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Hintergrund Gewitter

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Gut gerüstet Blitzschutz lohnt sich!

Ein Blitzeinschlag - und der Computer ist futsch. Glück hat, wer zum Zeitpunkt des Gewitters zu Hause ist, denn der kann dann zumindest teure elektronische Geräte vom Netz nehmen. Doch das ist keine dauerhafte Lösung. Gegen Blitzschäden an den Elektroleitungen hilft allerdings nur ein spezielles Blitzschutzsystem im Haus.

Stand: 21.06.2016

Gewitter über München | Bild: picture-alliance/dpa

Über dem Süden Deutschlands entladen sich an 15 bis 35 Tagen im Jahr Gewitter. 622.636 Blitzeinschläge hat der Blitz-Informationsdienst von Siemens 2014 in ganz Deutschland gezählt. Jeder Quadratkilometer Deutschlands wird im Jahr ein- bis fünfmal von einem Blitz getroffen.

Doch nicht nur die direkten Einschläge wirken zerstörerisch, auch indirekt wirkt die ungeheuere Energie eines Blitzes: Noch in rund zwei Kilometern Entfernung kann ein Blitz Daten- und Elektroleitungen, empfindliche elektronische Anlagen und Geräte durch enorme Überspannung zerstören. Und nicht nur das: "Je nach Nähe des Blitzeinschlags, je nach den vorhandenen Gebäudebedingungen können hier auch Spannungen auftreten, die in der Lage sind, nicht nur Geräte zu beschädigen, sondern in der Folge auch Geräte in Brand zu setzen", sagt Reinhard Neumann, Gutachter beim Institut für Schadenverhütung und Schadensforschung (IFS) in München.

260 Jahre Blitzableiter

Benjamin Franklin

Die Idee, einen Blitz beim Einschlag in die Erde zu leiten, stammt aus dem Jahr 1752. Erfinder des Blitzableiters war der amerikanische Naturforscher und Politiker Benjamin Franklin. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Blitzableiter an Gebäuden angebracht. Die Grundidee ist bis heute unverändert. Eine Alternative gebe es nicht, so Peter Heering, Professor für Physik an der Universität Flensburg. "Blitzableiter wird es geben, solange wir Gewitter haben."

Kein Schutz vorgeschrieben

Brennender Dachstuhl, nachdem der Blitz eingeschlagen hat.

Eine allgemeine gesetzliche Verpflichtung für einen Blitzschutz gibt es nicht, von einigen Ausnahmen abgesehen, sagt Jürgen Hunger von der Branddirektion München: So müssen Hochhäuser und öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser auf jeden Fall gesichert werden. Zudem können Bauämter Baugenehmigungen mit speziellen Auflagen wie der Installation einer Blitzschutzanlage erteilen, etwa beim Bau besonders brandgefährdeter Gebäude wie Scheunen.

Elektronik im Wert von 15.000 Euro pro Familie

Viele Familien haben elektronische Geräte im fünfstelligen Wert zu Hause.

Hauseigentümer oder Bauherren sollten bei Ihrer Entscheidung die Kosten für die Installation und gegen den Wert der zu schützenden Geräte abwägen, so der TÜV Süd. Trockner, Waschmaschine, Heizungsanlage, Satellitenempfänger, Herd mit Ceranfeld, Telefonanlage, PC, Drucker, Fax: "Sehr viele Familien haben heute elektronische Geräte im Wert von 10.000 bis 15.000 Euro zu Hause. Da muss man sich fragen, ob man sich nicht mit einem Basisschutz gegen Blitzschäden absichert", so Diplom-Ingenieur und Blitzschutz-Experte Peter Biebl.

Äußerer und innerer Blitzschutz

Groß dimensionierte Blitzableiter an reetgedeckten Häusern

Die Experten unterscheiden beim Blitzschutz zwischen äußerem und innerem Blitzschutz. Ersterer ist das, was Laien unter "Blitzableiter" verstehen - bestehend aus Fangeinrichtung, Ableitung und Erdungsanlage: Diese Schutzvorrichtungen fangen Blitze, die ins Gebäude einschlagen, ein, leiten die Energie der Blitze in die Erde und verteilen sie dort. So wird verhindert, dass das Gebäude Feuer fängt oder Personen im Haus einen Stromschlag erleiden. Der innere Blitzschutz dagegen schützt die elektrischen Leitungen - durch Blitzstromableiter am Verteilerkasten und Überspannungsableiter in der Stromversorgungsunterverteilung. Zusätzliche Überspannungsableiter werden direkt vor empfindlichen elektronischen Geräten wie PC oder DVD-Player installiert. Auch für Telefon- und Datenleitungen gibt es spezielle Schutzvorrichtungen.

Versicherungsschutz

Sie sind gegen Schäden durch Blitzeinschlag durch Ihre Feuer- und Brandversicherung geschützt? Gut. Sie sollten aber prüfen, ob Ihre Gebäudeversicherungs-Police nur Gebäudeschäden durch Brand bei Blitzeinschlag versichert, sogenannte Überspannungsschäden an Leitungen und Geräten aber nicht. Nicht alle Hausratsversicherungen haften auch bei Überspannungsschäden. Solche, die haften, verpflichten den Versicherungsnehmer oft durch eine separate Klausel zu Blitzschutz-Vorkehrungen. Also: Besser die Policen nochmals sorgfältig durchlesen!

Bei Neubauten ist es mittlerweile Standard, äußeren und inneren Blitzschutz gemeinsam zu installieren: Wer heute ein Haus baut und bei seinem Neubau einen äußeren Blitzschutz installiert, ist nach der VDE-Norm 0185-305-1-4 seit Oktober 2006 verpflichtet, auch für einen inneren Blitzschutz zu sorgen. Alle Schutzvorrichtungen müssen von Fachleuten des Elektrohandwerks installiert und regelmäßig gewartet werden. Der TÜV Süd empfiehlt Kontrollen im Abstand von fünf Jahren.

Telefonieren bei Gewitter

Wenn Sie bei Gewitter gefahrlos telefonieren möchten, sollte die Telefonanlage auf jeden Fall durch ein Überspannungsgerät geschützt sein. Auch Handys können gefahrlos in Innenräumen benutzt werden, außerdem schnurlose Telefone - wobei hier zu beachten ist, dass die Basisstation bei einem Blitzeinschlag beschädigt werden kann.

Bankrott durch Blitzeinschlag

Festplatten-Crash: Ein Supergau nicht nur am Arbeitsplatz

Für Betriebe kann ein Blitzeinschlag schnell existenzgefährdend werden: "Ob Schreinerei oder Steuerberater - überall stehen heute PCs und Server. Und sind die Firmendaten erst einmal weg, dann wird es oft richtig teuer", sagt Walter Tschischka, Präsident des ZVEH.


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