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Zöliakie ... aber bitte ohne Gluten!

Brot, Nudeln, Kuchen und viele Fertiggerichte schlagen Zöliakie-Patienten auf den Magen, oder vielmehr auf den Darm. Sie vertragen kein Gluten, ein Klebereiweiß, das in Weizen, Hafer, Gerste, Roggen und Dinkel enthalten ist. Oft wird die Krankheit erst spät erkannt, die Folgen können fatal sein.

Stand: 21.06.2016

Brotlaibe und Schild glutenfrei | Bild: picture-alliance/dpa

Bei der Zöliakie, der angeborenen Gluten-Unverträglichkeit, reagiert der Dünndarm allergisch auf ein Klebereiweiß, das Bestandteil vieler Getreidesorten ist. Essen Zöliakie-Patienten glutenhaltige Lebensmittel, führt das zu einer chronischen Darmentzündung. Die für die Nährstoffaufnahme zuständigen Darmzotten bilden sich zurück. Dadurch wird die Oberfläche des Dünndarms immer kleiner und der Körper kann nicht mehr ausreichend Nahrung aufnehmen.

Risiko Mangelernährung

Vor allem der Eisen- und Kalzium-Haushalt ist bei den Betroffenen gestört, das kann bei Kindern zu Wachstumsverzögerungen führen. Durch die zerstörte Dünndarmschleimhaut kann es zudem zu einem Mangel am Milchzuckerspalt-Enzym Laktase und in Folge zu einer Milchunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) kommen.

Diagnose mithilfe einer Gewebeprobe

Aufschluss über eine mögliche Glutenunverträglichkeit geben ein Bluttest (Gliadin-Antikörpertest) und eine Spiegelung des Dünndarms (Biopsie). Ist der Antikörpertest negativ, ist eine Zöliakie allerdings noch nicht ausgeschlossen. Nur die Auswertung einer Dünndarmgewebeprobe schafft Klarheit. Sie sollte man vor der Umstellung auf glutenfreie Nahrungsmittel durchführen.

Lebenslange Diät unerlässlich

Warum manche Menschen allergisch auf Gluten reagieren, weiß man noch nicht, die Krankheit scheint aber vererblich zu sein. Betroffene müssen sich ein Leben lang glutenfrei ernähren, sonst drohen ernste Folgeerkrankungen, insbesondere Spätfolgen an anderen Organsystemen und Knochen, aber auch das Risiko für weitere Immunerkrankungen, wie Typ 1 Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen. Daher sollten Zöliakie-Patienten die Diät nicht absetzen, auch wenn sie lange Jahre beschwerdefrei gelebt haben.

Glutenfreie Ernährung - heute kein Problem mehr

Auch wer nur unter mäßig ausgeprägter Zöliakie leidet, sollte vorsichtig sein. Untersuchungen haben ergeben, dass auch hier eine Beeinträchtigung der Gesundheit droht, wenn man glutenhaltige Nahrungsmittel nicht vom Speiseplan streicht. Mithilfe eines Ernährungsberaters können sich Betroffene einen ausgewogenen Diät-Plan zusammenstellen. Glutenfreie Spezialprodukte sind mit einer durchgestrichenen Ähre gekennzeichnet. Früher gab es diese Produkte fast nur in Reformhäusern, mittlerweile führen sie auch normale Supermärkte. Schwieriger ist es jedoch, glutenfreies Essen beim Metzger, in der Bäckerei, in der Kantine oder im Restaurant zu bekommen.

Nur bei gesicherter Diagnose

Als "glutenfrei" gelten Lebensmittel, wenn sie höchstens 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm enthalten. Diese meist teureren Produkte sind aber nur für Zöliakie-Kranke mit gesicherter ärztlicher Diagnose sinnvoll, alle anderen Verbraucher können darauf verzichten. Einige Hersteller nutzen zudem die ungenauen EU-Vorgaben, um an sich glutenfreie Lebensmittel werbewirksam als "glutenfrei" zu vermarkten. Wer unter unklaren Magen-Darm-Beschwerden leidet, sollte diese abklären lassen.


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