Religion


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Katholische Kirche 28-jährige Frau will Priesterin werden

Die deutschen Bischöfe haben eine Frauenquote für Führungspositionen in der Verwaltung beschlossen. Der Altar dagegen bleibt in der katholischen Kirche Männerdomäne. Doch genau dahin will Jacqueline Straub. Die 28-Jährige will Priesterin werden.

Von: Christian Wölfel

Stand: 15.03.2019

28-jährige Frau will katholische Priesterin werden | Bild: BR

"Ich will seit meiner Jugend Priesterin werden, weil ich mich dazu berufen fühle." Jacqueline Straub sitzt in einer Kirchenbank in Sankt Nikolaus im schweizerischen Bremgarten. Reihe drei, rechts. Doch die Theologin möchte ganz nach vorne an den Altar. Seit acht Jahren kämpft die heute 28-Jährige für ihre Berufung. Sie hat in Deutschland und der Schweiz Theologie studiert, ist Journalistin und Buchautorin. Weil sie mit ihrem Ruf nach der Weihe für Frauen nicht hinter dem Berg hält, wird sie auch angefeindet.

"Ich bekomme teilweise E-Mails oder Briefe von Menschen, die das nicht gut finden. Sie beschimpfen mich teilweise, stellen meine Berufung in Frage und sagen, dass ich als Frau andere Qualitäten habe oder Gott andere Sachen mit mir vorhat."

Jacqueline Straub

Frauenquote in der katholischen Kirche

Dass es durchaus immer mehr Karrieremöglichkeiten für Frauen in der Kirche gibt, will Straub gar nicht bestreiten. Schon heute gibt es Abteilungsleiterinnen in deutschen Diözesen. Und es sollen nach Willen der katholischen Bischöfe noch mehr werden. Bis 2023 soll ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein, so der jüngste Beschluss. Doch die Weihe von Frauen ist für viele Bischöfe derzeit kein Thema. Das gängige Argument lautet: Jesus habe schließlich nur Männer als Apostel berufen.

"Jesus hat 12 jüdische Männer berufen, 12 jüdische Männer. Bei diesen drei Argumenten wird aber nur eines heutzutage berücksichtigt, denn wir haben viel, viel mehr als 12 Priester oder 12 Bischöfe in der katholischen Kirche. Und jüdisch sind sie ja auch nicht mehr."

Jacqueline Straub

Wann kommt das Frauenpriestertum?

Straub erhält auch viel Zuspruch. Über die Jahre hinweg spüre sie, wie die Menschen immer ungeduldiger würden. Es gebe eine positive Wut. Manch mutiger katholischer Pfarrer oder auch Gemeinden, meist in der Schweiz, laden die verheiratete Frau sogar ein, in der Kirche zu predigen. Der Altar ist aber weiterhin tabu.

"Wenn mein Herz nicht für die katholische Kirche pochen würde, würde ich das alles gar nicht machen. Ich könnte konvertieren: evangelisch, alt-katholisch – was auch immer. Dann müsste ich mir die Mühen nicht machen. Aber ich glaube, die katholische Kirche ist es wert, für sie zu kämpfen."

Jacqueline Straub

Die 28-jährige Jacqueline Straub will weiter für ihre Berufung eintreten.


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