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Medikamenteneinnahme Wechselwirkungen - eine unterschätzte Gefahr

Wir werden immer älter - und kränker. Im Alter nehmen die Gebrechen und die Zahl der Medikamente zu. Bei der steigenden Anzahl von Medikamenten, die wir schlucken müssen, steigt auch die Gefahr von Wechsel- und Nebenwirkungen.

Stand: 24.06.2016

Pillen auf einem Löffel | Bild: colourbox.com

Bei Einnahme mehrerer Arzneimittel können Wechselwirkungen entstehen: Zum Beispiel können Wirkstoffe im Körper schneller oder langsamer wirken oder mehr oder weniger der Substanz kommt im Körper tatsächlich zur Wirkung, als ursprünglich in der Dosierung angedacht. Mit jeder zusätzlichen Arznei steigt die Gefahr von Wechsel- und Nebenwirkungen.

Nebenwirkung Selbstmord

Einige Medikamente haben sogar tödliche Nebenwirkungen: Bei bestimmten Antibiotika, die zum Beispiel bei Harnwegsinfekten eingesetzt werden, bei speziellen Aknemitteln und sogar bei neueren Antidepressiva können Patienten starke Selbsttötungswünsche entwickeln. Die Gefahr ist, dass auch viele Mediziner diese Art der Nebenwirkung nicht kennen. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft hat diese Fälle dokumentiert: Nach der Einnahme eines Antibiotikums aus der Gruppe der Gyrasehemmer wurden bei Patienten 174 Mal Suizidgedanken und 12 vollendete Suizide erfasst.

Beispiele für Wechselwirkungen

  • Abführmittel: Sie können zum Beispiel die Wirkung von Herzmitteln verstärken. Folge: Herzrhythmusstörungen.
  • Azetylsalizylsäure (ASS): Die freiverkäufliche und häufig verwendete schmerzlindernde und entzündungshemmende Azetylsalizylsäure kann die Wirkung von Medikamenten verringern oder verstärken. Wenn man gleichzeitig Blutverdünner wie Marcumar einnimmt, erhöht sich die Blutungsgefahr.
  • Johanniskraut: Wer die Pille einnimmt, sollte auf Johanniskraut verzichten. Es ist dann nicht mehr gewährleistet, dass die Pille ihren Dienst tut.

Unterschätzte Gefahr

Die Gefahr von Wechselwirkungen wird häufig unterschätzt. Laut einer Studie in Bayern ist jeder sechste Kunde davon betroffen. Bei jedem 200. Patienten könne die Wechselwirkung sogar lebensgefährlich werden, so die Bayerische Landesapothekenkammer.

Besonders kritisch sind Mineralstoffpräparate, Blutdruckmittel, Schmerzmittel und Antidepressiva. Besonders der leichtfertige Umgang mit freiverkäuflichen Mitteln birgt eine Gefahr. Denn wenn man bereits bestimmte Medikamente einnehmen muss und sie mit vermeintlich ungefährlichen Mitteln - da freiverkäuflich - kombiniert, kann es zu schweren Wechselwirkungen kommen.

Kein Überblick für behandelnde Ärzte

Helfen kann, wenn die Patienten immer zuerst zu ihrem Hausarzt gehen, der sie und ihre Medikamente genau kennt. Doch die meisten Deutschen suchen auf eigene Faust verschiedene Mediziner auf. Die Folge: Der eine weiß nicht, was der andere verschrieben hat.

Besonders gefährdet: ältere Menschen

Frau nimmt Tabletten | Bild: colourbox.com zum Thema Medikamente So nehmen Sie Tabletten richtig ein

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Die Nieren älterer Menschen aber können die Medikamente oft nicht mehr richtig verarbeiten. Und weil ältere Menschen in der Regel verschiedene Medikamente parallel einnehmen, kommt es vermehrt zu Wechselwirkungen. Häufig werden die Symptome dafür als eigene neue Krankheit gedeutet und mit weiteren Medikamenten behandelt, die wiederum Nebenwirkungen haben.

Problematisch außerdem: Viele Medikamente sind nur an jüngeren Menschen getestet. Die Ergebnisse dieser Studien können nicht auf das höhere Lebensalter übertragen werden. Die Veränderung der Medikamentenwirkung bei älteren Patienten aber sind nicht zu unterschätzen.

Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren

Priscus-Liste

Besonders kritische Wirkstoffe sind in der sogenannten "Priscus-Liste", zusammengefasst, die es in Deutschland seit dem Jahr 2010 gibt. Hier finden sich zur Zeit 83 Substanzen, die aus verschiedenen Gründen für alte Menschen nicht empfehlenswert sind.

Für die Ärzte heißt das: Sie müssen ausprobieren, wie verschiedene Medikamente zusammen wirken. Sie können zwar in Datenbanken nachschauen, doch die zeigen nur an, wie sich zwei Arzneien vertragen, aber nicht zehn. Bei der Vielzahl von Verordnungen kann keiner mehr den Überblick bewahren. Man geht davon aus, dass bei der Gabe von drei oder mehr Medikamenten gleichzeitig die Anzahl der Interaktionen nicht mehr klar steuerbar ist.


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