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Medikamente ... mit Milch

Milch ist gesund. Das weiße Getränk enthält einen Cocktail wichtiger Nährstoffe: Milcheiweiß, Milchfett, Milchzucker, Wasser, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Damit ist es eines der wertvollsten Lebensmittel überhaupt. Das gilt, solange man keine Medikamente einnehmen muss. Denn die Wirkung mancher Medikamente kann durch Milch beeinträchtigt und außer Kraft gesetzt werden.

Stand: 10.10.2013

Milch | Bild: colourbox.com

Medikamente gegen Harnwegsinfektionen, in Kombination mit Milch und Milchprodukten, verlieren ihre Wirkung. Der Grund: Die Wirkstoffe verbinden sich mit dem Kalzium der Milchprodukte. Es bilden sich Klümpchen, die nicht mehr durch die Darmwand in die Blutbahn schlüpfen können. Die Antibiotika bleiben somit im Darm, werden verdaut und ausgeschieden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Krankheitserreger sich so auf ein Arzneimittel einstellen und resistent werden können. Das kann sehr gefährlich sein. Für die Dauer der Therapie mit Antibiotika sollte man deshalb, um auf Nummer sicher zu gehen, ganz auf Milch und Milchprodukte verzichten.

"Milch und Milchprodukte - also auch Käse - und auch kalziumhaltiges Mineralwasser können dazu führen, dass Medikamente bereits im Darm mit dem Kalzium Verbindungen eingehen, die nicht löslich sind. Dadurch gelangen die Medikamente nicht genügend in den Körper und man hat eine unzureichende Wirkung. Das sähe bei einem Antibiotikum so aus, dass die Erkrankung nicht weggeht, weil das Medikament nicht wirken kann. Deshalb ist es am besten, Medikamente mit einem Glas Leitungswasser einzunehmen."

Prof. Dr. Julia Kirchheiner, Vizepräsidentin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte

Fluortabletten nie mit Milch einnehmen

Es sind noch Wechselwirkungen mit weiteren Substanzen bekannt. Zum Beispiel Mittel zum Knochenaufbau, sogenannte Fluoride, bilden mit der Milch schwer lösliche Salze. Dadurch vermindert sich ihre Aufnahme im Organismus. Auch Fluortabletten für die Zähne sollte man deshalb nicht mit Milch hinunterschlucken. Die Kalziumteilchen besetzen in den Zähnen die gleichen Stellen wie Fluor, so dass der Körper nur einen Bruchteil davon aufnehmen kann. Wer fluoridhaltige Zahnpasta benutzt und gleich nach dem Zähneputzen Milch trinkt, braucht sich also nicht zu wundern, wenn die Zahnpasta nicht mehr viel zur Karies-Bekämpfung taugt.

Bei Mitteln gegen Osteoporose: Milchprodukte erst später

Ebenso ist es mit Biophosphonaten, die bei schweren Störungen des Knochenstoffwechsels, zum Beispiel bei Osteoporose, helfen. Der Körper kann auch diese nur teilweise verwerten, wenn man sie mit Milch hinunterschluckt. Dabei ist ein reichlicher Verzehr von Käse, Joghurt, Milch und Quark für Osteoporose-Patienten äußerst wichtig. Denn Milchprodukte enthalten Eiweiß, einen unverzichtbaren Zellaufbaustoff für Muskeln und Knochen. Außerdem enthalten sie viel Kalzium, Kalium, Magnesium, Jod und weitere Vitamine. All diese Inhaltsstoffe machen Milch zu einem wahren Energiespender. Oft müssen Menschen, die an Knochenschwund leiden, noch zusätzliches Kalzium und Vitamin D3 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen, um einen Mangel zu beheben. Aufgeben sollten sie also den gesunden Genuss von Milch und Milchprodukten auf keinen Fall.

Weitere ungewollte Wechselwirkungen

Acetylsalicylsäure und Operationen

Schmerzmittel, die Acetylsalicylsäure enthalten, verdünnen das Blut. Deshalb sollte man vor "blutigen" Eingriffen auf die Einnahme verzichten - und zwar längerfristig: Bereits acht Tage vorher sollte man diese Schmerzmittel weglassen. Die Blutgerinnung kann man nicht wie einen Lichtschalter ein- oder ausschalten. Sie ist ein sehr kompliziertes Zusammenspiel von Einzelfunktionen.

Johanniskraut und Antibabypille

Johanniskraut bewirkt vermutlich eine Veränderung der enzymatischen Verarbeitung. In unserem Körper arbeiten Enzyme, die die Arzneistoffe "verstoffwechseln". Wenn diese Enzyme schneller verstoffwechseln als normal, dann sind Arzneimittel wie die Pille in ihrer Wirksamkeit schneller abgebaut und wirken nicht mehr.

Mit Fluortabletten oder Biophosphonaten gilt lediglich: einen größeren zeitlichen Abstand wahren. Zwischen dem Genuss von Milch und der Einnahme der Pillen sollten möglichst mindestens zwei bis drei Stunden liegen. Dann kann auch die Tablette gegen Knochenschwund therapeutisch nützlich sein.

Vorsicht auch bei Mineralwasser

Mit Mineralwasser kann man sicherlich Tabletten gegen Knochenschwund oder die Antibiotika hinunterspülen, richtig? Leider ist auch das falsch. Als Regel gilt: Je mineralstoffreicher ein Wasser, desto weniger eignet es sich, um damit Tabletten einzunehmen. Es ist genau wie bei der Milch: Zu viel Kalzium, Kalium, Magnesium verhindern die Wirkung der Tabletten. Die Wirkung gegen Entzündungen wird stark gemindert.

Fazit: Für die Dauer einer Therapie mit Antibiotika vorsichtshalber ganz auf Milch, Milchprodukte und Mineralwasser verzichten. Fluoride und Biophosphonate sollte man auch stets nur mit Leitungswasser einnehmen. Es genügt aber auch, auf den zeitlichen Abstand zu achten, das heißt, mindestens zwei oder drei Stunden davor oder danach weder Milch noch Milchprodukte oder Mineralwasser zu sich nehmen.


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