Religion


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Meditatives Bogenschießen Das Loslassen ist die größte Herausforderung

Ins "Schwarze treffen", der Beste sein: Was beim Sport normalerweise das Wichtigste ist, zählt beim meditativen Bogenschießen nicht. Die Herausforderung ist deswegen aber nicht geringer. Denn hier gilt es sich selbst zu besiegen.

Von: Iris Tsakiridis

Stand: 12.07.2018

Meditatives Bogenschießen | Bild: BR/Iris Tsakiridis

Es ist wie im Leben: Zum guten Schuss gehört der richtige Standpunkt. Erst dann sucht sich der Schütze das Ziel. Martin Scholz bietet Kurse zum meditativen Bogenschießen an. Aus Erfahrung weiß er, dass für viele Teilnehmer nicht das Anvisieren des Ziels das Schwierigste ist.

"Manchmal krallen wir uns richtig an Dingen fest, und das ist auch beim Bogenschießen so, man krallt sich richtig an der Sehne fest. Und je mehr ich kralle, desto schwerer wird es natürlich dann den Pfeil auf den Weg zu bringen. Wenn man ganz stark den Wunsch hat, Dinge loszulassen oder zu lösen - auf der anderen Seite aber auch der Wunsch nach Sicherheit, nach Festhalten da ist: Dieses Spannungsfeld, das ist für viele eine ganz große Hürde."

Martin Scholz

Neue Impulse für den Alltag

Die Scheibe hat keinen Mittelpunkt. Es geht nicht ums Gewinen.

Martin Scholz ist immer wieder selbst darüber erstaunt, dass gerade das Loslassen die Menschen vor Herausforderungen stellt. Er bietet seine Seminare in vielen Klöstern an. In klösterlicher Umgebung können die Teilnehmer den meditativen Charakter des Bogenschießens erfahren. Und dadurch auch neue Impulse in den Alltag mitnehmen.

In St. Josef in Neumarkt in der Oberpfalz widmen sich sechs Teilnehmer ein Wochenende lang dem Bogenschießen. Gabriele Krach-Olschewski ist eine von ihnen. Die Psychiaterin möchte dadurch wieder mehr zu sich selbst finden. Sie ist mit hohen Erwartungen an angereist.

"Abstandnehmen vom Alltag, sich geborgen fühlen im Kloster, was Neues ausprobieren."

Gabriele Krach-Olschewski

Der Kopf wird leer, die Sorgen treten zurück

Konzentrieren auf ein Ziel. Der Alltag tritt in den Hintergrund.

Gabi Krach-Olschewskis Alltag ist sehr durchgetaktet. Auch im Urlaub fällt es ihr meist schwer, sich davon zu lösen. Beim Bogenschießen ist das anders. Alle Teilnehmer müssen sich in der Abgeschiedenheit des Klosters auf eine Sache konzentrieren. Dadurch wird der Kopf leer und die Alltagssorgen treten in den Hintergrund.


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