsen. Hier wohnt er mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester Alexandra. Schon damals fühlt er sich zur Kirche hingezogen, die nur einen Steinwurf vom Elternhaus entfernt liegt. Als Junge hat er Pfarrer gespielt und die Puppen der Nachbars-Mädchen getauft.

"Die Kirche ist 1967 eingeweiht worden, und ich habe oft zur Mama gesagt: ‚Auch am Nachmittag gehe ich nochmal in die Kirche. Da gab's immer Andachten. Das war mir lieber als in der Küche zu helfen."

Bertram Meier, ernannter Bischof von Augsburg

Damals will er auch schon Pfarrer werden und hat Spaß daran, beim Spielen die Puppen der Nachbarskinder zu taufen.

In der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Kaufering hat Bertram Meier viele Jahre ministriert, ging zur Erstkommunion und zur Firmung. Dort erlebte er einen Ortspfarrer, der ihn beeindruckt und inspiriert hat.
In Landsberg am Lech besuchte Bertram Meier das Gymnasium. Nach dem Abitur ging er ins Priesterseminar und dann zum Studium nach Rom.

Rom als zweite Heimat

Wenn Bertram Meier in Rom ist, geht ihm das Herz auf. Im italienischen Flair mit Kunst, Kultur und Kulinarik fühlt er sich wohl Mit Unterbrechungen hat er in der Heiligen Stadt insgesamt 17 Jahre verbracht.

"Rom ist nicht nur der Vatikan. Rom ist eine Lebensform mit einer riesigen und stolzen Geschichte, mit Land und Leuten. Ich kann mir vorstellen als Bischof, wenn mir vielleicht mal der schwäbische Schrebergarten zu klein wird –  obwohl das Bistum ja recht groß ist – dass ich mich ins Flugzeug oder in den Zug setze und nach zwei, drei Tagen Rom geht es mir schon wieder besser."

Bertram Meier

Meier studiert Philosophie, Theologie und Kirchenrecht an der renommierten Päpstlichen Universität Gregoriana – eine der ersten Jesuitenschulen und die Kaderschmiede der Katholischen Kirche. Er promoviert in Dogmatik und knüpft viele internationale Kontakte. Später bekommt er hier sogar einen Lehrauftrag, für Dogmatik und ökumenische Theologie.
Im Oktober 1985 – mit 25 Jahren – wird Bertram Meier in Rom zum Priester geweiht.

Mit Ausnahme von zwei kurzen Aufenthalten in der schwäbischen Heimat, in denen er in seinem Heimatbistum in der Seelsorge arbeitet, absolviert er in Rom eine Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie und leitet ab 1996 die deutschsprachige Abteilung im Vatikanischen Staatssekretariat. Er arbeitet eng mit Papst Johannes Paul II zusammen. Als Diplomat lernt er vieles, was ihm sicher auch als Bischof nützt:

"Wir konnten lernen, wie man protokollarisch die Leute bei einem Empfang richtig platziert und dann vor allem die Geschichte der vatikanischen Diplomatie, das ist eine Wissenschaft für sich. Viele Staaten haben sich abgeschaut, wie die Katholische Kirche Diplomatie gestaltet hat."

Bertram Meier, ernannter Bischof von Augsburg

Insignien mit Bezug zur Heimat

Zu den Insignien eines Bischofs gehören neben dem Bischofsstab, auch ein Ring, ein Brustkreuz, und individuelles Wappen mit Wahlspruch.
Bischofsstab, Ring und Brustkreuz stellt ein Augsburger Goldschmied her, ganz nach den Wünschen des künftigen Bischofs. Das Besondere: Die Insignien nehmen klaren Bezug auf seine Heimat und Wegbeleiter.

"Ich bin Hirte für eine ganz bestimmte Gegend für Christen, Katholiken, aber auch weit darüber hinaus für Menschen in einer bestimmten Region. Und dann sind wir auf die Idee gekommen, weil ich selber aus dem Lechfeld aus dem südlichen Teil des Lechs komme, dass wir Steine vom Lechufer nehmen und deshalb diese Art von Steinen, die keine Edelsteine sind."

Bertram Meier

Der Hirtenstab soll zu ihm passen, das ist Bertram Meier wichtig, auf der einen Seite elegant, aber nicht protzig. Er ist geschmückt mit den Steinen aus dem Lech, der Stein für den Heiligen Ulrich stammt aus Kaufering, der für die heilige Afra aus der Wolfzenau, und für den Heiligen Simpert ein Stein aus Füssen.

Auch der Ring ist etwas Besonderes: Ihn ziert ein Bergkristall mit Rotilnadeln. Der Stein stammt aus den bayerischen Alpen, wo der Lech entspringt, der durch das Bistum fließt. Durch den Stein hindurch wird man die Buchstaben IHS sehen können – ein Bezug zu Meiers jesuitischen Ausbildungsorten. Seine Interpretation: Jesus ist unser Gefährte.

Für das Brustkreuz hat Bertram Meier das Kreuz des Heiligen Ulrich als Vorbild genommen: Es trägt die Inschrift „Das siegreiche Kreuz des Bischofs von Augsburg“ und zeigt in der Mitte eine Miniatur des Ulrichskreuzes.

Sein Bischofswappen enthält die Augsburger Bistumsfarben Rot und Silber und zeigt eine Ähre, die aus einem Weizenkorn sprießt. Mit der Ähre nimmt Bertram Meier Bezug auf das Wappen des einstigen Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer, über den er seine Doktorarbeit geschrieben hat.
Das Wappen enthält zudem den Wahlspruch "Vox verbi – vas gratie": Die Stimme des Wortes, die Schale der Gnade.

"Für mich ist ganz wichtig, dass ich nicht alles alleine machen kann, sondern dass ich da Hilfe von oben brauche. Bei aller Kompetenz, die man sich auch anlernen kann,-  ist eben dann der zweite Teil dieses Worts – 'Vas Gratie' – wichtig. Oder mal ganz profan ausgedrückt: Auch ein Bischof ist und bleibt Mensch."

Bertram Meier


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