Religion


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Der fromme Rebell Christian Stückl und die Passionsspiele in Oberammergau

Schon als Kind wollte er Leiter der Passionsspiele werden. Mit 29 Jahren war es so weit. Doch als jüngster Spielleiter der Geschichte erntete Christian Stückl nicht nur Lob.

Von: Andrea Kammhuber

Stand: 04.10.2018

Christian Stückl | Bild: BR/ Andrea Kammhuber

Christian Stückl steht unter Strom. Er ist der Spielleiter, oder besser: der Dompteur, ein glühender Zirkusdirektor, der die 2.500 Laiendarsteller, darunter 600 Kinder, 2010 im Passionsspiel, zu Höchstleistungen anfeuert.

Mit 29 Jahren ging sein Traum in Erfüllung

Schon als kleiner Junge hatte er eigentlich nur einen Berufswunsch: Passionsspielleiter in Oberammergau. Nicht etwa Regisseur oder Intendant. Ohnehin wusste Christian Stückl damals gar nicht, was das ist.

2010 inszenierte er zum dritten Mal die Passionsspiele. Da schon routinierter als zwei Jahrzehnte zuvor, als er der jüngste Spielleiter war und seinetwegen im Dorf kräftig gestritten wurde.

Schon damals arbeitete er die Textvorlage des „ehrwürdigen Passionsspiels“ um. Erst behutsam, im Jahr 2000 dann gründlich. Judenfeindliche Passagen wurden eliminiert. Die biblischen Figuren durchdacht. Jesus wurde damals zum „Revoluzzer“.

Christian Stückl provoziert

2010 legte er Wert darauf, dass Jesus nicht nur als der Leidende dargestellt wird, sondern als einer der konsequent handelt und andere zum Umdenken auffordert.

Die kreativen „umstürzlerischen“ Ideen des temperamentvollen Spielleiters führten in Oberammergau immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Doch trotz aller Widerstände und Diskussionen ist seine Spielfreude ungebändigt. Er inszeniert leidenschaftlich, aufrüttelnd, modern. Ein frommer Rebell eben.


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